Vom Leben gezeichnet: Dokfilme mischen Realität und Fantasie

Dokumentarfilme haben den Anspruch, die Realität möglichst authentisch abzubilden. Im Animationsfilm hingegen scheint die Fantasie Regie zu führen. Was unvereinbar klingt, hat Tradition: Immer wieder verbindet sich der Dokfilm mit Animationen, wie ein Blick in die Geschichte zeigt. Einige Beispiele.

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      «The Sinking of the Lusitania»
      Eine Zeichnung zeigt einen Dampfer mit Bug im Wasser, kurz vor dem definitiven Sinken.

      Bildlegende: Eine Originalzeichnung von Winsor McCay. Wikimedia

      Der erste dokumentarische Film, der auf Animationen zurückgreift. Der 12-minütige Stummfilm aus dem Jahr 1918 zeigt, wie im Ersten Weltkrieg der britische Passagierdampfer Lusitania von deutschen Torpedos getroffen wird und wie die 2000 Passagiere sich zu retten versuchen. Da es keine Bilder gab, zeichnete Winsor McCay die Katastrophe und kombinierte sie mit Schrifttafeln. Das Resultat war ein Film mit eindeutigem Propagandazweck. Durch die Zeichnungen erlebte das Publikum den Schrecken hautnah, der intendierte Zweck zeigte Wirkung.

    • 2.
      «Persepolis»
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      Iran von innen: die Autobiografie «Persepolis»

      5:27 min, aus Kulturplatz vom 12.9.2007

      Der Film basiert auf den vierbändigen Comics «Persepolis» der Iranerin Marjane Satrapi. Der Comic ist zugleich Autobiografie, Familiensaga und Geschichte des Irans von der Schah-Diktatur bis zum islamischen Gottesstaat – erzählt aus der selbstironischen Perspektive eines heranwachsenden Mädchens. Vom Welterfolg des Comics beflügelt machte Marjane Satrapi daraus einen abendfüllenden Animationsfilm, der am Filmfestival von Cannes 2007 den Grossen Preis der Jury gewann.

    • 3.
      «Waltz with Bashir»
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      «Waltz with Bashir» am Filmfestival Cannes

      1:04 min, aus Kulturplatz vom 21.5.2008

      Der Regisseur Ari Folman geht im Film auf die Suche nach seiner eigenen Kriegsvergangenheit. Folman versucht, die Ereignisse des Libanonkrieges von 1982 und die Massaker von Sabra und Schatila zu rekonstruieren, anhand von Gesprächen mit ehemaligen Freunden und Weggefährten. Er dokumentiert dies nicht wie üblich mit Archivaufnahmen und Interviewsequenzen, sondern mit Animationen. Sein Film, der 2008 in Cannes Furore machte, wird immer wieder als Geburtsstunde des animierten Dokumentarfilms genannt.

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      «The Green Wave» (Trailer)
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      Trailer von «The Green Wave»

      1:24 min, vom 23.12.2015

      Der Film von Ali Samadi Ahadi zeigt, wie die anfangs hoffnungsvolle, «grüne» Revolution im Iran im Jahr 2009 brutal niedergeschlagen wurde. Da eine Abbildung realer Personen verboten und für die Betroffenen gefährlich gewesen wäre, werden die Bürgerproteste auf ungewöhnliche Art dokumentiert: Auf der Basis tatsächlich existierender Blog-, Facebook-, Youtube- und Twitter-Beiträgen erzählen zwei fiktive, animierte Figuren ihre Version der Proteste und deren Eindämmung durch das Regime.

    • 5.
      «Die Abenteurer der modernen Kunst»
      Pablo Picasso, im Atelier, vor einem Bild fünf nackter Frauen stehend.

      Bildlegende: Picasso im Atelier vor seinem Bild «Les Demoiselles d'Avignon», das für Empörung sorgte und den Kubismus ankündigte. SilexFilms/Arte France/Fianciere Pinault

      Die gerade erst erschienene Animationsserie basiert auf den Büchern von Dan Franck. Der französische Schriftsteller beschreibt anhand von Episoden aus dem Alltag, wie in Paris die Kunst der Moderne entstand. Am Anfang steht die bohemienhaften Aufbruchsstimmung um 1900, das Ende bildet die Ernüchterung des Zweiten Weltkriegs. Die Autorinnen Amélie Harrault, Pauline Gaillard und Valérie Loiseleux setzen Francks Episoden um in einer temporeichen Mischung aus Animationen, Archivaufnahmen und Fotos. Die sechsteilige Serie ist bei SRF in der Sendung «Sternstunde Kunst» zu sehen.

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