Wenn eine Mutter Angst hat, dass ihr Sohn schwul wird

Eine Mutter findet, dass ihr Sohn zu feminin ist und versucht, ihn zum Macho zu erziehen. «Pelo Malo» ist ein Film, der subtil die soziale Situation in Venezuela widerspiegelt. Einem Land, das extrem schwulenfeindlich ist. Die Regisseurin Mariana Rondón will das ändern.

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Unter der Lupe: «Pelo Malo»

1:11 min, vom 10.4.2014

Junge, die eine Hälfte der Haare ist gelockt, die andere geglättet.

Bildlegende: Pelo Malo bezeichnet in Venezuela den Haartyyp der Afrikaner. Look Now!

Junior ist neun Jahre alt und wohnt mit seiner alleinerziehenden Mutter in einem Armenviertel von Caracas. Er ist anders als gleichaltrige Jungen: Er liebt es, zu singen und sich stundenlang vor dem Spiegel zu frisieren. Vor allem will er das wilde Kraushaar loszuwerden. Als Schönheitsideal idealisiert er die langen und glatten Haare seiner Mutter. Die homophobe Frau versteht die femininen Leidenschaften ihres Sohnes nicht. Sie wünscht sich, dass er – wie die anderen Jungen in der Nachbarschaft – ein männlicheres Gebaren an den Tag legt. Denn in Venezuela haben nur Machos eine Chance.

Das bewegendste Zitat

«Ich bin neun Jahre alt und habe scheussliche Haare. Wenn ich sie glätte, wird meine Mutter mich lieber haben. Und dann wird sie mich nicht verlassen.»
(Junior erklärt, warum das Glätten der Haare für ihn so wichtig ist.)

Fakten, die man kennen sollte

Regisseurin Mariana Rondón ging es um Authentizität. Deshalb sind die meisten Akteure in «Pelo Malo» Laiendarsteller. Sie standen noch nie vor einer Kamera. Die Kinder wurden auf der Strasse und in der Schule gecastet. Die erwachsenen Darsteller üben teilweise die gleichen Jobs aus wie im Film. Als Vorbereitung hat Mariana Rondón mit den Darstellern fünf Monate vor Drehbeginn intensiv zusammengearbeitet.

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Interview mit der Regisseurin Mariana Rondón

4:14 min, vom 10.4.2014

Die Regisseurin

Die 48-jährige Regisseurin Mariana Rondón thematisiert in ihren Filmen oft gesellschaftskritische Themen. So etwa in ihrem bisher grössten Erfolg «Postales de Leningrado» (2007). In diesem mehrfach preisgekrönten Drama steht wie auch in «Pelo Malo» ein Kind im Mittelpunkt. Es wächst in den 60er-Jahren bei einer linken Guerilla-Truppe auf. Der Film erzählt, wie das Kind mit dem Leben auf der Flucht zurechtkommt.

Das Urteil

«Pelo Malo» ist mehr als nur die Geschichte eines Heranwachsenden. Der vielschichtige Film spiegelt auf subtile Weise die soziale und politische Situation in Venezuela wieder. Das Land ist seit dem Tod von Präsident Hugo Chávez im Ausnahmezustand. Seit zwei Monaten kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Opposition und es herrschen Kriminalität, Korruption und Armut. Die Schwulenfeindlichkeit wächst. Angesehene Politiker benutzen homophobe Attacken für ihre Wahlkämpfe.

«Pelo Malo» schafft es, die Schwierigkeiten eines Landes aufzuzeigen, ohne kritisierend den Zeigefinger zu erheben. Die kleine Geschichte von Junior und seiner Mutter reicht aus, um die grossen Probleme aufzuzeigen. Beeindruckend. Deshalb sollte man sich den Film unbedingt anschauen.