«The Night of the Hunter» – ein Pastor als Serienkiller

Frauen umbringen, Kinder quälen und Gottes Wort predigen: Das alles macht Robert Mitchum als selbsternannter Priester in «The Night of the Hunter». Trotz eines guten Drehbuchs und expressiver Inszenierung erhielt Charles Laughtons einzige Regiearbeit erst Jahrzehnte später die verdiente Anerkennung.

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Filmschatz: «The Night of the Hunter»

4:41 min, vom 24.6.2015

«The Night of the Hunter» von 1955 spielt in den 1930er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Die amerikanische Bevölkerung ist arm, hungrig und naiv – es herrscht Depression. Die «Grosse Depression». Während dieser Zeit treibt Prediger Harry Powell sein Unwesen. Er bringt im Namen Gottes Frauen um. Sein nächstes Opfer hat er bereits anvisiert: Willa Harper, deren verstorbener Ehemann 10'000 Dollar versteckt hat – zu dieser Zeit eine grosse Summe. Um an das Geld heranzukommen, erschleicht er sich erfolgreich das Vertrauen der naiven Witwe.

Kritik am religiösen Fanatismus

Der Roman «The Night of the Hunter», auf dem der gleichnamige Film basiert, wurde von den Schandtaten des Serienkillers Harry F. Powers inspiriert. Zu Beginn der 1930er-Jahre tötete dieser zahlreiche Witwen, um ihr Geld zu stehlen.

Robert Mitchum und Shelley Winters

Bildlegende: Harry Powell (Robert Mitchum) wickelt sein Opfer um den Finger. METRO-GOLDWYN-MAYER

Romanautor Davis Grubb verschärfte die Geschichte, indem er aus dem Serienmörder einen Pastor machte. Damit kritisierte Grubb die Naivität und den religiösen Fanatismus der Menschen während der Grossen Depression.

In ihrer ausweglos erscheinenden Not suchten sie Halt in den Hasspredigten religiöser Fanatiker. Einer der berühmtesten dieser zwielichtigen Prediger war «Father» Charles Caughlin. Der berüchtigte Antisemit hetzte die Bevölkerung jahrelang gegen ihren Präsidenten Franklin D. Roosevelt auf, bis ihm 1942 öffentliche Auftritte verboten wurden.

Späte Anerkennung

«The Night of the Hunter» wurde 1955 gedreht. Der Thriller war das erste Regiewerk von Leinwandlegende Charles Laughton, der zu diesem Zeitpunkt bereits in über 50 Filmen mitgespielt hatte. Für «The Night of the Hunter» liess er sich vom deutschen Expressionismus – dem prägenden Stil der Stummfilmzeit – inspirieren. Der Film bezaubert durch ungewohnte Kameraperspektiven und surrealistische Sets.

Mann reitet in der Ferne auf einem Pferd

Bildlegende: Märchenhafte Bilder sorgen für die Magie von «The Night of the Hunter». METRO-GOLDWYN-MAYER

Das US-Publikum der 1950er-Jahre fand allerdings keinen Gefallen an dem für Hollywood ungewohnten Stil. Der Film floppte und das Produktionshaus «United Artists» ging beinahe Konkurs. Die Kritik war so niederschmetternd, dass Charles Laughton nie wieder Regie führte. Erst mehrere Jahrzehnte nach Laughtons Tod erkannten Filmkritiker den Wert von «The Night of the Hunter».

Spike Lee recycelte 1989 eine Szene aus dem Film in seiner Tragikomödie «Do the Right Thing» und auch bei den «Simpsons» gab es Anspielungen auf den Film. Robert Mitchum fand sich auf der Liste der grössten Filmschurken wieder und das renommierte Filmmagazin «Cahiers du cinéma» kürte den Thriller gar zum zweitbesten Film aller Zeiten. Starke Bilder und eine noch stärkere Geschichte machen Laughtons «The Night of the Hunter» zu einem Filmschatz von grösster kultureller, historischer und ästhetischer Bedeutung.