«Blick in die Feuilletons»: Binz und Len Deighton

Der «Tages-Anzeiger» widmet sich der «Binz», einem von Künstlern besetzten Fabrikareal in Zürich. Kurz bevor die Besetzer das Gelände verlassen müssen, kam es am Wochenende zu Ausschreitungen. Die «Süddeutsche» porträtiert den US-Autor Len Deighton.

Vier bunt gekleidete Demonstranten rollen auf Skatebords durch die Strasse.

Bildlegende: Mehr Freiraum und Selbstbestimmung auf Zürcher Boden: «Binz»-Demonstration im März 2012. Keystone

Seit sieben Jahren ist in der Stadt Zürich das Fabrikareal «Binz» besetzt. Auf dem Gelände wurden in den letzten Jahren hunderte Kunstprojekte realisiert. Kurz bevor die Besetzer das Gelände verlassen müssen, kam es am Wochenende bei einer Demonstration in Zürich zu Ausschreitungen.

Der Kampf um städtischen Freiraum

Mit der gewalttätigen Demonstration von Samstagabend haben die Kulturschaffenden von der «Binz» viel Wohlwollen verloren. Noch im vergangen Dezember haben die Besetzer einen Aktionsmonat in der Stadt Zürich durchgeführt und damit für einigen Goodwill gesorgt. Für viele in der Stadt ist es nachvollziehbar, dass es Theatergruppen, Musikbands und Künstler gibt, die für Selbstbestimmung und Freiräume kämpfen. Ebendiese Freiräume und Möglichkeiten für Zwischennutzungen gibt es in Zürich schlicht zu wenig. Die Aktivisten wollen deshalb in der «Binz» bleiben. Am Samstagabend allerdings artete eine Demonstration aus: Mittelklasse-Autos wurden beschädigt, Quartierläden besprayt – gar ein Caritas Laden wurde ausgeraubt.

Der «Tagesanzeiger» schreibt nun in einem Leitartikel, die Aktivisten hätten mit diesem Verwüstungszug nun alle Sympathien in der Bevölkerung verloren. Die Subkulturszene habe versagt. Zwar sei allen klar, dass nicht die Kulturschaffenden selber gewalttätig wurden, doch hätten sie es nicht geschafft, gewalttätige Elemente aus ihren Reihen zu entfernen. Der Artikel endet ganz schlicht mit den Worten: «Adieu Binz».

Erster mit Computer verfasster Roman

Der englische Schriftsteller Len Deighton hat Literaturgeschichte geschrieben. Sein historischer Wert liegt nicht etwa daran, was er geschrieben hat, sondern wie er es tat. Len Deighton ist der erste Schriftsteller, der seinen Roman mithilfe eines Computer-Prozessors geschrieben hat. Das war 1968, wie man nun herausgefunden hat. Die «Süddeutsche Zeitung» erzählt heute mit leicht ironischem Unterton und Augenzwinkern über die Umstände, wie Deighton für eine Zäsur sorgte, indem er seine liebgewonnene Schreibmaschine zur Seite legte und es mit einem elektronischen Medium versuchte.

1968 schaffte sich Deighton den Koloss an: Ein Gerät von IBM mit dem komplizierten Namen «Magnetic Tape Selectric Typwriter», kurz MT-72.10 Tausend Pfund hat dieses Gerät gekostet, für den Einzug in Deightons Wohnung in London musste sogar ein Fenster ausgehängt werden. Einen Monitor hatte das Gerät nicht, der Text wurde auf ein Magnetband gespeichert.


Binz und Len Deighton

3:16 min, aus Blick ins Feuilleton vom 05.03.2013

Wie Mark Twain, der mit «Life on the Mississipppi» den ersten Roman auf einer Schreibmaschine geschrieben hatte, tippte Len Deighton sein Werk nicht selber. Er durfte auf die Unterstützung einer fleissigen Assistentin mit dem romanverdächtigen Namen Miss Ellenor Handley zählen. Entstanden ist ein Krimi mit dem Titel «Bomber», der eine Anekdote aus dem Zweiten Weltkrieg erzählt.

Die ganze Geschichte über den ersten Roman, der mit Hilfe eines Computerprozessors geschrieben wurde, ist heute in der «Süddeutschen Zeitung» nachzulesen.