TV-Tipp des Tages: «Breaking and Entering - Einbruch & Diebstahl»

Der Immigrantenjunge Miro bricht auf akrobatische Weise in ein Architekturbüro ein. Der Architekt Will verfolgt ihn und ist fasziniert von dessen Mutter Amira. Einsam und orientierungslos beginnt der eigentlich bereits liierte Will mit ihr eine Affäre, die beider Welten aus den Fugen geraten lässt.

Zwei Jungen blicken niedergeschlagen in die selbe Richtung.

Bildlegende: Der junge Dieb: Rafi Gavron als Miro (l.) SRF/Miramax Films

Aus dem Londoner Architekturbüro der zwei erfolgreichen Architekten Will (Jude Law) und Sandy (Martin Freeman) werden zwei Mal nacheinander Hightechgeräte gestohlen. Will setzt sich zum Ziel, die Täter zu überführen, und beobachtet nachts im Auto seine Firma. Es ist gleichzeitig eine Flucht vor seinem belasteten Beziehungsalltag. Will ist seit Langem mit seiner schwedisch-amerikanischen Freundin Liv (Robin Wright Penn) zusammen, die eine 13-jährige autistische Tochter (Poppy Rogers) hat. Dieses Mädchen namens Bea schläft und isst nicht und macht Tag und Nacht zwanghaft Gymnastik. Liv leidet unter Depressionen und stösst Will von sich. Um ihrer Liebe noch eine Chance zu geben, besuchen die beiden eine Paartherapeutin (Juliet Stevenson).

Eines Nachts entdeckt Will den jugendlichen Einbrecher, der virtuos auf seinem Bürogebäude herumklettert, und verfolgt ihn bis nach Hause. Es ist der bosnische Immigrant Miro (Rafi Gavron), der für den Verbrecherring seines Onkels arbeitet. Am nächsten Tag kehrt Will zu dessen Wohnung zurück und lernt die Mutter Amira (Juliette Binoche) kennen, eine Schneiderin. Er gibt vor, einen Auftrag für sie zu haben. So dringt Will immer weiter in ein fremdes Leben ein und beginnt, um die verletzliche Witwe zu buhlen, die während des Kriegs aus Sarajevo floh.

Intelligenter, feiner Film mit leisen Zwischentönen

Als ihr 15-jähriger Sohn Miro ihr beichtet, dass er eben diesen Will bestohlen habe, lässt sich Amira auf ein Verhältnis mit dem Architekten ein. Sie fotografiert ihn dabei heimlich in einer verfänglichen Situation, um ihren Sohn vor Strafverfolgung zu schützen. Aber auch die Polizei beobachtet Miro seit Längerem und verhaftet ihn schliesslich. Will steht vor der Entscheidung, ihm zu helfen oder in sein altes Leben zurückzukehren.

«Breaking & Entering» ist ein intelligenter, feiner Film mit leisen Zwischentönen. Neben den menschlichen Konflikten interessiert Erfolgsregisseur Anthony Minghella aber auch die soziale Situation in London und die politischen Hintergründe. Er stellt im Film Fragen zu Immigration und beobachtet feinfühlig die verschiedenen Formen des Ausgeschlossenseins - sei es von seinem Land, seiner Beziehung oder seiner eigenen Identität. «Breaking & Entering» führt unterschiedliche Menschen schicksalhaft zusammen und spiegelt ihre Welten ineinander wider.

Der im Jahr 2008 an den Folgen einer Operation verstorbene, oscargekrönte Regisseur Anthony Minghella arbeitete gerne immer wieder mit denselben Schauspielern zusammen. So wurde Jude Law unter seiner Regie für «Cold Mountain» und «The Talented Mr. Ripley» oscarnominiert, und Juliette Binoche erhielt für «The English Patient» einen Academy Award. Die Französin wurde für ihre Rolle in dem Liebesdrama «Copie Conforme» des iranischen Regisseurs Abbas Kiarostami in Cannes unlängst als Beste Schauspielerin ausgezeichnet.

Sendeplatz

Dienstagnacht um 23:50 Uhr auf SRF zwei