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«Dialogpreis Schweizer Juden» Ausgezeichneter Austausch zwischen Juden und Nicht-Juden

Der erste «Dialogpreis Schweizer Juden» geht unter anderem an einen Rabbiner und einen Imam. Denn: Sie reden miteinander, nicht nur übereinander.

Hände halten Symbole für Islam, Judentum und Christentum in den Händen.
Legende: Miteinander, nicht übereinander: Ein neuer Preis würdigt den Dialog zwischen Juden und Nicht-Juden. Getty Images

Verkehrte Welt: Noch nie war Recherche so einfach wie in Zeiten des Internets. Dennoch gibt es besonders viele Missverständnisse und Vorurteile. «Wir dürfen nicht aufhören, die Aufklärung weiterzuführen», sagte Bundespräsident Alain Berset bei der Verleihung des Dialogpreises in Bern.

Es ist ein neu geschaffener Preis, gestiftet vom Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund SIG und der Plattform der Liberalen Juden der Schweiz.

Preis für Imam und Rabbiner

Der mit jeweils 10'000 Franken dotierte Preis wurde gleich zweimal verliehen: In der Deutschschweiz wurden der Imam Muris Begovic und der Zürcher Rabbiner Noam Hertig ausgezeichnet, der SRF-Zuschauern von «Bilder zum Feiertag» bekannt sein könnte. Dort besucht der Rabbiner als Reporter die Feste anderer Religionen.

In der Romandie wurde der reformierte Diakon Maurice Gardiol und der jüdische Vorbeter Eric Ackermann mit dem Dialogpreis ausgezeichnet.

Zwei Männer schauen in die Kamera.
Legende: Imam Muris Begovic (links) und der Zürcher Rabbiner Noam Hertig tragen ausgezeichnet zur Verständigung bei. SRF

Wie der Name Dialogpreis suggeriert, wurden Aktionen geehrt, die für ein gelungenes Gespräch zwischen Juden und Nicht-Juden stehen.

Gemeinsamkeit Minderheit

Dass Juden einen Imam auszeichnen, überrascht. Schliesslich ist das Verhältnis zwischen Juden und Muslimen nicht ganz unkompliziert. Auf der einen Seite gibt es eine grosse Solidarität. Denn Juden und Muslime wissen, was es heisst, einer Minderheit anzugehören.

Und bei vielen religiösen Praktiken gibt es Ähnlichkeiten zwischen Juden und Muslimen: etwa bei der Beschneidung oder bei den Speisegesetzen. Manche Muslime kaufen ihr Fleisch in einer koscheren Metzgerei, denn alles, was koscher ist, ist auch halal.

Zugleich gibt es auch Spannungen zwischen Juden und Muslimen. Viele Juden fürchten einen wachsenden Antisemitismus. Der kommt nicht nur von Rechtsradikalen, sondern auch von Muslimen aus dem arabischen Raum. Flüchtlinge in Syrien haben etwa zuhause gelernt, dass Juden Kindermörder seien. Diese antisemitische Propaganda zu korrigieren, ist gar nicht so einfach.

Angst vor Antisemitismus

Umso wichtiger erscheint den Preisverleihern der Austausch zwischen Juden und Muslimen – genau deshalb wurden der Rabbiner und der Imam ausgezeichnet. Denn sie führen den Dialog nicht zu zweit im stillen Kämmerlein, sondern haben das Projekt «Respect» lanciert.

Zwischen Tradition und Mehrheitsgesellschaft

Bei dem Projekt kommen rund 40 junge Erwachsene zusammen, Juden und Muslime. Die Idee lautet: nicht übereinander zu reden, sondern miteinander. Dabei stellen Juden und Muslime oft fest: «Wir haben viel mehr gemeinsam, als wir denken.»

Viele muslimische Eltern wollen etwa, dass ihr Sohn eine Muslimin heiratet. Ähnlich sieht es in vielen jüdischen Familien aus. Und beide Gemeinschaften stehen vor der Frage: Wie wichtig ist uns die Tradition? Und inwiefern passen wir uns der Mehrheitsgesellschaft an?

Das Ganze soll keine Kuschel-Stunde sein. «Wie in einer Familie müssen auch schwierige Themen angesprochen werden», sagen die Veranstalter.

«Likrat» meint: aufeinander zugehen

Weil es schwierige Themen gibt, ist es wichtig, auch in die Schulen zu gehen und die Jugendlichen aufzuklären. Etwa in Form des Jugendprojekts «Likrat», bei dem der Zürcher Rabbiner Noam Hertig vor Jahren mitgemacht hat.

Auch «Likrat» wurde in Bern geehrt. Der Name ist Hebräisch und heisst übersetzt: «aufeinander zu». Junge Juden gehen in Schulen und beantworten Fragen über ihren Alltag.

Die Stiftung eines eigenen Dialogpreises zeigt, dass es viele Missverständnisse zum Judentum gibt und es eines konstruktiven Dialoges bedarf. So traurig das Defizit ist, so optimistisch stimmen die Mut machenden Projekte. Statt auf Hass setzen sie auf Dialog. Oder, wie es Bundespräsident Alain Berset formulierte: Sie führen die Aufklärung weiter.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 30.05.2018 2018, 8:20 Uhr

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