«Blick in die Feuilletons»: Feminismus und indische Musik

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» widmet sich dem vermeintlich überholten Thema Feminismus. Und die «Süddeutsche» stellt ein digitales Musikarchiv vor, das sich der indischen Musik vor Ravi Shankar verschrieben hat.

Eine blonde Frau hat ihren Körper in Cellophan gehüllt und protestiert gegen Prostitution.

Bildlegende: Feminismus bleibt ein Thema: Ein Mitglied der ukrainischen Bewegung Femen protestiert in Zürich gegen Prostitution. Keystone

Anlass für den Feminismus-Schwerpunkt in der «Frankfurter Allgemeinen» ist eine ambitionierte Diskussionsreihe, welche die Kuratorinnen der Berliner Galerie Espace Surplus initiiert haben. Die beiden Frauen fragen sich etwa: Warum nehmen heute viele Frauen wieder unhinterfragt den Namen ihres Mannes an? Sie beobachten generell einen Rückfall in überwunden geglaubte Rollenmodelle. Das Thema Feminismus einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, ist nun ihr Ziel.

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» druckt dabei Statements von Frauen ab, die es in einem männlich dominierten Feld geschafft haben. Die Künstlerin Pipilotti Rist, die Architektin Zaha Hadid oder die Musikerin und Musikproduzentin Gudrun Gut kommen etwa zu Wort. Letztere hält fest, dass Frauen – abgesehen von sexy Vorzeigefrauen – in der Musikbranche nach wie vor als Aussenseiter gehandelt würden. Die natürliche Kumpelei in der Szene schliesse Frauen schnell aus. Viele Labels, so Gudrun Gut, seien sogar überzeugt, Musik mit Frauengesang nicht verkaufen zu können. Heute, wo jeder ums Überleben kämpfe, setzten die Labels mehr denn je auf das, was sie immer verkaufen konnten: «Männermukke».

Digitales Musikarchiv mit Platten vom Flohmarkt

Wie klang die indische Musik eigentlich vor Ravi Shankar? Das fragt heute die «Süddeutsche Zeitung» und stellt ein ganz spezielles digitales Musikarchiv vor. Der 32jährige Musikhistoriker Vikram Sampath hat auf Flohmärkten und bei Privatsammlern 12‘000 Aufnahmen von indischer Musik zusammengetragen aus der Frühzeit der Schellackplatten. Viele der Aufnahmen, die man im Internet hören kann, sind mit biografischen Angaben versehen.

Wir lernen zum Beispiel die Sängerin Gauhar Jan kennen, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Indien eine Berühmtheit war. Sie sorgte damals dank Grammofon sogar in Europa für Furore.

Ein Musikproduzent aus London lernte die indischen Sängerin Gauhar Jan 1902 in Kalkutta kennen. Der Mann, der zuvor den berühmten Tenor Caruso oder den Kastraten Moreschi aufgenommen hatte, war nach Indien gereist, um dort die besten Stimmen des Subkontinents einzufangen.

In einem improvisierten Studio nahm er mit der 29jährigen Gauhar Jan eine dreiminütige Wachs-Platte auf - die erste Tonaufnahme in der indischen Geschichte.


Feminismus und indische Musik

2:38 min, aus Blick ins Feuilleton vom 18.01.2013

Die «Süddeutsche Zeitung» zeigt sich angetan von diesem digitalen Archiv. Die traditionelle indische Musik möge für unsere Ohren exotisch und schrill klingen; einen musealen Wert habe das Archiv allemal.