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Gesellschaft & Religion Der vereinte Hass auf Homosexuelle

Vor kurzem verschärfte Uganda die Strafe für Homosexuelle: Nun drohen lebenslange Haftstrafen. Mehr als die Hälfte aller 55 Länder Afrikas kennt ähnliche Gesetze. Zwar sind die Gründe für den Hass auf Homosexuelle verschieden, Gemeinsamkeiten gibt es dennoch.

Frauen halten ein Transparent hoch mit der Aufschrift: "Homosexuals will not enter the kingdom of God".
Legende: Eine Demonstration gegen Homosexuelle von Mitgliedern der Anglican Church in Zimbabwe, Oktober 2011. Reuters

Egal ob Christen oder Muslime, Homophobie ist wohl einer der wenigen Punkte, auf den sich die unterschiedlichsten Glaubensrichtungen einigen können. Insbesondere die evangelikalen Pfingstkirchen verzeichnen in Ländern wie Uganda, Nigeria und Kenya massiven Zuwachs. Mit unterhaltsamen Messen, Heilsversprechen und der Aussicht auf Reichtum geben sie den Leuten dort Hoffnung, wo Armut, Arbeitslosigkeit und soziale Angebote im Alltag fehlen. Doch die Predigt verkündet zusätzlich auch: Homosexualität ist Sünde.

Der Einfluss der Kirchen ist nicht nur hausgemacht: Der Dokumentarfilm «God Loves Uganda» (USA 2013) zeigt etwa, wie die evangelikale Pfingstkirche «International House of Prayer» (IHOP) gezielt Missionarinnen und Missionare ausbildet, die in Uganda ihr Evangelium verkünden – und damit auch, Homosexualität sei Sünde.

Grössere Wählerschaft – grössere Leserschaft

Neben den Missionarinnen und Missionaren aus dem Westen spielt aber auch die Politik eine zentrale Rolle. «Politiker benützen Homophobie auch als Strategie, um von wirtschaftlichen und sozialen Problemen abzulenken. Sie deklarieren deshalb Homosexualität zum Hauptthema», sagt Frida Lyonga. Sie dissertiert an der Universität Basel über afrikanische Migrierende und ihre Haltung zur Homosexualität. Je lauter die Homophobie-Trommel also geschlagen wird, desto leichter werden dringendere Probleme überhört, etwa eigene politische Verfehlen, Korruption oder Mängel in der Bildung.

Die Medien nehmen das Thema dankbar auf: Während Politiker mit der Homo-Hatz Wählerstimmen gewinnen, führen knackige Schlagzeilen zu einer grösseren Leserschaft. Boulevard-Zeitungen in Uganda publizierten etwa im Jahr 2010 Fotos und detaillierte Angaben über (angebliche) Homosexuelle – zusammen mit der Aufforderung, diese zu hängen.

Porträt von der Seite. Binyavanga Wainaina hält die Arme über der Brust gekreuzt und spricht.
Legende: Der kenyanische Autor Binyavanga Wainaina in einem Interview kurz nach seinem Outing. Keystone

Widerstand: ja, aber

Doch der Widerstand zur gezielten Diskriminierung von Homosexuellen wächst. Die Sichtbarkeit von Lesben und Schwulen, die für ihre Rechte kämpfen, ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Und diese leisten vermehrt Widerstand gegen die politische Willkür und die Hasstiraden. Der kenyanische Autor Binyavanga Wainaina outete sich etwa zu Beginn dieses Jahres als schwul – auf seinem Blog, öffentlich. Seine Berühmtheit gewährt ihm dabei einen gewissen Schutz, den andere nicht haben.

Diese vertritt die kamerunische Rechtsanwältin Alice Nkom: Sie ist eine der wenigen, die betroffene Schwule und Lesben unterstützt und vor Gericht vertritt. Für ihr Engagement wurde sie kürzlich mit dem Amnesty International Menschenrechtspreis ausgezeichnet.

