Das Spiel mit dem Klima

Auf dem Klimagipfel in Paris müssen die Vertreter von 196 Staaten radikale Reformen beschliessen. Eine Einigung ist unwahrscheinlich. Umso wichtiger ist die Frage: Wie können Politiker das Beste für den Planeten Erde herausholen? Taktische Tipps bietet die Spieltheorie.

Schachfigur und Laub auf verwittertem Schachbrett.

Bildlegende: Taktik ist das halbe Spiel. Für den Klimagipfel gibt es mehrere Vorgehensweisen. Nicht alle führen zum Erfolg. Flickr/Webhishek

Die Spieltheorie reduziert Situationen aus Politik, Wirtschaft und Alltag auf kleine, situative Geschichten. Je nach Verhandlungssituation können verschiedene «Spiele» gespielt werden. Dabei gibt es eine Auswahl an bestimmten Spielzügen, die wahrscheinlicher oder eben unwahrscheinlicher sind.

Die Spiele tragen sonderbare Titel wie «Gefangenendilemma», «Feiglingspiel» und «Tragik der Allmende». Die Mathematik der Spieltheorie kalkuliert das Happy End für jede Situation – sofern das Happy End der grösstmögliche Vorteil für eine oder alle Figuren ist.

Nur ein Esel ist loyal

Experten behaupten, das «Gefangenendilemma» ähnle dem Klimagipfel am stärksten. Die Geschichte handelt von zwei getrennt verhörten Gefangenen. Sie können entweder gestehen oder schweigen. Schweigen beide, kommen sie frei. Gesteht einer, kriegt er eine kleine Strafe. Der Schweigende verschwindet lange hinter Gittern.

Auf den Klimagipfel übertragen heisst Schweigen weitermachen wie bisher. Gestehen heisst einzusehen, dass etwas passieren muss. Was also tun? Die Spieltheorie sagt: «Gestehen. Loyal mit der Verschmutzung ist der Esel.»

Gibt der Klügere nach?

Die Sache hat jedoch einen Haken: Rechnet man tatsächlich den Vorteil aus oder geht man einfach davon aus, dass Einigung besser ist als Streit? Vielleicht missdeutet man auch die Situation und sie ähnelt mehr dem «Feiglingspiel».

Das kennt man aus Actionfilmen. Zwei Autos rasen auf Kollisionskurs aufeinander zu. Den grössten Nutzen hat also derjenige, der kaltblütig weiterfährt, während der Feigling ausweicht. Ist allerdings keiner feige, verlieren beide ihr Leben. Einen mittleren Nutzen haben die Spieler, wenn beide ausweichen.

Bekannt wurde diese Situation als Metapher für die Kuba-Krise. Wären John F. Kennedy und Nikita Sergejewitsch Chruschtschow auf Kollisionskurs geblieben, wäre es zum Atomkrieg gekommen. Aber der Klügere gibt nach. Auch auf dem UN-Klimagipfel?

«Bläst du deinen Dreck in die Luft, blase ich noch viel mehr von meinem in die Atmosphäre», lautet die Devise beim Kollisionskurs. Lässt so eine Verhandlungsstrategie die anderen Gegner angstschlotternd ausweichen?

Jeder ist sich selbst der Nächste

Vielleicht ähneln die Klimaverhandlungen nicht dem «Feiglingspiel» sondern der «Tragik der Allmende». Dieses Szenario veranschaulicht, weshalb Allgemeingüter in kurzer Zeit ruiniert sind. Wie die gemeinschaftlich bewirtschaftete Allmende im Mittelalter. Bei begrenzten Ressourcen für die Allgemeinheit versucht jeder, möglichst viel für sich selbst herauszuholen. Das übernutzt jedoch die Bestände.

Alle Nutzer haben eigentlich ein Interesse an einem nachhaltigen Gebrauch. Doch noch besser ergeht es dem Einzelnen, wenn nur die anderen sorgsam sind und man selber weiter profitiert.

Sollte das die Verhandlungsstrategie sein, kann man sich den Klimagipfel sparen. Das Happy End einer Geschichte ist oft etwas anderes als der pure Vorteil der Beteiligten.

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