Die Basler Fasnacht wird böse – ein Zwischenbericht

Islamischer Staat, Flüchtlingskrise, Terror-Anschläge. Die Themen mit denen sich die Satire auseinanderzusetzen hat, sind derzeit alles andere als lustig. Und trotzdem sind sie da. An der Basler Fasnacht kommen sie auf den Tisch.

Beim diesjährigen «Charivari» beschwört die «Justitia» die Rede- und Gedankenfreiheit.

Bildlegende: Beim diesjährigen «Charivari» beschwört die «Justitia» die Rede- und Gedankenfreiheit. Keystone

Eins vorweg: die Basler Fasnacht ist ein Satireanlass. Mehr als hundert Schnitzelbankgruppen mit ihren Versen, mehr als 400 Cliquen, Gruppen, Guggen und Wägen mit ihren «Zeedel» und mehr als zehn Vorfasnachtsveranstaltungen mit ihren Songs und Kabarettnummern machen die Basler Fasnacht zu einem einzigartigen Satireanlass.

Von Resignation keine Spur

Aber eben: wie reagiert man auf Themen geht wie Krieg und Terror? Und wie setzt man diese Themen in ein Verhältnis zu scheinbar Banalem, was aber genauso wichtig ist? Erste Antworten darauf liefert jeweils in der Vorfasnacht. Und zum Thema heisst es etwa im Pfyfferli:

(…) Jetz miesste mir e Värsli mache
Vo Bürgerkrieg und and‘re Sache
Wo d Lüt verregge schaarewyys
Und Flüchtlingsströöm und was weiss ich

Und Transitzone, Stacheldroht
Und Gränzblockade, Hungersnot
Pegida-Demagoge-Bruet
Und Brandaaschleeg und Bürgerwuet (…)

Und weiter:

Und mir, wo do mien Fasnacht mache
Verzelle vo banale Sache:

«Kasch in dr Stadt nümm Velofahre»
«Kasch nümm parkiere mit em Kaare» (…)

Und schliesslich:

Do fallt ys laider nüt me yy
Drum löömer s Värslimache syy.

Schwere Nummern sind erfolgreich

Doch von Resignation keine Spur. Im Gegenteil. Die Vorfasnacht besinnt sich vermehrt auf ihre satirischen Wurzeln. Das klassische Kabarett, wo schwierige Themen mit einfachen Bildern übersetzt und notfalls mit Allegorien verständlich gemacht werden.

So steigt im «Charivari» die «Justitia» von ihrem Brunnen in Bern und beschwört unter den Klängen des Beresina-Liedes (mutig, mutig, liebe Brüder) die Rede- und Gedankenfreiheit. So sitzen im «Pfyfferli» die drei Figuren Liberté, Egalité und Fraternité an ihren Tischen vor einem Pariser Bistro und stellen sich die Frage, ob jetzt – nach den Anschlägen vom 13. November – die Zeit nach ihnen gekommen ist.

Interessanterweise gehören genau diese beiden eher schweren Nummern zu den erfolgreichsten und meistbeklatschen der diesjährigen Vorfasnacht. Die Leute wollen auch happige Kost!

Sind wir alle Egoisten?

Und wie die Vorfasnacht, so die Fasnacht. Das zeigt ein erster Blick auf ihre «Zeedel», die ab Montag von den Cliquen in der Stadt verteilt werden. «Völkerball» heisst es da zum Beispiel (Alte Stainlemer,) und angespielt wird auf das Herumschieben ganzer Völker zwischen dem Nahen Osten und Europa.

Auffällig auch die vielen Zeitthemen und die, die sich mit moralischen Fragen auseinandersetzen. Sind wir alle Egoisten? fragt sich zum Beispiel eine Clique (Spezi) auf ihrem «Zeedel», die über die Frage «was, ich?» aufzeigt, wie wenig wir bereit sind, etwas für die Allgemeinheit zu tun. Eine andere (Gundeli Gniesser) setzt sich mit der immer noch nicht erreichten Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen auseinander und eine dritte (Sans Gêne) fragt sich, ob es fürs Echte, Wahre und Lebendige überhaupt Platz mehr in einer Welt voll von Virtuellem gibt.

Die Fasnacht wird bissig

Und wie jedes Jahr spielt der Tod eine grosse Rolle. In diesem Jahr aber nicht nur der im Krieg oder auf der Flucht. In diesem Jahr vermehrt auch der eigene. «Mir stäbe n us» heisst es da auf einem «Zeedel», und tatsächlich: eine ganze Generation von Fasnächtlern wird alt und verabschiedet sich. Das wird thematisiert. Eine Clique (Basler Bebbi, Alti Garde) kommt zum letzten Mal an die Fasnacht und machen so einen öffentlichen Abgang.

Schlechtes Jahr – gute Fasnacht, könnte man sagen. Und die Fasnacht wird gut: politisch, bissig, bös und besinnlich. Wie genau, das werden aber erst die «Schnitzebängg» zeigen. Die hören wir ab Montag unterwegs.

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