Zürich Film Festival: im Kalender höchstens hellrot angestrichen

Das Zürich Film Festival gibt es mittlerweile fast ein ganzes Jahrzehnt, dieses Jahr wird die 9. Ausgabe gefeiert. Der Anlass zieht inzwischen Publikum und Stars gleichermassen nach Zürich, dennoch scheint die Branche das Festival immer noch nicht ins Herz geschlossen zu haben. Warum ist das so?

Auf einem Podest steht der Award in Form eines golden eingefassten Auges.

Bildlegende: Der mit 20'000 Schweizer Franken dotierte Hauptpreis des Zürich Film Festival: das Goldene Auge. Keystone

Bereits zum neunten Mal findet das Zürich Film Festival nun schon statt. In den nächsten eineinhalb Wochen werden 122 Filme gezeigt, darunter auch einige Weltpremieren, dazu werden illustre Gäste erwartet. Die Festivaldirektorin Nadja Schildknecht spricht in einem Communiqué erfreut von einem «nachhaltigen Wachstum»: Das einmal mehr erhöhte Budget habe es erlaubt, «die Unternehmensstruktur zu festigen und die programmlichen Inhalte weiterzuentwickeln». Der künstlerische Direktor Karl Spoerri spricht von einer Ausgabe mit «zahlreichen Neuentdeckungen».

Porträt von Hugh Jackman in Anzug mit Krawatte, am Toronto Film Festival, 2013.

Bildlegende: Dieses Jahr insbesondere vom weiblichen Publikum mit Freude erwartet: der australische Schauspieler Hugh Jackman. Keystone

Branche reagiert nach wie vor verhalten

Die Schweizer Filmbranche kann diese Euphorie nur bedingt teilen. Sie rümpft ob dem Festival nach wie vor die Nase und streicht den Anlass gemäss SRF-Filmredaktorin Brigitte Häring nebst dem rot markierten Locarno in der Agenda bestenfalls hellrot an.

Das habe damit zu tun, dass sich das Festival nicht in erster Linie an die Branche, sondern an das Publikum richte. «Das sieht man schon an der Anzahl der Galapremieren und an den Einladungen. Da steht nicht viel über die Filme, sondern vor allem, wer alles kommt. Es geht darum, möglichst viele VIPs und damit möglichst viel Publikum zu haben. Das Zürich Film Festival ist so gesehen ein Festival im besten Sinne: Es feiert sich selber, den Platz Zürich, das Publikum, und auch ein bisschen den Film», so Brigitte Häring.

Keine Plattform für Austausch

Der Fokus liegt also klar auf den Stars. Dazu muss gesagt werden, dass es tatsächlich immer wieder gelingt, sie zu holen: dieses Jahr zum Beispiel Hugh Jackman und Harrison Ford. Auch die Medienarbeit wird allenorts gelobt; ebenso habe man ein gutes Händchen, wenn es darum geht, Sponsoren und Geld aufzutreiben.

Aber eben, für die Filmemacher ist das nur bedingt attraktiv. Die Trennung zwischen den Stars und den gewöhnlichen Menschen, zu denen in Zürich die Filmschaffenden dann unglücklicherweise gehören, ist gross und es gibt entsprechend für die Branche keinen Austausch wie an anderen Festivals.

Ein langweiliges Programm?

Ein weiterer Kritikpunkt der Branche: das Programm. Zürich ist eindeutig kein A-Festival. In der Limmatstadt sind statt Premieren mehrheitlich Filme zu sehen, die schon in Venedig, Cannes oder Toronto zu sehen waren. Filmkritiker Wolfram Knorr kann diese Kritik nur bedingt verstehen: «Welches Festivalprogramm ist denn schon das Gegenteil von langweilig? Überall gibt es zwischendurch Tage, wo man durchhängt». Ebenso würden in Zürich immerhin Filme gezeigt, die später auch tatsächlich ins Kino kommen. Die jubelnden Rezensionen aus Berlin, Venedig und Cannes seien für viele Leser eher frustrierend, sie interessieren sich dann für die Filme, werden diese aber wahrscheinlich gar nie sehen.

Ausserdem findet Knorr, dass dieses Jahr das Programm ziemlich breit gefächert und durchaus anspruchsvoll sei, insbesondere die Reihe deutschsprachiger Spielfilme. Knorr: «Das sind keine Til-Schweiger-Filme! Da sind Filme dabei, die vermutlich in der Schweiz keinen Verleih finden und die man während des Festivals nun wenigstens in der deutschen Schweiz sehen kann.»

Sendung zu diesem Artikel