«Wall Street»: Vom Risiko der endlosen Gier

In der Fortsetzung des legendären Films über Gier mit Michael Douglas zeigt sich nicht nur die Gier der Wall-Street-Spekulanten. Er erweist auch Referenz an das erste Mal, als Hochrisikohändler an der Börse einen Crash erlebten, den «Tulpencrash».

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Die «Tulpen Manie» in «Wall Street: Money Never Sleeps»

0:52 min, vom 18.8.2013

Ein Sturm braut sich zusammen am grauen Himmel über der Wall Street, eine Seifenblase schwebt durch den Central Park. Sie steht für die Finanzblase, die bald platzen wird.

Der ehemalige Börsenhai Gordon Gekko (Michael Douglas) ist sich dessen sicher. Nach einem langjährigen Gefängnisaufenthalt hat er sich in einer Loft hoch über den Dächern der Stadt einquartiert, um erneut seine Netze auszulegen. In Anwesenheit seines zukünftigen Schwiegersohns Jake Moore (Shia LaBeouf) sinniert Gekko über die Bedeutung des Gemäldes «Tulipomania».

Satirisches Genrebild von Jan Brueghel d.J. auf die Tulpenmanie seiner Zeit: Affen verkaufen Affen Zwiebeln.

Bildlegende: Eine Satire von Jan Brueghel d.J. auf die Tulpenmanie seiner Zeit: Affen verkaufen Affen Zwiebeln. WIKIMEDIA

Der «Tulpencrash»

Das Werk hängt nicht zufällig bei Gekko an der Wand, stellt es doch eine der grössten und ersten gut dokumentierten Spekulationsblasen der Wirtschaftsgeschichte dar. In den Niederlanden des 17. Jahrhunderts entwickelte sich die Tulpe vom peripheren Liebhaberobjekt der Oberschicht in kurzer Zeit zur kommerziellen Handelsware.

Die Nachfrage überstieg das Angebot und das Spekulationsfieber trieb solchen Auswuchs, dass man zum Preis einer Zwiebel ein hübsches Haus an einer Gracht kaufen konnte. Doch im Februar 1637 platzte die Blase und die Preise fielen ins Bodenlose, bis eine Handvoll Zwiebeln nur noch wenige Gulden wert waren - irgendwie hört sich die Geschichte doch bekannt an.

Die Zwiebel dient hier als Symbol für die spekulative Wunschhülle und die Bereitschaft für Risikogeschäfte. Wer garantiert, dass die Zwiebel einst eine prachtvolle Tulpe wie die «Semper Augustus» hervorbringt, ja überhaupt eine Tulpe werden wird? Wer garantiert, dass die Preise noch weiter steigen werden?

Wenn Gier unersättlich ist

Ob Tulpen oder Aktien, mit der Spekulationsmanie geht der Leicht- bzw. Wahnsinn einher, den Jake als Wall Street Insider, wie folgt schildert: «Immer und immer wieder dasselbe tun und ein anderes Ergebnis erwarten… so gesehen, sind die meisten von uns wahnsinnig, nur nicht alle zur selben Zeit. Und darauf verlassen wir uns. Aber hat diese Lebensweise eine Zukunft, wenn immer mehr Menschen zur selben Zeit wahnsinnig sind?»

«Wall Street: Money Never Sleeps» zeigt, wie vielfältig im Wirtschaftssektor spekuliert und manipuliert wird. Im Ansatz lassen sich die Dimensionen erkennen, die eine Spekulationsblase annehmen kann, wenn die Gier nach Geld und Macht unersättlich ist.

«Wall Street 2» (2010)

«Wall Street 2» (2010)

20th Century Fox

Regie: Oliver Stone

Darsteller: Michael Douglas, Shia LaBeouf, Carey Mulligan

Auf SRF zwei: 25. August, 20 Uhr

Trailer