Dank Internet kostenlos an die Elite-Universität

Ob Harvard oder die ETH: Zahlreiche Hochschulen auf der ganzen Welt bieten im Internet kostenlose Kurse an. Doch die freien Online-Universitäten wecken nicht nur Begeisterung.

Aufsicht auf eine Cafeteria, in der zahlreiche Menschen mit Laptops arbeiten.

Bildlegende: Mit Online-Kursen können Interessierte immer und überall an Lehrveranstaltungen verschiedener Hochschulen teilnehmen. Reuters

Es ist nicht einfach, an renommierten Hochschulen wie dem Massachussetts Institute of Technology, der Harvard University oder der Stanford University aufgenommen zu werden – zumindest bisher. Denn wer heute an einer dieser Bildungsinstitutionen studieren möchte, muss nicht einmal mehr nach Boston oder Kalifornien reisen. Denn alle diese US-amerikanischen Elite-Hochschulen bieten kostenlose Online-Vorlesungen an.

Hunderte Universitäten im Netz

Wer sich ganz konventionell an einer dieser Hochschulen für ein Semester einschreibt, muss hingegen etwa 20'000 Franken bezahlen. Kein Wunder also, sprechen manche Bildungsfachleute von einer Revolution in der Hochschulbildung – denn in den letzten zwei bis drei Jahren haben sich Hunderte Universitäten weltweit entschieden, Vorlesungen im Internet anzubieten.

Auch Schweizer Hochschulen sind im Internet vertreten, die ETH Lausanne etwa und die Universitäten in Genf, Lausanne und Zürich. Ein halbes Dutzend Web-Plattformen wie edX und Coursera sind entstanden, über die die Hochschulen ihre Vorlesungen anbieten. Schätzungsweise zehn Millionen Studenten hat die globale Internet-Uni bereits.

Einzelne Kurse, aber keine kompletten Studien

Auf den zweiten Blick tauchen aber Fragen auf: Bietet das neue Bildungsparadies tatsächlich so viel, wie es verspricht? Zweifel sind berechtigt – denn es ist beispielsweise kaum möglich, ein komplettes Studium online und kostenlos zu absolvieren.

Denn die Hochschulen bieten im Internet nur einzelne Vorlesungen an, keine Komplettstudien. Dies liegt einerseits daran, dass sich die teuren Privat-Universitäten wie Harvard oder Cornell nicht selbst das Wasser abgraben wollen. Zum anderen lässt sich nicht mit Sicherheit verhindern, dass bei Online-Prüfungen geschummelt wird.

Mathematik in den USA, Physik in Japan

Internet-Studenten müssen sich also mit einzelnen Kursen begnügen. Dafür können sie sich ihr eigenes Studienprogramm frei zusammenstellen – sie können beispielsweise mathematische Vorlesungen in Berkeley belegen, während sie Physik in Kyoto studieren. Realistischerweise dient das Online-Studium als Ergänzungen zu Offline-Lehrgängen oder als Weiterbildung, jedoch nicht als vollständige Ausbildung.

Immerhin winkt bei den meisten Angeboten jedoch ein Zertifikat – vorausgesetzt, dass der Student die Vorlesung beendet und alle Online-Prüfungen bewältigt. Doch nur etwa 5 bis 10 Prozent der Teilnehmer eines Kurses schliessen ihn auch tatsächlich ab. Kritiker der Internet-Studiengänge führen dies darauf zurück, dass eine gefilmte Vorlesung und ein paar Online-Übungen Professoren und Assistenten aus Fleisch und Blut nicht ersetzen können.

Globale Beteiligung

Anhänger der Online-Universitäten betonen dagegen, dass die Diskussionsplattformen der Internet-Vorlesungen mit ihrer globalen Beteiligung alles übertreffen, was eine hergebrachte Universität bieten kann. Immerhin gibt es Kurse mit mehreren Zehntausend Teilnehmern aus aller Welt – eine wahrhaft globale Perspektive. Online-Vorlesungen bieten damit schon heute interessante Perspektiven, eine Revolution der Hochschulbildung hat bislang aber noch nicht stattgefunden.

Links zum Artikel