Von lebenden Leichen und unsterblichen Gefühlen

Mit «Warm Bodies» wird nach dem Vampir nun auch der Zombie salonfähig. Doch wer einen nach Fäulnis riechenden «Twilight»-Abklatsch erwartet, der wird an dieser Stelle enttäuscht. «Warm Bodies» ist lebendiger, als es Edward Cullen und Co. je sein könnten.

Wir schreiben die Zukunft. Durch besonders unglückliche Umstände hat sich ein Grossteil der Amerikanischen Bevölkerung in gefühlskalte, phlegmatische Zombies verwandelt. Schlimmer noch: Aus Zombies werden irgendwann Knochen. Aggressiv und ohne einen Funken Menschlichkeit verspeisen sie alles, was ein Gehirn hat.

Auch der Zombie R. (Nicholas Hoult) muss Gehirne essen um zu überleben. Wohl ist ihm dabei nicht. Als kleinen Trost schenkt ihm jedes wabbelige Mahl wenigstens etwas Menschlichkeit, denn er verfügt für einen kurzen Moment über die Gefühle und Erinnerungen seines Opfers.

Rettung vor hungrigen Leidensgenossen

R. ist ein emotionaler Zombie, leicht schrullig und nostalgisch. Er sammelt gerne kleine Souvenirs und legt in seinem Zuhause, einer abgestürzten Boeing, Schalplatten auf. Eines Tages begegnet R. der mutigen Julie (Teresa Palmer). Er verschleppt die Tochter eines Generals (John Malkovich) in sein Zuhause und rettet sie so vor seinen hungrigen Leidensgenossen. Die Lovestory wäre perfekt, hätte R. nicht vorher Julies Freund Perry (Dave Franco) verspeist und wäre Julies Vater nicht der grösste Zombiekiller von allen.

Ungeahnte Gefühle

Portrait des Regisseurs Jonathan Levine.

Bildlegende: «Warm Bodies»-Regisseur Jonathan Levine. Reuters

Die Zeit rennt sowohl gegen die Liebenden, wie auch gegen Lebende, denn den Knochen passt die anbahnende Liaison so gar nicht auf den Speiseplan. Doch Gefühle kann man nicht einfach unterbinden, vor allem dann nicht, wenn man sie eigentlich gar nicht haben sollte.

Die besseren Bleichgesichter

Die Parallelen zur erfolgreichen Vampir Schmonzette «Twilight» sind auf der Ideen-Ebene kaum zu übersehen. Sogar das Filmstudio ist dasselbe. Dennoch: Trotz aller Gemeinsamkeiten sollte man sich nicht täuschen lassen. «Warm Bodies» lebt nicht jedes denkbare Klischee aus, sondern spielt mit ihnen. «Romeo und Julia» trifft auf «The Walking Dead» – die Rechnung geht auf. Statt geballtem Kitsch gibt es Lacher, statt aalglatt auch mal Ecken und Kanten. Gewollte Imperfektion, ohne geschmacklich anstössig zu sein. Selbst eine zarte Kritik an den schiesswütigen Post Apokalypse-Amerikanern hat hier Platz.

Es bleibt an dieser Stelle nur zu hoffen, dass die «romantische Zombie Komödie» ein Unikat bleibt. Denn genau wie bei den Vampiren würde auch bei zu vielen verliebten Zombies die Idee schnell modrig werden.

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«Warm Bodies» (USA 2013)

1:04 min, aus Box Office vom 17.2.2013

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