Der Mönch Anselm Grün lebt einfach, könnte aber Millionär sein

Der Benediktinermönch Anselm Grün hat über 300 Bücher geschrieben. Seine Themen verkaufen sich gut: Glück, Seele und Liebe. Er berät Paare und Manager, ist ständig unterwegs. Trotzdem wirkt er gelassen und ruhig. Ein Treffen mit dem Mönch und Bestseller-Autor.

Nahaufnahme von Anselm Grün.

Bildlegende: Anselm Grün preist nicht nur die Liebe Gottes, auch die Liebe unter den Menschen ist für ihn zentral. FLICKR/Christliches Medienmagazin

Der kleingewachsene, weissbärtige Mann in der weiten Kutte ist ein leidenschaftlicher Autofahrer. Mit einem alten VW fährt er von Kloster zu Kloster, hält Vorträge oder gibt Kurse für gestresste Manager.

Anselm Grün lebt rastlos und wirkt doch gelassen und ruhig. Ich kann ihn in einem wunderschönen Benediktinerkloster in Bayern treffen und alles, was er nach langer Fahrt will, ist ein Kaffee.

«Jeder kennt intolerante Gedanken»

Dann setzt er sich zu mir und wir reden zunächst über etwas, an dem ihm viel liegt: über die Toleranz. Toleranz brauche Verständnis, brauche ein weites Herz, sagt der Pater – und sie brauche die Fähigkeit, mit sich selbst im Reinen zu sein.

Aber, so Anselm Grün: «Jeder von uns kennt auch intolerante Gedanken und Gefühle. Aber ich muss diese Gedanken offen reflektieren. Die Mönche sagen, wir sind nicht verantwortlich für unsere Gedanken, aber dafür, wie wir mit ihnen umgehen.»

Ein Mönch für Beziehungsprobleme

Der Satz ist typisch für den Benediktinerpater Anselm Grün. Er ist ein spiritueller Denker. Er meditiert. Und – das ist eine grosse Leistung, in unserer schnelllebigen Zeit – er kann ausführlich zuhören. So zum Beispiel bei den vielen Paaren, die mit Beziehungs- und Liebesproblemen zu ihm kommen.

Anselm Grün preist nicht nur die Liebe Gottes, für ihn ist die Liebe unter den Menschen zentral. Er moniert, dass wir uns für diese, für die Partnerschaft viel zu wenig Zeit nehmen und zu schnell auseinandergehen.

«Ich kenne das Verliebtsein»

Ich habe Grün gleichwohl gefragt, ihn, den zur Keuschheit verpflichteten Mönch, was er denn aus eigener Erfahrung über die Liebe wisse: «Ich habe als Kind die Liebe der Eltern gespürt. Aber auch als Erwachsener habe ich Liebe zu Frauen gespürt, kenne das Verliebtsein. Liebe ist aber nicht nur das erotische Gefühl zwischen Mann und Frau, sie ist ein Grundgesetz unseres Lebens.»

Die Liebe ist für Anselm Grün ein Grund, nach sich selber, in sich hineinzuschauen. Es ist dem Pater mit am wichtigsten, dass wir immer zunächst mit uns selber in Einklang kommen.

Armer Mönch macht Kloster reich

Pater Anselm Grün ist ein ausgesprochen bescheidener Mensch. Er verkörpert exakt das Bild, das man sich von einem armen Mönch macht. Dabei könnte er vielfacher Millionär sein.

15 Millionen Mal sind seine Bücher schon verkauft worden. Aber Geld zu haben, sich Luxus leisten zu können, das hat den Benediktiner nie gereizt: «Das Honorar für die Bücher bekommt das Kloster. Wir finanzieren damit vor allem die Schule und die Flüchtlingsarbeit. Ich bekomme kein Taschengeld und im Urlaub 500 Euro».

Das sagt einer, durch den sein Orden und sein Kloster schon Millionen verdient haben. Und der es oft mit Millionären zu tun hat. Wie am Abend unseres Gesprächs in Bayern auch.

Pater Anselm Grün verabschiedet sich höflich. Er zieht sich zurück, um sich auf ein Seminar vorzubereiten, das er an diesem Abend für hochrangige Manager geben wird.

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