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Der 1. Weltkrieg Wer waren die «Jungbauern» von August Sander?

Das Foto «Jungbauern» ist ein berühmtes Beispiel für die dokumentarische Porträtfotografie. August Sander schrieb damit in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Geschichte. Nach neuen Recherchen soll es sich dabei nicht um Jungbauern handeln, sondern um Bergleute. Ein Sturm im Wasserglas.

August Sander im Porträt.
Legende: Der Fotograf August Sander war nah bei den Menschen. Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur - August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn, 2014.

Pünktlich zum 50. Todestag des Meisterfotografen August Sander trifft eine irritierende Nachricht ein: Ausgerechnet seine «Jungbauern», diese drei fröhlich-ungelenken Burschen auf dem Weg zum Tanz (und zum Krieg), sollen keine Bauern sondern Bergleute gewesen sein, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Link öffnet in einem neuen Fenster. Alles halb so wild, sagt Gabriele Conrath-Scholl, die den Nachlass von August Sanders in der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln erforscht.

Drei Männer auf einem Foto. Sie tragen alle Hut und halten einen Stock.
Legende: Bergleute statt Jungbauern? Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn, 2014

Wie ist das Foto entstanden?

Gabriele Conrath-Scholl: Grundsätzlich weiss man es nicht genau. Das Bild ist vermutlich im Sommer 1914 im deutschen Westerwald aufgenommen worden. Sander war relativ nah bei den Menschen. Er besuchte schon vor dem Ersten Weltkrieg viele Familien, die er später nochmals fotografierte. Und so war es auch im Fall der drei «Jungbauern» gewesen.

Von der Familie Krieger gab es bereits ein Foto. Ein Familienbild, wo einer der «Jungbauern» auch zu sehen ist. Sander ist oft in diese Dörfer gegangen, hat dort Familien und ihre Nachbarschaften fotografiert. Im Verlauf eines solchen Besuchs wird er dann am Wochenende im Westerwald auf diese Situation gestossen sein.

Weiss man, wer diese Jungbauern waren?

Zu sehen sind zwei Vettern, August in der Mitte des Bildes, und Ewald Klein ganz rechts, sowie Otto Krieger aus der eben erwähnten Familie Krieger. Die Leute in dieser Gegend waren nicht in erster Linie lohnabhängig, sondern verfügten über ein Haus, ein Stück Land, vielleicht eine Kuh und ein Schwein. Es gab in der Gegend Bergwerke. Viele Männer arbeiteten tagsüber dort und abends und am Wochenende auf dem eigenen Feld. Doch die Selbständigkeit war ihnen wichtig. Insofern finde ich es gut, dass es Sander dabei belassen hat, sie Jungbauern zu nennen.

Also doch keine falschen Bauern?

Natürlich fragt man sich: Wo hört die Dokumentation auf? Wo beginnt die Inszenierung? Wie stark ist der künstlerische Eingriff gewesen? Und natürlich hat Sander auch künstlerisch eingegriffen. Es ist auch möglich, dass Sander die Jungbauern darum gebeten hat, den Stock etwas schräger zu halten oder so. Aber der Titel «Jungbauern» trifft die Realität in dieser Gegend.

Gabriele Conrath-Scholl

Gabriele Conrath-Scholl
Legende: Benjamin Hoetter/Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln

Gabriele Conrath-Scholl leitet die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur in Köln, wo das August-Sander-Archiv untergebracht ist. Sie kuratiert Ausstellungen über Sander, wie aktuell in Köln (21.3. bis 3.8.2014): August Sander – Meisterwerke und Entdeckungen.

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