Bloggerin Frau Freitag rät: Vertrau dir selbst!

Mit dem Blog «FragFrauFreitag» ist Kafi Freitag bekannt geworden. Die 39-jährige Wahlzürcherin ist mit ihrer höflich ungeschminkten Schreibe eine Veredlerin des Alltags. Als Coach kann – und muss! – sie auch anders: Das Mitbewältigen von Lebensdramen verlangt Zeit, Geduld und viel Lebenserfahrung.

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0:00 min, vom 16.10.2017

Kafi Freitag ist eine bekennende Liebhaberin von Gegensätzen. Sie mag das Extreme und liebt Prozesse jeder Art. Trotzdem kommt die 39-Jährige nicht abgehoben, sondern ganz und gar bodenständig daher. So wie man sie von ihrem Blog kennt, ist sie auch im analogen Leben: direkt, charmant und um keine Antwort verlegen. Sie kennt das Leben, seine Höhen und Tiefen – und hält mit eigenen Lebenserfahrungen der schwierigen Sorte nicht hinter dem Berg. Das ist mit ein Grund, weshalb sich ihr die Menschen gerne anvertrauen. «Intuition ist wichtig», sagt Kafi Freitag, «die kann man nicht lernen. Alles andere schon.»

Das Drama entdramatisieren

Kafi Freitag hat sich das technische Rüstzeug zum Coach zur Hälfte in verschiedenen Jobs und Ausbildungen zusammengesucht. «Die andere Hälfte ist Lebenserfahrung, Pragmatismus und Einfühlungsvermögen.» Zu ihrer Kundschaft gehören gut gebildete Menschen zwischen 25 und 55 Jahren, die in schwierigen Situationen stecken. Das können eine Trennung, ein Trauerfall, eine berufliche Weiterentwicklung oder Verhaltensblockaden sein.

Kafi Freitag ist Augenhöhe wichtig. «Es sind nicht meine Patienten», sagt Kafi Freitag, «es sind Kunden und sie sind mitverantwortlich am Gelingen des Coachings». Auf ihre besonderen Fähigkeiten angesprochen, nennt Kafi Freitag «soft skills» die ihren. Sie entdramatisiere quasi das Drama. Ein Thema nimmt sie ernst, indem sie es relativiert. Sie erkennt den Ernst der Lage und behält den Humor. Eine Gratwanderung. Doch die Kunden seien meistens erleichtert, wenn sie auch mal lachen können.

Verzeih dir! Und vertrau dir!

Bei Kafi Freitag gibt es keine schnelle Kur, keinen Medizinschrank, keinen billigen Rat. Prozesse brauchen Zeit. Sie versteht ihre Arbeit als Begleitung, bei der sie die Richtung zwar mitbestimmt, aber keine Hindernisse aus dem Weg räumt. Scheitern gehört dazu. «Da lernt man wahnsinnig viel, mehr als im Erfolg», sagt Kafi Freitag. Und wenn sie selbst mal scheitert? «Schlage ich den Kopf gegen die Wand, trinke einen Schnaps und mache weiter», kommt die Antwort umgehend. Ernsthaft ausgedrückt: Man muss sich selbst verzeihen können, sonst geht es nicht vorwärts.

«Frauen zu fördern liegt mir am Herzen»

Das hat sie selbst oft genug erfahren. Kafi Freitag brennt für die Selbststärkungen, die sich speziell Frauen selbst zukommen lassen sollten. «Frauen können Unglaubliches leisten, wenn sie sich selbst vertrauen.» Frauen zu fördern liegt ihr sehr am Herzen. Deshalb hat sie mit ihrer langjährigen Freundin Sara Satir die Plattform tribute.ch gegründet. Die beiden unterhalten sich seit ihrer Zeit als junge Mütter über Frauenthemen. Nun ist aus der Diskussion ein Netzwerk entstanden, welches Frauen in den Vordergrund stellt.

«Auf dem Blog sind Frauen, die uns beeindrucken, weil sie bei sich sind», erklärt Kafi Freitag. Es ist ihr also ernst mit dem Begriff der Frauensolidarität. «Jede Frau kennt das Gezicke; erst ein euphorisches ‹Ciao Bella!› und dann ein Messer zwischen die Rippen!» Ihr Engagement geht in die Gegenrichtung. Damit die Rippen unversehrt bleiben und das «Ciao Bella!» von ganzem Herzen kommt.

Video: Pilu Lydlow

Kafi Freitag

Kafi Freitag ist Bloggerin und führt in Zürich eine eigene Praxis für Coaching. Sie ist in zweiter Ehe verheiratet und Mutter eines 10-jährigen Sohnes. Sie betreibt den Blog «FragFrauFreitag.ch» und schreibt für die Onlineplattform «watson.ch».

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