Neu im Kino «Tiger Girl» ist cool, aber oberflächlich

Die Schweizerin Ella Rumpf glänzt als «Tiger Girl», aber unter der coolen Oberfläche steckt nicht viel Tiefgang.

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Filmstart diese Woche: «Tiger Girl»

2:29 min, aus Keine 3 Minuten – Die Filmkritik für Eilige vom 7.4.2017

Maggie (Maria Dragus) hat die Aufnahmeprüfung bei der Polizei nicht bestanden, deshalb macht sie nun eine Ausbildung bei einem Sicherheitsdienst in Berlin. Vermutlich will die unsichere Frau dadurch ihr Selbstvertrauen stärken. Ihre neue Freundin Tiger (Ella Rumpf) ist das totale Gegenteil. Sie nennt Maggie Vanilla, sagt immer, was sie denkt, schert sich einen Dreck um Regeln und schlägt auch mal mit dem Baseballschläger zu.

Das zentralste Zitat

Zwei junge Frauen in der Uniform eines Sicherheitsdiensts.

Bildlegende: Vanilla und Tiger hecken in Uniform etwas aus. Pathé

«Du bist viel zu lieb. Du bist nicht nett, du bist höflich. Höflichkeit ist auch eine Art Gewalt, aber es ist eine Gewalt gegen dich», sagt Tiger ihrem Schützling Vanilla. Statt diese Behauptung zu hinterfragen, beginnt Vanilla Tiger nachzueifern und die Gewalt nach aussen zu richten. Vandalismus, Unterdrückung, Diebstahl: Hauptsache, es macht Spass.

Die Schauspielerin

Junge Frau lehnt sich über Einkaufswagen.

Bildlegende: Die Schweizerin Ella Rumpf glänzt als Tiger. Pathé

Die Schweizerin Ella Rumpf spielt in «Tiger Girl» die Aussenseiterin Tiger, die sich vor allem dann frei fühlt, wenn sie wild gegen Regeln und Gesetze verstösst. Und die Schauspielerin tut das mit erstaunlicher Präsenz und Charisma. Mit fast kahl geschorenem Kopf hat die 21-Jährige schon im wuchtigen Spielfilm «Chrieg» (2014) überzeugt.

Fakten, die man wissen sollte

Der Regisseur Jakob Lass steht vor dem Filmplakat von "Tiger Girl".

Bildlegende: Jakob Lass, Regisseur und Co-Autor. Constantin

Wie schon bei seinem letzten Film «Love Steaks» (2013) setzt Regisseur Jakob Lass nun auch bei «Tiger Girl» nur ein skizzenhaftes Drehbuch ein. Die Schauspieler kennen die allgemeine Handlung und improvisieren die Dialoge beim Drehen. Das führt zu Szenen, die sehr authentisch, teils sogar fast dokumentarisch wirken. An der diesjährigen Berlinale kam das sehr gut an.

Das Urteil

Zwei junge Frauen in Scurity-Uniformen im Park.

Bildlegende: Vanilla und Tiger suchen sich ihre nächsten Opfer. Pathé

Mit seinen «Kick Ass Girls» Vanilla und Tiger entwickelt «Tiger Girl» rasch einen Sog, der einen mitreisst. Wie die Freundinnen in Uniformen von Vanillas Sicherheitsdienst Leute schikanieren, hat etwas quälend Faszinierendes. Doch das gesetzlose Auskosten der Macht, welche die Gesetzeshüter-Uniform verleiht, wird erst ganz am Schluss und nur andeutungsweise reflektiert. Konsequenzen werden gar keine gezeigt, da die beiden Frauen stets ungeschoren davonkommen. Das führt zum bitteren Nachgeschmack, dass hier um der Coolness Willen Gewalt und Gesetzlosigkeit bloss zelebriert werden.

Kinostart: 6. April 2017