Vier Kinder auf dem Todeszug: «La Jaula de Oro»

Vier Jugendliche wollen von Guatemala in die USA ausreisen. «La Jaula de Oro» begleitet sie auf der gefährlichen Reise. Der Erstling von Regisseur Diego Quemada-Díez wurde mehrfach ausgezeichnet. Der Film überzeugt auch dank den authentischen Darstellern: Alles Laien, darunter echte Migranten.

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Filmbesprechung: «La Jaula de Oro»

4:29 min, vom 12.12.2013

Aus den Slums von Guatemala nach Amerika zu den Cowboys. Das ist der Traum der vier jungen Protagonisten von «La Jaula de Oro». Das Flüchtlingsdrama von Diego Quemada-Díez startet in Guatemala.

Das Land ist zwar dreckig und arm, scheint aber einigermassen friedvoll. Ganz im Gegensatz zu dem, was die vier Jugendlichen Sara, Juan, Samuel und Chauk auf ihrem Weg durch Mexiko erwartet. Hilflos sind sie Machtmissbrauch und Übergriffen ausgeliefert – Täter sind Behörden wie Banditen.

Filmteam und zwei Protagonisten beim Dreh

Bildlegende: Dreharbeiten zu «La Jaula de Oro». Regisseur Diego Quemada-Díez / Xenix Filmdistribution

Laien machen den Film sehr glaubhaft

Der Regisseur Quemada-Díez ist gebürtiger Spanier und wohnt seit zwei Jahrzehnten in Amerika. «Mir ist das Auswandern nicht fremd», sagt er. Wie sein britischer Mentor, Regisseur Ken Loach, beschäftigt er sich mit sozialen Themen. Schon in seinen zwei Kurzfilmen «La Morena» (2006) und «I Want To Be A Pilot» (2006) wählte er die Sicht von Jugendlichen, um Missstände zu veranschaulichen. Mit demselben Mittel gelingt es ihm in «La Jaula de Oro» auf eindrückliche Weise, die Migrations-Problematik in Mexiko und den USA aufzuzeigen.

Monatelange Recherche an der Todeszug-Strecke

Der Film sei zwar Fiktion, er wolle aber so nahe wie möglich an der Realität bleiben, so Quemada-Díez im Interview. Deshalb sind ausnahmslos alle Schauspieler in «La Jaula de Oro» Laien. Das erhöht Authentizität und Spannung. «Eines unserer Teams fuhr jeweils zwei, drei Tage vor uns die Migranten-Route ab und castete vor Ort Statisten», erzählt er. «Ich will den Migranten eine Stimme geben.»

Die Geschichte des Filmes setzt sich aus Aussagen und Berichten von hunderten Auswanderern zusammen, die Quemada-Díez selber gesammelt hat. Er hat monatelang an den Gleisen des sogenannten Todeszuges recherchiert. Dabei handelt es sich um einen Güterzug, der mehrere Tausend Kilometer durch Mexiko bis kurz vor die US-amerikanische Grenze fährt. Überall entlang der Strecke springen Migranten auf.

Ein beeindruckender Erstling

Die Idee für den Film hatte Quemada-Díez per Zufall: «Ich lernte einen mexikanischen Taxifahrer kennen, der mich zu sich nachhause einlud. Gleich hinter seinem Haus fuhr der Zug durch.»

Inspiriert durch die täglichen Begegnungen, entstand ein beklemmender und realitätsnaher Film. «La Jaula de Oro» ist ein beeindruckender Erstling.