Dok-Serie «Geboren am ...» Das war 1940: Blitzkriege, Propaganda und «Vom Winde verweht»

1940 wird Hausi Leutenegger geboren. Ein Jahr, in dem der Zweite Weltkrieg fast alles überschattet. Eine Übersicht.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Deutschland erobert in Blitzkriegen halb Europa und bereitet den Genozid an Millionen Juden vor.
  • Filme werden von Deutschland und den USA als Propagandawaffen verwendet.
  • Der «Lahore Plan» legt den Grundstein für die Teilung Britisch-Indiens in die separaten Staaten Indien und Pakistan.

Vorbereitung des Genozids

Im Jahr 1940 ist der Zweite Weltkrieg in vollem Gange, Deutschland erobert mit seinen Blitzkriegen halb Europa. Die Luftschlacht um England beginnt und Italien tritt in den Krieg ein. Deutschland, Japan und Italien verbünden sich.

Nazideutschland bereitet 1940 den Genozid an den europäischen Juden vor. In Polen werden mehrere Ghettos eingerichtet. Die deutschen Besatzer errichten das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, die ersten Gefangenen treffen ein. Es handelt sich um 728 politische Häftlinge aus Polen.

Umsiedlung nach Madagaskar geplant

Da Deutschland Frankreich erobert, muss das Vichy-Regime Madagaskar an Deutschland abtreten. Der Leiter des «Judenreferats im Auswärtigen Amt» Franz Rademacher schlägt den Madagaskar-Plan vor: die europäischen Juden müssen sich auf der Insel Madagaskar, quasi in einem Grossghetto, ansiedeln.

Wie ernst es den Nationalsozialisten mit dem Madagaskar-Plan tatsächlich ist, wird bis heute von Historikern kontrovers diskutiert. Eine These besagt, dass der Genozid bereits seit Kriegsausbruch beschlossen war. Die Gegenposition sagt, dass der Holocaust erst auf der Wannseekonferenz 1942 definitiv beschlossen wird.

Parodierter Propagandist

Propagandaminister Joseph Goebbels erklärt Anfang des Jahres 1940, das Medium Film sei wichtig für die Moralsteigerung im Krieg. So erscheinen 1940 die antisemitischen Propagandastreifen «Jud Süss» und «Der ewige Jude».

Auch die Gegner Nazideutschlands entdecken den Film als Mittel zur ideologischen Bekämpfung der Faschisten. Das US-Slapstick-Trio «The Three Stooges» veröffentlicht 1940 mit dem Kurzfilm «You Natzy Spy!» die erste amerikanische Nazi-Satire.

Am 15. Oktober erscheint die wohl bekannteste Persiflage auf das «Dritte Reich» überhaupt: Charlie Chaplins «Der grosse Diktator» zieht Hitler, Mussolini und Goebbels durch den Kakao.

Den jugoslawischen Partisanen gelingt es während der Besatzung ihres Landes durch Deutschland und Italien, den «Grossen Diktator» in einem Wehrmachtskino zu zeigen. Nach der Hälfte des Filmes drohen deutsche Soldaten, den Filmvorführer zu erschiessen.

Der Pakistan Plan

Mohammed Ali Jinnah(m.), Vorsteher der All-Indian Muslim League, zusammen mit dem Britischen Vizekönig.

Bildlegende: Mohammed Ali Jinnah (m.), Vorsteher der Muslim League, zusammen mit dem britischen Vizekönig (l.) und dessen Frau (r.). Keystone

Das britische Empire beherrscht Indien nach dem Prinzip «Divide and Rule». Je nach Region werden ethnische und religiöse Gemeinschaften hofiert und gefördert, andere marginalisiert.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sammeln sich die Befürworter der indischen Unabhängigkeit im Nationalkongress. Alle Religionen und verschiedenen politische Richtungen sind in der Partei vertreten. Mitte der 1930er-Jahren spaltet sich die Muslim-League vom Nationalkongress ab. Die Einheit zwischen Hindus und Muslimen ist gebrochen.

Am 23. März verabschiedet die All-Indien-Muslim-League die sogenannte «Lahore Resolution». Darin fordert die muslimische Partei in Britisch-Indien die Gründung eines Staates Pakistan für die indischen Muslime. Er soll in den mehrheitlich muslimischen Gebieten im Nordwesten und im Osten Britisch-Indiens entstehen.

