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5 Jahre Papst Franziskus Franziskus, der Arme!

Mit Papst Franziskus änderte sich vor fünf Jahren das Image der römisch-katholischen Kirche schlagartig: Endlich steht einer an der Spitze, der so redet, dass ihn alle verstehen. Innerkirchlich kommt sein Primat der Barmherzigkeit nicht bei allen gut an.

Erstmals sitzt ein Jesuit auf dem Papstthron, der sich noch dazu Franziskus nennt. Dieser Papstname ist Programm: Er steht für selbst gewählte Armut und Solidarität mit den Armen. Und er steht für die Sorge um die Schöpfung – der heilige Franziskus ist schliesslich auch Schutzheiliger der Tiere.

Neue Solidarität, schwere Erbschaften

Weil er es von Beginn weg ernst meinte mit einer armen Kirche, zog Franziskus vor fünf Jahren auch nicht in den Papstpalast im Vatikan, sondern wohnt bis heute im Gästehaus.

Den barocken Pomp seines Vorgängers liess er archivieren. Stattdessen richtete er im Vatikanstaat Duschen für Obdachlose ein und baute die Armenfürsorge aus.

Glaubwürdige Kritik

Franziskus nahm sich auch einem schmuddeligen Erbe seiner Vorgänger an: der Vatikanbank. Nachweislich hatten Vatikanbanker mit der Mafia kooperiert, Geldwäsche betrieben und wurden dafür nun abgeurteilt.

Die Reform der Vatikanbank ging Papst Franziskus als erstes und grundlegend an. Seine Kritik am Turbokapitalismus wäre sonst nicht glaubwürdig.

«Diese Wirtschaft tötet»

Die päpstliche Umwelt-Enzyklika «Laudato si», Link öffnet in einem neuen Fenster liest sich als Plädoyer für sozial-ökologisches Wirtschaften. In der Tradition römisch-katholischer Soziallehre stehend, plädiert der Papst darin für eine Wirtschaft, die den Menschen dient – und nicht umkehrt.

Andere Baustellen im Vatikan kommen weniger flott voran: vor allem die sogenannte Kurienreform.

Ein grosses Thema bleibt auch die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen und deren Prävention. Denn in der neuen Kinderschutzkommission harzt es. Gleich mehrere Opfervertreterinnen und -vertreter sind aus der Kommission ausgestiegen.

Bei seinem Chilebesuch gab es deswegen auch Buh-Rufe für den argentinischen Papst. Im Nachgang schickte Franziskus einen Sonderermittler zurück nach Chile, um die Aufklärung voranzutreiben.

Wegbereiter der Weihe für Frauen

Ebenso ungeduldig sind viele, wenn es um die Weihe für Frauen geht. Hier hatte Papst Franziskus Hoffnungen geschürt: Er erlaubte, dass die Fusswaschung an Gründonnerstag auch an Frauen vollzogen werden darf – und praktizierte das gerade selbst.

Dann erkannte er Maria Magdalena als Apostolin an, eine epochale Entscheidung. Denn damit entfällt ein Hauptargument gegen die Frauenweihe, wonach Jesus nur Männer zu Jüngern und Aposteln berufen habe. Aber die Weihe für Frauen lässt weiter auf sich warten.

Gegenwind von Rechtsaussen

Der Grund für das Stocken vieler Reformen: Von rechtsaussen laufen schon regelrechte Kampagnen gegen Franziskus. Anstoss bei Traditionalisten erregt etwa das päpstliche Schreiben «Amoris laetitia».

Darin wird es den Ortsbischöfen überlassen, ob sie Menschen zur Kommunion zulassen, die geschieden und wiederverheiratet sind oder offen in homosexueller Partnerschaft leben.

«Wer bin ich, einen Homosexuellen zu richten?!», solche Aussagen des Papstes lassen Erzkonservative in der katholischen Kirche rotsehen. Für die anderen ist sein Primat der Barmherzigkeit eine dringende Korrektur kirchlicher Praxis.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 13.3.2018, 6:50 Uhr.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Kurt Wirz (kw)
    Kirche ist halt auch Politik. Das ist wohl in jeder Religion so. Für mich ist dieser Papst eine löbliche Ausnahme, weil er sich den Menschen verpflichtet fühlt und entsprechend handelt. Jede Religionsgemeinschaft sollte sich immer wieder kritisch hinterfragen. Dies gilt immer für beide Seiten - Kirche und Gläubige im fortwährenden Dialog.
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  • Kommentar von Bruno Schmid (BSchmid)
    Selbst gewählte Armut? Mit der milliardenschweren Vatikansbank unter seinen Fittichen, welche kaum was für die Armen übrig hat? Und das soll Glaubwürdig sein? Höchste Zeit auszutreten!
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    1. Antwort von Henri Jendly (Henri Jendly)
      Vielleicht sollten Sie sich zuerst mit dem Leben des Jorge Bergoglio auseinandersetzen, danach mit den Bestrebungen und der Lebensphilosophie dieses Papstes, dann sich eine klitzekleine Scheibe abschneiden - und dann erst blind drauflos kritisieren. Wir sollten froh sein, erkennen zu dürfen, dass es Menschen an der Macht gibt, die auch positives bewirken wollen und können - gegen alle internen Widerstände zum Trotz! Versuchen Sie es mal bei sich selbst.
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  • Kommentar von C. Gustavs (C.Gustavs)
    Ich bin nicht Katholisch und der ganzen Papstverehrung sehr kritisch eingestellt. Franziskus ist trotzdem ein Vorbild! Weil er Reformen anpackt, weil er Wasser nicht nur predigt, sondern auch trinkt. Weil er das tut wofür jedes Oberhaupt, welcher Gruppierung auch immer, eigentlich da ist, nämlich seinen Leuten zu dienen. Ich hoffe er bleibt nicht eine einmalige Erscheinung auf diesem wichtigen Posten.
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