Der Erste Weltkrieg als Musical – respektlos?

Musicals boomen. Egal ob Film, Oper, Roman oder Song: alles kann zum Musical werden. Derzeit sorgt in Belgien das Erste-Weltkrieg-Spektakel «14-18» für Schlagzeilen. Kriegsgräuel und Entertainment: Ist damit die Grenze zur Geschmacklosigkeit erreicht?

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Dieter Bartetzko über Vorteile und Vorurteile des Musicals

4:14 min, vom 4.8.2014

«Aida»‚ «Mamma Mia» oder «Phantom of the Opera»: Musicals sind Publikumsmagnete. Dennoch, oder gerade deswegen, rümpfen Kritiker die Nase. Sie sprechen von einer Seuche, von seichter, anspruchsloser Unterhaltung, von Kitsch, Kommerz und Chi-Chi fürs Volk.

Für den Journalisten Dieter Bartetzko ist diese Haltung «unsachgemässer Dünkel und der Unwille, sich auf diese Kunstform einzulassen.» Der Kunstform Musical seien keine Grenzen gesetzt.

Musicals dürfen auch ernst sein

Auch dass Belgien seit April mit einer gigantischen Show den Opfern des Ersten Weltkriegs gedenkt, ist für Bartetzko kein Tabubruch. «Ein Musical ist – wenn man es als Kunstform ernst nimmt – wie jede andere Kunst berechtigt, sich eines jeden Themas anzunehmen. Im Übrigen haben Unterhaltungsmusik und Krieg eine gemeinsame 100-jährige Geschichte.»

Bartetzko ist davon überzeugt: Ein respektvoll inszeniertes, pietätvoll umgesetztes Musical kann die Leute mitreissen und ihnen so ernste Inhalte einprägsam vermitteln. Gekonnt mit dem Mittel der Emotionen spielen im Übrigen ja auch Oper, Ballett und Schauspiel. Heute spricht man zwar von Hochkultur. Doch es gab Zeiten, in denen das Bürgertum selbst in der Oper johlte und tobte.

Zur Person

Dieter Bartetzko ist Kultur-Redaktor der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», Architekturkritiker und nach eigenen Angaben Spezialist für «alles, was mit dem vordergründig so leichtgewichtigen Unterhaltungsgeschäft zu tun hat: von Schlager bis Chanson, von Show bis Musical.»

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