Neu im Kino Vater-Sohn-Konflikte auf Chinesisch

Das kommt uns gar nicht chinesisch vor: Im Reich der Mitte soll ein Sohn soll das Imkergeschäft des Vaters übernehmen. Doch der Junge hat eigene Träume. Ein berührender Film über den universellen Konflikt der Generationen.

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5 Fragen an Diedie Weng

5:00 min, vom 19.7.2017

«Weisst du, warum es so wenige junge Imker gibt?», fragt Maofu und blickt zu Boden. «Sie halten es nicht aus.» Diese kurze Sequenz bringt auf den Punkt, worum es in «The Beekeeper and his Son» geht: Der junge Chinese Maofu kehrt aus der Stadt aufs Land zu seinen Eltern zurück, um vom Vater das Bienenzuchthandwerk zu erlernen. Doch der Sohn ist nicht mit Herzblut dabei. Denn eigentlich will er sich selbst verwirklichen. In der Stadt, nicht auf dem Land.

Imker am Fenster

Bildlegende: Imker Mafou sucht seinen Nachfolger. Mirafilms

Laoyu, der Vater, hat wenig Verständnis. Der mürrische Bauer erwartet mehr Leidenschaft von Laoyu und ärgert sich. Dabei flucht er schlimmer als jeder Seemann. Das Problem: Offen miteinander sprechen können die beiden nicht. «Sie haben sich öfters an mich und meine Kamera gewandt statt zueinander», erzählt Regisseurin Diedie Weng beim Interview in Zürich.

Zerreissprobe für die Familie

Weng stammt aus China und hat erst vor kurzem ihr Dokumentarfilmstudium in den USA abgeschlossen. «The Beekeeper and his Son» ist ihr allererster Film. «Ursprünglich plante ich mit Laoyu einen Film über die Bienenzucht zu drehen. Doch die Heimkehr des Sohnes entwickelte sich zur Zerreissprobe für die Familie und wie von selbst entstand auf diese Weise ein Film über Menschen statt über Bienen.»

Mafou sitzt auf Bienenstöcke

Bildlegende: Sohn Mafou ist sich unsicher, ob er diese Bienenstöcke wirklich erben will. Mirafilms

Weng lebte über ein Jahr bei der Familie und filmte ihren Alltag. Dadurch wurde sie fast schon ein Mitglied der Familie. Kaum eine Szene wirkt inszeniert.

«Ich gab ihnen nie Anweisungen. Ab einem gewissen Punkt vergassen sie die Kamera, sahen in ihr ein Teil von mir. So wurde sie zusammen mit mir zu einem natürlichen Teil der Familie», sagt Weng.

Universale Probleme

Herausgekommen ist ein erstaunlich ehrlicher Dokumentarfilm, der nichts beschönigt. Melancholisch und unauffällig nimmt der Zuschauer Teil am Familienleben. Wenn Imker Mafou einen seiner Wutausbrüche hat oder die Wand des Schweigens zwischen Vater und Sohn greifbar erscheint, dann tut der Film sogar ein bisschen weh. Auch weil man als Zuschauer trotz des grossen kulturellen Unterschieds vielleicht die eigene Familiendynamik irgendwo wiedererkennt.

Vater und Sohn sprechen nicht miteinander.

Bildlegende: Offen miteinander zu kommunizieren fällt Vater und Sohn schwer. Mirafilms

Genau darin liegt die Stärke des Films. Schlussendlich erzählt er vom universalen Konflikt der Generationen: Die Erwartungshaltung der Eltern deckt sich nicht mit den persönlichen Zielen des Nachwuchses. Wenn auf diese Weise Tradition auf Moderne prallt, dann ist das immer ein bisschen schmerzhaft. Hier genauso wie in China.

SRF-Koproduktion

Schweizer Radio und Fernsehen hat diesen Beitrag koproduziert.