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Querdenker und Antisemitismus
Aus Kultur-Aktualität vom 23.02.2021.
abspielen. Laufzeit 02:55 Minuten.
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Corona-Leugner und Judenhass Kulturwissenschaftler: «Antisemitische Impfgegner gab es immer»

Corona-Leugner und Judenhass: Im Internet werden gemäss des heute publizierten Antisemitismusberichts des Schweizerischen Israelistischen Gemeindebunds zunehmend antisemitische Verschwörungstheorien laut. Den deutschen Kulturwissenschaftler Mathias Berek wundert das wenig.

Mathias Berek

Mathias Berek

Antisemitismusforscher

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Mathias Berek ist Kulturwissenschaftler und Mitarbeiter am Zentrum für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin. Nach dem Studium der Kulturwissenschaften promovierte er 2008 an der Uni Leipzig mit einer kulturtheoretischen Arbeit über kollektives Gedächtnis und die gesellschaftliche Konstruktion von Wirklichkeit.

SRF: Wie heute gab es schon im deutschen Kaiserreich um 1870 Antisemitismus unter den ersten Impfgegnern. Erstaunt?

Mathias Berek: Nein. Antisemitismus äussert sich heute zwar anders und ist weniger geworden. Aber er ist nie wirklich verschwunden.

Dass es in der impfkritischen Bewegung auch Antisemitismus gibt, wundert mich deshalb nicht. Es gibt in beiden Gruppierungen personelle und inhaltliche Überschneidungen.

Einige unter ihnen glauben daran, dass alles von geheimen Mächten in Hinterzimmern ausgehandelt wird.
Autor: Matthias Berek Antisemitismusforscher

Wo finden sich die Verbindungen zwischen Impfgegnern und Antisemitismus?

Schon im Deutschen Kaiserreich war es so, dass bekennende und organisierte Antisemiten sich impfkritisch geäussert haben oder sogar hohe Funktionäre Teil der impfkritischen Bewegung waren.

Wichtiger sind die inhaltlichen Überschneidungen. Impfkritiker und Antisemiten glauben daran, dass alles von geheimen Mächten in Hinterzimmern ausgehandelt wird, um dann verschiedene bösartige Ziele zu verfolgen.

Sie erschaffen sich eine Wirklichkeit, um mit der erdrückenden wissenschaftlichen Evidenz zurechtzukommen, die für die Impfung spricht.

Der Antisemitismus ist also immer da und braucht nur einen Trigger wie die Coronakrise, um an die Oberfläche zu kommen?

Genau. So eine Situation geht oft mit erhöhter Verunsicherung und mit einer Radikalisierung von politischen Bewegungen einher. Dadurch sinken die Hemmungen gegenüber dem, was man öffentlich antisemitisch sagen kann.

Antisemitismusbericht 2020

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Laut dem Antisemitismusbericht des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG) gab es im vergangenen Jahr 47 antisemitische Vorfälle in der realen Welt und 485 Vorfällen im Onlinebereich. Die Dunkelziffer wird in beiden Feldern weiterhin als hoch eingeschätzt.

Der Einfluss der Coronapandemie zeige sich online, so die Herausgeber, insbesondere bei der Zunahme der antisemitischen Verschwörungstheorien, die in knapp der Hälfte der Fälle in einem Zusammenhang mit der Coronapandemie stehen.

Ebenso fand eine massive Verschiebung innerhalb der Onlinekanäle zu Gruppenchats des Messengerdienstes Telegram statt, in denen ein Drittel der gesamten Onlinevorfälle stattfand. Darunter fallen Verschwörungstheorien sowie Aussagen und Bilder mit antisemitischen Inhalten.

Herausgeber des Berichts ist der SIG in Zusammenarbeit mit der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus GRA.

Ist die Gesellschaft diesem latent vorhandenen Antisemitismus gegenüber machtlos?

Auf keinen Fall. Es gibt eine Menge Forschung und viel ausgezeichnete Arbeit, die in Sachen Antisemitismus-Bekämpfung bisher geleistet wurde. Wir haben es seit Jahrzehnten mit denselben Problemen zu tun.

Wir müssen den Antisemitismus als gesamtgesellschaftliches Problem begreifen und bekämpfen.
Autor: Matthias Berek Antisemitismusforscher

Welche Probleme sind das?

Das grösste Problem ist, dass Antisemitismus gerne immer auf die anderen geschoben wird. Antisemitisch sind immer die anderen.

Es wird geleugnet, dass Antisemitismus in allen Teilen der Gesellschaft vorkommt, wenn auch in unterschiedlichem Ausmass. Wir müssen Antisemitismus also als ein gesamtgesellschaftliches Problem begreifen und bekämpfen.

Wird Antisemitismus irgendwann Geschichte sein?

Ich glaube nicht, dass er irgendwann komplett verschwinden wird. Es wird immer genügend Leute geben, die daraus einen Nutzen ziehen.

Aber wir sollten die Zuversicht haben nicht verlieren. Denn selbst wenn Antisemitismus niemals ganz ausgerottet sein wird, können wir eine Menge unternehmen, um ihn so weit wie möglich zu verdrängen.

Das Gespräch führte Vanda Dürring.

SRF2 Kultur, Kultur Aktualität, 23.02.2021, 07:06 Uhr;

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31 Kommentare

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  • Kommentar von Jochen Schlicksupp  (Scrutinize)
    Danke SRF für den bislang erbärmlichsten Artikel in diesem Jahr! Great Job.
  • Kommentar von Oskar Wagner  (wingman)
    Diesen Artikel kann man noch nicht einmal als "Trittbrettfahrerei" abtun. Er ist schlich und einfach peinlich und dumm. Völlig unnötig, liebe SRF. Ich muss sie dringend bitten, ihr journalistischen Gesamtkonzept zu überdenken. So geht das nicht.
    1. Antwort von Beat Michel  (Beat Michel)
      Da stimme ich zu: ZUSTIMMEN
  • Kommentar von Einrech Wanderer  (einwanderer)
    Herr Berek muss seinen Job ein bisschen rechtfertigen. Interessant wäre für mich, ob es antisemitische Antisemitismusforscher gibt und ob es davon evtl. auch ein Impfgegner gibt. Dies wäre mal wirklich qualitativ hochwertige Forschung.