Die Pelé-Statue, die vor dem Maracanã-Stadion stehen sollte

Der Künstler Ique ist einer der bekanntesten Bildhauer Brasiliens. Für die WM hat er eine Skulptur der Fussball-Legende Pelé in Lebensgrösse geschaffen. Eigentlich sollte diese jetzt vor dem Maracanã-Stadion stehen – wären da nicht Iques Dickkopf und Brasiliens Beamtentum.

Ein Mann hält den Kopf einer goldenen Pelé-Statue.

Bildlegende: Ein glücklicher Pelé, der nicht vor dem Maracanã stehen darf: Bildhauer Ique mit seiner Skulptur. SRF/Marcos Pacheco

Der Künstler Ique kennt sich aus mit Stars. Einst drehte Michael Jackson und Regisseur Spike Lee den Clip zum Song «They don’t care about us» in der Favela Dona Marta in Rio de Janeiro. Um den Dreh zu verewigen, wurde dort eine Statue von Jackson errichtet. Gestaltet hat sie Ique, einer der bekanntesten Karikaturisten Brasiliens.

Skulptur für die Fussball-Legende Pelé

Die Statue von Michael Jackson in der Favela don Marta in Rio de Janeiro.

Bildlegende: Die Statue von Ique erinnert an den Besuch von Michael Jackson in Rio. SRF/Marcos Pacheco

Und Ique ist es auch, der für die WM 2014 den Auftrag erhielt, eine Statue von Pelé zu entwerfen. Sie sollte vor dem wichtigsten Stadion Brasiliens, dem Maracanã, stehen. Trifft sich also gut, dass Pelé für Ique eines der grössten sportlichen Vorbilder Brasiliens ist. Stolz sagt er: «Es ist eine Ehre, dass ich eine Skulptur des grössten Fussballers aller Zeiten machen durfte.»

Für die Form der Statue hat er sich an einem bekannten Foto von Pelé orientiert. «Pelé feierte seine Tore, indem er in die Luft boxte. Es gibt ein Foto mit diesem Jubel von der WM 1970, als er ein Tor gegen die Tschechoslowakei schoss. Dieses Foto eroberte die Welt», erklärt Ique.

Ein Beamter, der politische Karikaturen zeichnet

Ique heisst eigentlich Victor Henrique Woitschach und wuchs während der brasilianischen Militärdiktatur in Mato Grosso do Sul auf. Mit 14 begann er zu zeichnen und entdeckte seine Liebe zur Karikatur. «Ich wollte unbedingt politische Karikaturen machen und suchte mir eine Zeitung der Opposition. Aber mit 18 wurde ich Beamter beim Bundesstaat. Das und politische Karikaturen in einer Zeitung der Opposition machen? Das ging nicht,» erklärt er. Also machte er «Ique», den Spitznamen aus seiner Kindheit, zu seinem Pseudonym – um zeichnen und gleichzeitig arbeiten zu können. Seitdem ist er nur noch Ique.

Ique ist in Rio allgegenwärtig

Doch dann kam ihm die Diktatur auf die Schliche. Er flüchtete nach Rio. Und Karikaturen malen reichte ihm künstlerisch jetzt nicht mehr. Er fing an, Skulpturen zu machen. «Mir war klar, dass ein unruhiger Künstler wie ich es nicht aushalten würde, sein Leben lang nur zu zeichnen», sagt er.

Heute hat Ique es geschafft. In ganz Rio de Janeiro stehen Skulpturen, die er erschaffen hat. Als einziger Karikaturist ist er zweifacher Esso-Preisträger, dem wichtigsten Journalistenpreis Brasiliens.

«Der Kunst applaudiert man und fertig»

Pelé selbst hat die Skulptur für das Maracanã von Ique noch nicht zu sehen bekommen. «Sein Neffe hat sie gesehen. Und als ich ihn fragte, ob Pelé die Skulptur sehen wollte, um sie zu genehmigen, sagte Pelé zu seinem Neffen: ‹Kunst genehmigt man nicht, man applaudiert ihr›», erklärt Ique stolz. Dann aber wollten die Berater von Pelé die Skulptur sehen. Das hat Ique verweigert: «Berater von Leuten wie Pelé treffen Entscheidungen, ohne das Wissen Pelés. Also habe ich denen gesagt: ‹Wenn Pelé sie sehen will, kann er sie sehen, ihr nicht›.» Die Berater hätten keinen Respekt, kein Gefühl. «Das sind Unternehmer, Führungskräfte. Sie wollen oft das, was für Pelé das Beste ist – nicht für die Kunst. Pelé hat Recht: Der Kunst applaudiert man und fertig.»

Im Mai kamen auch noch die Probleme mit den Behörden dazu. Die 300 Kilogramm schwere Figur aus Bronze sollte schon 2013 eingeweiht werden, der Termin verzögerte sich aber immer wieder. «Jetzt hat die zuständige Staatssekretärin für Sport ihren Posten verlassen. Seither habe ich nichts mehr gehört. Das Projekt ist politisch fallen gelassen worden. Es offenbart einfach mangelnder Respekt. Für mich. Und für Pelé.»