«Thunderbirds Are Go»: Puppen in geheimer Mission

Können Puppen die Kinogeschichte prägen? Ja, die «Thunderbirds» lösten 1966 einen Marionettenhype aus und begeistern mit ihrem Charme noch heute. Für Puppen-fetischisten ist dieser ungewöhnliche Science-Fiction der wohl süsseste Filmschatz überhaupt.

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Filmschatz: «Thunderbirds Are Go»

4:20 min, vom 26.8.2016

An der Faszination des Weltraums hat sich die Menschheit schon immer berauscht. Den Wettlauf ins All, den sich die Amerikaner und Sowjets in den 1950ern und 1960ern lieferten, verfolgten Millionen von Menschen am Fernseher mit – auch die Filme- und Serienmacher.

Sie liessen nicht lange auf sich warten: Serien wie «Stark Trek» und Blockbuster wie «2001: A Space Odyssey» liefen schon bald im Fernsehen und in den Kinos. Der Science-Fiction boomte. Das Publikum bekam nicht genug von Kosmos, Kapseln und Kometen.

Winzlinge im Weltraum

Auf unserer Seite des Atlantiks grübelten zwei kreative Briten an etwas Neuem herum. Gerry und Sylvia Anderson fragten sich: warum nicht ein Science-Fiction mit Marionetten? So schufen sie 1962 die erste europäische Puppenserie zum Thema Reisen im Weltraum: «Fireball XL 5». Die britische Serie war ein Erfolg – auch in den USA.

Vier Jahre später erweckten die Andersons ein weiteres Kasperltheater zum Leben. Mit den «Thunderbirds» ging ein neuer Stern auf. Die drolligen Knirpse sorgten nicht nur für Recht und Ordnung im Weltraum, sie lösten mit ihrem knuffigen Antlitz einen regelrechten Hype aus.

Es gab die Thunderbirds auf Cornflakes- und Schokoladen-Verpackungen und natürlich auch als Spielzeug. Klar, dass ein Kinofilm ebenfalls bald folgen würde.

Auf dem Bild sind die Puppen aus Thunderbirds zu erkennen.

Bildlegende: Eine schrecklich nette Familie: Die Tracys mit Freunden und Penelope. Getty Images

Kleine Thunderbirds auf der grossen Leinwand

In «Thunderbirds Are Go» kommt eine international operierende Rettungsgruppe namens «International Rescue» zum Einsatz, als eine Raumschiffexpedition zum Mars wegen Sabotage scheitert. Es sind die Thunderbirds, bestehend aus den Gebrüdern Tracy. Die fünf Tracys sind zusammen mit ihrem Vater zuständig für die Sicherheit im Weltall.

Gemeinsam mit ihren Thunderbirds-Maschinen, die aussehen wie Raketen, U-Boote oder Flugzeuge, begleiten sie das Raumschiff bei der zweiten Reise zum Mars. Mit Hilfe von Lady Penelope, einer englischen Sicherheitsbeauftragten, glückt die Mission.

Effekte, die sogar James Cameron beeindrucken

Der Aufwand, den man für die Puppenshow betrieb, war immens. 700 Kostüme, massenweise Perücken und Miniaturkulissen wurden angefertigt. Die Macher bewiesen auf dem Set grossen Erfindungsreichtum. In einer Szene wurde weisses Trockeneis pink eingefärbt, um daraus eine Wolke zu formen. Diese wurde dann im Film für eine Traumszene verwendet. Herrlich kitschig!

Auf dem Bild ist eine Explosion zu sehen.

Bildlegende: Der «Fireball»-Effekt lässt in «Thunderbirds Are Go» ein Raumschiff in die Luft jagen. Thunderbirds Are Go

An den Spezialeffekten feilten insgesamt 29 Techniker. Eine Explosionsszene wurde ausserhalb des Studios gedreht. Für den sogenannte «Fireball»-Effekt liess man ein gefährliches Chemikaliengebräu detonieren. Das Ganze sollte aussehen, als würde eine gigantische Feuerkugel in der Luft zerschellen. Das Ergebnis: Ein Raumschiff, das im Funkenregen in Sekundenschnelle explodiert. Für damalige Verhältnisse war dieser visuelle Knaller eine kleine Sensation.

Die Einmaligkeit der Spezialeffekte sprach sich in der Szene schnell herum. 20 Jahre später klopfte US-Regielegende James Cameron höchstpersönlich bei den Thunderbirds-Machern an. Er brauchte Tipps für «Aliens – die Rückkehr».

Science-Fiction

Wissenschaftler streiten bis heute, wann sich der Begriff «Science-Fiction» etabliert hat. Bereits im 18. Jahrhundert fand man die Bezeichnung vereinzelt in der Literatur. Doch erst 1926 brauchte der US-Schriftsteller Hugo Gernsback den Begriff intensiv in der Zeitschrift «Amazing Stories». Der Durchbruch gelang dem Genre schliesslich in den 50ern.