«Blick in die Feuilletons»: Gottesglauben und Strick-Guerilla

Eine Streitschrift für den Gottesglauben: «Die Verteidigung des Menschen. Warum Gott gebraucht wird» von Jan Ross wird in der NZZ besprochen, strickende Friedensaktivisten beschäftigen die «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

Eine Frau steht auf einer Leiter und befestigt Strickmuster an einer Wand.

Bildlegende: Mit Wolle und Stricknadeln im öffentlichen Raum ein Zeichen setzen: «Guerilla-Knitting» Keystone

Das im Rowohlt Verlag erschienene Buch «Die Verteidigung des Menschen. Warum Gott gebraucht wird» ist eine Streitschrift, die in der Zeit religiös aufgeladener Debatten und dem zunehmenden Unbehagen vor der Religion gegen eine Religionsfeindlichkeit und gegen eine eindimensionale Sichtweise antritt. Der Autor Jan Ross ist Redaktor der Wochenzeitung die Zeit und sein Essay läuft auf die These heraus, dass ohne Gott kein angemessenes Menschsein möglich sei.

Der Text sei energisch, fast hemdsärmelig geschrieben, heisst es in der NZZ, weitab von fundamentalistischen Haltungen, und auch die Schattenseiten der Religion kommen zur Sprache. Der Autor plädiert dafür, den Glauben als Chance zur Selbstreflexion zu nutzen, als Gegenpol zum Relativismus der Gegenwart. Dabei ist er nicht missionarisch, wie die NZZ schreibt: «Ross erläuft sich einen Parcours durch Wahrheiten des Glaubens, die selbst für skeptischere Gemüter als Horizonterweiterung zu akzeptieren wären.» 

Mit Stricknadeln und Wolle gegen Militärgewalt

Um «Guerilla-Knitting» geht es in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: Man hat es ja auch in der Schweiz schon gesehen - in Basel beispielsweise war kürzlich das Geländer der Wettsteinbrücke vollständig umstrickt; manchmal stösst man in den Städten auf bestrumpfte Ampeln oder umhäkelte Verkehrsschilder. Wer dahinter steht und welche Botschaft damit überbracht werden soll, weiss man in der Regel nicht - doch in Dresden haben jetzt 80 Handarbeiterinnen mit Stricken ein politisches Zeichen setzen wollen, in dem sie einen Panzer vollständig umstrickt haben.

Diese Aktion, die als Friedensbotschaft zum 13. Februar, dem Jahrestag der Zerstörung Dresdens gedacht war, ruft allerdings viel Streit hervor. Jüngere Aktivisten haben ein «Bündnis gegen Verstrickung» gegründet. Sie werfen den Macherinnen vor, die Befreier zu verunglimpfen. Weiter gibt es Gegenstimmen aus der Bundeswehr, die vom lächerlich machen von Soldaten spricht - Die Aktion fand unter dem Motto «Auf ins Geflecht» statt – doch die Strickerinnen in Dresden nehmen es offenbar gelassen: Gestern wurde der eingestrickte Panzer vor dem Militärhistorischen Museum enthüllt und soll dort zwei bis drei Wochen stehen bleiben.