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Legende: Audio Bruno Mansers Tagebücher im Historischen Museum Basel abspielen. Laufzeit 03:53 Minuten.
Aus Kultur-Aktualität vom 04.09.2019.
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Ausstellung in Basel «Ohne Bruno Manser keine Greta Thunberg»

Klimahelden gab es schon vor Greta Thunberg. Zum Beispiel Bruno Manser. Das Historische Museum Basel widmet dem Menschenrechtsaktivisten eine Kabinettausstellung.

Eigentlich war Bruno Manser ein Aussteiger, ein Zivilisationsflüchtling. «Er wollte weg aus dieser industrialisierten, kapitalistischen Gesellschaft und hat gedacht, im Regenwald kann er eine Alternative finden», erzählt Marc Fehlmann, der Direktor des Historischen Museums Basel.

Als der Basler in den 1980er-Jahren ins malaysische Borneo fährt, mitten in den Regenwald zum Volk der Penan, will er ein von der Zivilisation vermeintlich unberührtes Volk kennenlernen.

Verklärte Welt

Er beginnt Tagebuch zu führen; zeichnet Männer und Frauen mit Kopfschmuck, hält Flora und Fauna detailgetreu fest. Er dokumentiert die Sprache der Penan, bringt ihre Lieder und Lebensweisen zu Papier.

2 Seiten eines Tagebuchs mit Skizzen und Text. Zu sehen ist ein Mensch mit einem Affen und Hütten aus Bambus.
Legende: Bruno Manser hat das Volk der Penan in seinen Tagebüchern ausführlich dokumentiert. Neben den Menschen und Hütten hielt er auch Flora und Fauna detailgetreu fest. Historisches Museum Basel

«Er ist dem Volk sehr bewundernd und beglückt begegnet. Auch weil er eine Lebensweise kennengelernt hat, die er in Europa nicht kannte und auf die er Unberührtheit und Unschuld projizieren konnte», erklärt Fehlmann.

Diese Verklärtheit wird heute kritisch betrachtet. Denn wissenschaftlich sind seine Aufzeichnungen nicht. Sie seien zufällig und folgen einer Intuition, gibt auch Marc Fehlmann offen zu.

Tropenholz wird abgeholzt

Bruno Mansers Traumwelt bröckelt. Mit eigenen Augen sieht er, was es heisst, wenn Tropenbäume abgeholzt werden, um die Bedürfnisse der westlichen Industrieländer zu befriedigen.

Penan Kinder vom Fluss Lipang sitzen in einem traditionellen, aus zusammengebundenen Aesten gebauten, Unterstand der Urwaldnomade
Legende: Penan-Kinder sitzen in einem traditionellen Unterstand der Urwaldnomaden. Bruno Manser machte während seiner Aufenthalte bei den Penan über 10'000 Fotografien. Keystone

Er realisiert, dass die Penan bedroht werden, weil man ihren Lebensraum abholzt. Manser wird zum Aktivist. Er organisiert Widerstand und betreibt Aufklärung.

Anfangs hielt man ihn für einen Spinner, einen Freak. Doch mit der Zeit wurden seine Appelle lauter. Sein Protest richtete sich jetzt nicht mehr nur gegen die Holz-Unternehmen in Malaysia, sondern auch gegen die Abnehmer von Tropenholz, die Kunden in der Schweiz.

Protest auf dem Bundesplatz

1993 tritt Bruno Manser vor dem Bundeshaus in Bern in einen 60tägigen Hungerstreik. Er wollte einen Importstopp für Tropenholz aus Malaysia erzwingen.

Seine Aktion stiess nicht auf Begeisterung. «Er wurde eher als schräger Kauz angeschaut», erinnert sich Marc Fehlmann.

«Aber als Ruth Dreifuss auf den Bundesplatz gegangen ist, und damit gezeigt hat, dass sie diese Sache gut findet, haben breitere Kreise kapiert: das ist nicht nur irgendein Freak. Das ist jemand mit einer Mission, der auf ein schweres Problem aufmerksam macht, das uns nicht bewusst war.»

Bruno Manser und Ruth Dreifuss beim Stricken auf dem Bundesplatz in Bern.
Legende: Bruno Manser und Ruth Dreifuss beim Stricken auf dem Bundesplatz in Bern. Manser übergab Dreifuss einen Regenbogenpullover. KEYSTONE

Zum Staatsfeind erklärt

Von der malaysischen Regierung wird Bruno Manser unterdessen zum Staatsfeind erklärt. Trotz eines Einreiseverbots und ausgesetztem Kopfgeld reiste er im Mai 2000 abermals nach Borneo zum Volk der Penan. Seither gilt er als vermisst.

Zehn Jahre nach seinem Verschwinden erlässt die Schweiz eine Deklarationspflicht für importiertes Tropenholz. Bruno Manser aber taucht nie wieder auf.

Ausstellung «Staatsfeind»

Ausstellung «Staatsfeind»

Die Kabinettausstellung «Staatsfeind – Bruno Manser und der Regenwald, Link öffnet in einem neuen Fenster» im Historischen Museum Basel entstand in Kooperation mit dem Bruno-Manser-Fonds und dem Museum der Kulturen Basel. Sie läuft noch bis am 1. März 2020.

Ohne Bruno Manser keine Greta Thunberg

Was also bleibt von ihm – neben seinen Tagebüchern, die aktuell im Historischen Museum zu sehen sind, seiner markanten Brille und einem Duzend Pfeilspitzen?

«Ich finde es immer schön, sich bewusst zu werden, dass es Persönlichkeiten gibt die auf ganz viel verzichtet haben weil sie einem Ideal gefolgt sind und versuchten etwas zu verbessern.»

Und Marc Fehlmann ergänzt: «Ohne Bruno Manser keine Greta Thunberg.»

6 Kommentare

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  • Kommentar von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
    Glücklich werden die Menschen bis zum bitteren Ende weiter machen. Weil wir nicht im standen sind etwas zu ändern. Wir reden und forschen, und das war es schon. Nur ganz vereinzelt gibt es einzelner Menschen die etwas tun, die werden aber umgebracht wie Bruno Manser.
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  • Kommentar von Wolfgang Nivard Wolfsgruber  (Nivi)
    Den Vergleich mit Greta empfinde ich als peinlich.
    Die minderjährige Greta ist nachweislich und das wurde auch von ihren Eltern offiziell eingestanden, ein gemangtes Marketingprodukt!
    Bruno Manser war ein Einzelkämpfer, der sich mit Leib und Seele für die wohl letzten authentisch lebenden Steinzeitmenschen eingesetzt hat.
    Dass er damit den skrupellosen Geschäftstreibern in die Quere kam war klar. Dass die CH das ausgesetzte Kopfgeld nicht verhindern konnte, lässt einem zum Himmel schreien!!!
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  • Kommentar von Urs Petermann  (Rhf)
    Die Aussage „Ohne Bruno Manser keine Greta Thunberg“ ist mehr als überheblich! Bei aller Anerkennung der Verdienste von Bruno Manser darf bzw. kann keine Verbindung zu den Zielen von Greta Thunberg gezogen werden. Der eine hat mit der anderen nichts zu tun!
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