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Das Welschlandjahr: ein Auslaufmodell?
Aus Kontext vom 01.12.2019.
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Austausch über den Röstigraben «Es lohnt sich, die Komfortzone zu verlassen»

Die nationale Agentur «Movetia» fördert den Austausch mit anderen Sprachregionen. Im Fokus steht der Klassenaustausch über den Röstigraben.

Die neue Kulturbotschaft setzt ein ehrgeiziges Ziel: Alle Jugendlichen sollen im Verlauf ihrer Ausbildung mindestens einmal an einem längeren Austausch teilnehmen.

Isabelle Chassot, Leiterin des Bundesamts für Kultur, sagt deutlich: «Unsere Jugendlichen brauchen den Austausch um zu merken, wie wichtig andere Sprachen für unser Land sind. Das ist eine Voraussetzung für das politische Verständnis und die Demokratie.» Es lohne sich, Hemmungen zu überwinden und die eigene Komfortzone zu verlassen.

Bisher wenig Interesse

Die Realität ist weit von dieser Vision entfernt: Im Jahr 2018 wagten sich nur etwa zwei Prozent aller Schülerinnen und Schüler für ein Austauschprojekt in eine andere Sprachregion. Das zeigte eine Erhebung der nationalen Mobilitätsagentur Movetia.

Allerdings wurden vermutlich nicht alle Austauschaktivitäten erfasst, betont Christine Keller, Bereichsleiterin für Schul- und Erwachsenbildung. Besonders in Regionen an den Sprachgrenzen hat der schulische Austausch schon seit längerem Tradition.

Dennoch bleibt viel zu tun für Movetia. Die Agentur wurde 2016 vom Bund und den Kantonen ins Leben gerufen, um die nationale und internationale Mobilität zu fördern: nicht nur an den Schulen, sondern auch in der Lehrlingsausbildung, in der Jugendarbeit und in der Erwachsenenbildung.

Verschiedene Austauschmodelle

Es gibt bei Movetia diverse Angebote wie Ferienaustausch, Berufspraktika oder Austauschsemester an Universitäten. «Movetia ist noch jung, wir probieren verschiedene Formate aus», sagt Christine Keller.

Erste Erfolge gibt es bereits: Rund 8’500 Schülerinnen und Schüler haben im vergangenen Jahr an einem Klassenaustausch teilgenommen. Das ist immerhin ein Drittel mehr als noch zwei Jahre zuvor.

Nicht nur die Schüler begeistern

Ein weiteres Programm bietet angehenden Lehrerinnen und Lehrern die Möglichkeit, Erfahrungen in anderssprachigen Klassenzimmern zu sammeln. «Das braucht Mut, denn nicht alle fühlen sich in der Fremdsprache sicher», sagt Christine Keller. «Aber wir sind überzeugt, dass die Lehrpersonen der Schlüssel für den Austausch sind»

Die grosse Herausforderung bestehe darin, die Schulen für das Anliegen zu begeistern. Die Schulen werden oft in die Pflicht genommen, wenn es gilt, Themen auf der politischen Agenda umzusetzen. Daher reagieren sie laut Christine Keller zurückhaltend auf neue Vorschläge.

Noch arbeitet Movetia daran, die nationale Mobilitätsagentur und ihre Angebote überhaupt bekannt zu machen. Immerhin gibt es rund 9'000 Schulen in der Schweiz. «Unser Ziel ist es, dass in naher Zukunft alle wissen, wofür wir einstehen.»

7 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Leider hat es vor 70 Jahren ausser etwa einem Haushaltjahr oder einem Jahr bei einem Bauern keine Austauschjahre gegeben. Dennoch war mir wichtig, unsere Landessprachen zu verstehen und ich habe neben meiner deutschen Muttersprache französisch und italienisch gelernt. Das hat für mich Vorrang vor dem englischen gehabt und ich bedaure, dass das heute nicht mehr so ist.
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  • Kommentar von Oliver Schulthess  (raptor72)
    Anfang der 90-er Jahre war es bei der Post für gewisse Berufe Pflicht, nach der Lehre ein Jahr in der Romandie oder Tessin zu arbeiten. Das Jahr in Lausanne war eine der schönsten und für die Zukunft lehrreichsten Zeiten in meinem Berufsleben!
    Obwohl wir ein Land sind, ist die Lebenseinstellung eine andere und es tut gut, diese zu kennen und zu verstehen. Dies dient einem persönlich und dem Zusammenhalt in diesem Land.
    Und wenn die Jungen wüssten, wie gut der Ausgang chez les Welsch ist...
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  • Kommentar von Christian Baumann  (Christian Baumann)
    Es macht mich sehr traurig, dass die heutige Generation sich anscheinend so wenig für die Romandie interessiert. Meine drei Jahre in Lausanne waren damals sehr, sehr lehrreich und haben mein gesamtes Leben äusserst positiv beeinflusst. Ich wünsche Movetia deshalb viel Helvetia und somit viel Erfolg bei ihrer sehr wichtigen Mission.
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    1. Antwort von Vale Nipo  (VNxpo)
      Wer sagt denn, dass es niemanden interessiert. Mich interessiert es sehr wohl, nur habe ich wegen meiner Lehre keine Zeit dort hin zu gehen.
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    2. Antwort von Christian Baumann  (Christian Baumann)
      Ich hatte meinen ersten Job nach der Lehre in Lausanne.
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