Die «Lahore Resolution» ist die Blaupause für die Teilung Britisch-Indiens. Bei der Unabhängigkeit von 1947 befolgt die britische Kolonialmacht mehrheitlich diese Resolution und spricht den Nordwesten und den Osten Pakistan zu. Der Ostteil Pakistans löst sich 1971 vom Westteil und heisst seitdem Bangladesch.

Das sind die Oscars 1940

Vivien Leigh und Hattie McDaniel.

Bildlegende: Vivien Leigh als Scarlett O'Hara (l.) und Hattie McDaniel als Mammy (r.). Beide wurden mit einem Oscar ausgezeichnet. Imago/ Cinema Publishers Collection

Das Südstaatendrama «Vom Winde verweht» ist der grosse Gewinner an der Oscarverleihung 1940. Insgesamt acht Goldstatuen gewinnt das Bürgerkriegsdrama, darunter die Auszeichnungen für den «Besten Film», «Beste Regie» für Victor Fleming und «Beste Hauptdarstellerin» für Vivien Leigh. Hattie McDaniel erhält den Oscar als beste Nebendarstellerin.

McDaniel ist die erste afroamerikanische Person, die mit einem Academy Award gewürdigt wird. Für ihre Rolle als unterwürfige Sklavin und Haushälterin erntet sie von Afroamerikanern aber auch Kritik.

Bester Hauptdarsteller 1940 ist Robert Donat für seine Rolle als Mr. Chips in «Auf Wiedersehen, Mr. Chips». Bester Nebendarsteller ist Thomas Mitchell im John-Wayne-Western «Ringo».

Bahnbrechender Soundtrack

Filmstil aus Disney's Fantasia.

Bildlegende: Walt Disneys «Fantasia» ist ein Vorläufer der Musikvideos. Auch die Aufnahme des Orchesters ist wegweisend. Imago/ United Archives

Im November 1940 feiert Walt Disneys Musikfilm «Fantasia» am Broadway in New York Premiere. Der Film erzählt die Geschichte von Johann Wolfgang von Goethes Gedicht «Der Zauberlehrling». Mickey Mouse spielt darin besagten Lehrling.

Besonders an diesem Film: Er hat keine gesprochenen Sequenzen. Bilder und Musik erzählen die Geschichte. «Fantasia» ist damit ein Vorläufer des Musikvideos.

Die Produktion des Soundtracks ist bahnbrechend. Erstmals werden gleichzeitig mehrere Spuren aufgenommen. Overdubs, also das nachträgliche Verdoppeln einer Stimme, werden eingesetzt, damit die Musik auch die Fülle erhält, die sich Disney wünscht. Es ist der erste Film in Stereo-Ton.

Der Skandal des Jahres


Heute vor 58 Jahren: Tod von Altbundesrat Marcel Pilet-Golaz

3:34 min, aus SRF 4 News Tageschronik vom 05.04.2016

Der Schweizer Bundespräsident und Aussenminister Marcel Pilet-Golaz hält nach der Kapitulation Frankreichs eine Rede am Radio.

Die Ansprache sorgt für Verwirrung, denn weder spricht er in der Rede von Widerstand, noch von bewaffneter Neutralität. Statt dessen verkündet Pilet-Golaz, dass man sich an «die neuen Verhältnisse» gewöhnen müsse.

Viele Schweizerinnen und Schweizer denken, Pilet-Golaz sympathisiere mit den Mächtigen in Berlin und Rom.

Dieser Eindruck wird verstärkt, als der Bundespräsident im September führende Persönlichkeiten der Frontisten zu einer Unterredung einlädt. Die Frontisten gelten als Schweizer Nazi-Sympathisanten. General Guisan wird zur Gegenfigur und seine Ansprache beim Rütlirapport zur Gegenposition Pilet-Golaz' hochstilisiert.

In der zeitgenössischen Geschichtsschreibung beurteilt man die Ansprache und das Handeln Pilet-Golaz als Pragmatismus und Beschwichtigung gegenüber den Faschisten.

«Geboren am…»

Bilderrahmen mit drei Ereignissen: Flugzeug, Unruhen, ein Mann mit Armbrust

SRF

In der Sommerserie «Geboren am…» erzählen wir Geschichten von Menschen, die eines verbindet: Sie kamen am gleichen Tag auf die Welt.

Sendungshinweis

Die vierte Folge von «Geboren am…» mit Hausi Leutenegger wird am Mittwoch, 26. Juli um 20:05 auf SRF 1 gezeigt.

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