Im Kino «Tour de France»: Die Suche nach dem wahren Frankreich

50 Jahre steht Gérard Depardieu schon vor der Kamera. Sein neustes Werk: «Tour de France». Ein Film, der die Frage nach der französischen Identität stellt.

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Gérard Depardieu - Seit 50 Jahren vor der Kamera

1:42 min, vom 28.2.2017

Liberté, Egalité, Fraternité – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Frankreichs Wahlspruch wird in den letzten Jahren auf die Probe gestellt. Terrorattacken und Fremdenhass machen Schlagzeile. Von Toleranz und gegenseitigem Respekt oft keine Spur.


Michael Sennhauser über «Tour de France»

3:20 min, aus Kultur kompakt vom 02.03.2017

Das Frankreich von heute ist multikulturell. Gesellschaftliche Spannungen lassen sich da nicht verhindern. Regisseur und Drehbuchautor Rachid Djaïdanis Reaktion auf Frankreichs Identitätskrise?

Ein Road-Movie nach klassischem Rezept: Ein ungleiches Paar macht sich auf eine Art Pilgerreise, auf der sie nicht nur das Land, sondern auch einander besser kennenlernen.

Ein Land, zwei verschiedene Welten

Far'Hook ist ein junger, arabischer Rapper aus Paris. Als ein rivalisierender Rapper sein Leben bedroht, muss er untertauchen. Um zu verschwinden, erklärt er sich bereit, Serge, den Vater seines Musikproduzenten Bilal, im Lastwagen durch Frankreich zu kutschieren.

Serge ist ein verbitterter, ausländerfeindlicher Rentner. Dieser lebt nach dem Tod seiner Frau zurückgezogen in einem kleinen Dorf. Doch Serge hat ein Ziel, von dem er sich nicht einmal von einem rappenden, ausländischen Fahrer abhalten lässt. Er möchte Bilder aller Häfen anfertigen, die der französische Maler Claude Joseph Vernet im 18. Jahrhundert gemalt hat. So beginnt die Reise zweier sehr unterschiedlicher Männer durch Frankreich.

Depardieu, Charme, Klischees und Gegensätze

Die wunderschöne Kamera-Arbeit und der Cast machen den Charme des Filmes aus. Alteisen Gérard Depardieu ist als sympathisches Ekelpaket fantastisch. Er und der Rapper Sadek, für den dies die erste Filmrolle ist, bringen die verdrehte Beziehung perfekt auf den Punkt.

Depardieu mit Mikrofon in der Hand hält eine Rede.

Bildlegende: Depardieu 2012 an einer Wahlkampfveranstaltung für Ex-Präsident Sarkozy. Keystone

Die Themen des Films, Ausländer- und Islamfeindlichkeit, sind auch Themen des aktuellen Wahlkampfs in Frankreich, was «Tour de France» hochaktuell macht.

Zwischen den politischen Lagern

Gérard Depardieu hat schon immer seine politische Meinung rausposaunt. Er schätzte den Sozialisten François Mitterrand, genauso wie den Konservativen Nicolas Sarkozy.

Den scheidenden Präsidenten François Hollande nannte er mal den «kleinen Bolschewik». Als der vor fünf Jahren eine Reichensteuer von 75 Prozent einführte, zog Depardieu erst nach Belgien, dann nahm er die russische Staatsbürgerschaft an. Marine Le Pen nannte er Ende 2016 keine Gefahr, sondern einfach «Schrott».

Der Film spielt mit verschiedenen Gegensätzen: alt vs. jung, Geschichte vs. Moderne, Franzose vs. Araber, Katholizismus vs. Islam. Dabei bedient sich der Film mancherlei Klischees und kommt zu einem vorhersehbaren Schluss. «Tour de France» ist ein Wohlfühlfilm mit sozialkritischem Ansatz. Fazit: Gute Unterhaltung.

Kinostart: 2.3.2017