Eine verfahrene Situation

Doch gerade diese Hilfe ist nicht unproblematisch. Internationale Menschenrechtsorganisationen setzen die Länder Afrikas unter Druck, Homosexualität zu entkriminalisieren. Das führe aber zu einer Gegenreaktion, sagt Frida Lyonga: «Aus afrikanischer Perspektive ist das eine neue Form von Kolonialismus. Es vermittelt den Eindruck ‹Ihr wollt uns auferlegen, was wir zu tun haben, statt dass wir unsere eigenen Regeln durchsetzen.› Das erzeugt eine Gegenreaktion, einen starken, nationalistischen Widerstand gegen Homosexualität.»

Die Situation ist also verfahren: Sowohl evangelikale Eiferer als auch die Unterstützung für Homosexuelle kommen beide aus dem Westen. Und beides feuert die Hetze auf Homosexuelle weiter an.

23 Kommentare

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  • Kommentar von Th. Schwarz, Pforzheim
    Wie so oft liegt die Lösung in der Mitte. Jesus Christus erklärt in Matth. 19 Vers 12, dass es drei Arten Menschen gäbe, die nicht zur Ehe gemacht seien. 1. Solche, die bereits unfähig zur Ehe aus dem Mutterleib kommen (Gleichgeschlechtlich Veranlagte, Hermaphroditen) 2. Solche, die von anderen Menschen zur Ehe unfähig gemacht werden (Eunuchen ...) 3. Solche, die um des Himmelreiches willen auf die Ehe verzichten. Das alttest. Gebot verweist auf Analverkehr (gesundh. gefährlich auch mit Kondom)
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  • Kommentar von Xaver Meier, Ramlinsburg
    Laut Bibel ist Gott der gleichgeschlechtliche Sex ein Gräuel. Nirgends ist zu lesen, dass Homosexuelle Sünder/innen sind! Auch nicht, dass allfällige Sünder gehetzt und verfolgt werden sollen. Wie immer sind es verkorkste Menschen die behaupten im Namen Gottes oder ihrer Religion zu handeln. Wenn, dann ist das Sünde (wenn man in dieser Sprache bleibt)! Und zwar gemäss deren eigener Bibel (den Koran und die Thora usw. kenn ich zuwenig).
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    1. Antwort von S. Nogler, Bever
      Wenn Sie die Bibel gelesen hätten, würden Sie wohl verstehen, dass "ist für Gott ein Gräuel" gleichbedeutend ist mit "ist eine Sünde". Es steht niemanden zu, Sünder zu richten oder zu verfolgen als Gott alleine (Richte nicht). Trotzdem ist es meine Pflicht einen Sünder, Sünder zu nennen, damit er weiss, dass er verloren geht, wenn er nicht von Herzen umkehrt. Wer von Herzen an Gott glaubt wird erretet werden, auch wenn er zuvor der grösste Sünder war.
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    2. Antwort von J.vB, Olten
      Lieber Herr Nogler Absolut unverständlich ihr Kommentar. Es steht niemandem, keiner Sache und schon gar keinem Buch zu, für dessen wahren Inhalt kein Beweis besteht über Menschen zu richten und sexuelle Orientierungen zu werten. Klar dass man solch einen Kommentar aus der schönen Schweiz machen kann wos einem gut geht und man nichts fürchten muss aber haben sie auch schon an die verfolgten Homosexuellen in Afganistan, Pakistn oder eben in Afrika gedacht? Bedenklich, solche Kommentare..
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  • Kommentar von Hans Weiler, St. Gallen
    Schwul sein in allen Ehren. Dass man dafür bestraft wird soll nicht sein. Die seit längerem laufende weltweite Propaganda für Schwule ist dann doch eher befremdlich. Sie hilft hauptsächlich, einen Graben zwischen homo- und heterosexuell zu schaufeln und provoziert all jene, die diesen gesellschaftlichen Wertvorstellungen ablehnend gegenüber stehen. Will man die zwangsweise umerziehen? Ich sehe dahinter viel mehr das leidige "teile und herrsche" Paradigma, das homo und hetero zu Verlierern macht.
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