Die Flucht – das grosse Drama der Menschheit

Schon seit biblischer Zeit machen sich Menschen auf den Weg, um Gewalt und Armut zu entkommen. Meist erwartet sie jedoch nur noch mehr Leid. Dabei wären sie dazu bereit, ihr altes Leben aufzugeben und neu anzufangen. Eine Ausstellung des Jesuitischen Flüchtlingsdienstes thematisiert ihr Schicksal.

Männer und Frauen auf einem kleinen blauen Bott, dahinter ein Kriegsschiff der US-Navy.

Bildlegende: Flüchtlinge aus Somalia auf hoher See, kurz vor der Rettung durch ein Patrouillenschiff der US-Navy (März 2010). Keystone

Schon Noah versuchte, mit seiner Arche der Vernichtung zu entgehen. Damit unterscheidet er sich nicht gross von den vielen Eritreern, die momentan Schutz in der Schweiz suchen. Sie flüchten vor einem Diktator, der sie zu jahrelangem Militärdienst zwingt. «Von der Arche zu den Boatpeople» heisst denn auch die Wanderausstellung der Jesuitenmission, die aktuell in der katholischen Hochschulgemeinde aki in Zürich zu sehen ist.

Eine Flucht ist keine Fernreise

Das Leiden steht am Anfang jeder Flucht, hält Peter Balleis, Leiter des Jesuitischen Flüchtlingsdienstes, fest. «Menschen fliehen nicht, um ein schöneres Hemd anzuziehen. Sie fliehen, um ihr Leben und das ihrer Kinder zu schützen.» Diesen Aspekt würden wir in Europa zu oft ausblenden. «Wir sprechen von Wirtschaftsflüchtlingen, von Migranten, die in Europa zu schnellem Wohlstand gelangen wollen. Was eine Flucht aber wirklich bedeutet, das verdrängen wir.»

Denn eine Flucht ist keine Ferienreise. Das zeigt das Zelt eines Flüchtlingslagers, das in der Ausstellung aufgebaut ist. 4x4 Meter klein, mit einfachen Plastikplanen bedeckt, am Boden dünne Matten. Davor stehen ein wenig Reis, Bohnen und Öl. Dies muss für Millionen von Flüchtlingen jeden Tag zum Leben genügen. Der Jesuitische Flüchtlingsdienst versucht, die Not dieser Menschen etwas zu lindern, vor allem durch Bildung. Das Hilfswerk ist in 45 Ländern tätig und erreicht etwa eine Million Flüchtlinge.

Kinder, die in kaputten Strandschlappen flüchten

Jeder dieser Flüchtlinge hat eine eigene Geschichte. Peter Balleis deutet auf ein paar ausgelatschte Plastikschlappen. Sie gehörten Kindern aus dem Kongo, die damit zu Fuss geflüchtet sind, weil ihr Vater getötet wurde. Man müsse in Gedanken ein paar Schritte in diesen Schuhen gehen, um das tragische Schicksal dieser Menschen zu verstehen. So würden die Menschen in Europa vielleicht nicht mehr von einer Flüchtlingsschwemme sprechen.

Peter Balleis ruft in Erinnerung, dass es noch nicht so lange her ist, dass auch Schweizer ihre Heimat verlassen haben. Noch im 19. Jahrhundert wanderten viele aus, um im Ausland bessere Chancen zu haben. Doch der Mensch vergesse sehr schnell. So gebe es immer wieder neue Konflikte und neue Flüchtlinge. «Die Geschichte wiederholt sich, man lernt nicht aus der Weisheit der Alten, die wegsterben.» Diese hätten vielleicht noch gewusst, dass Krieg nur Flucht und Leid mit sich bringe.

Flüchtlinge wollen nur Frieden

Durch die Ausstellung in Zürich können zwar keine Konflikte direkt verhindert werden, das gibt Peter Balleis zu. Schliesslich wird sie nicht von Soldaten aus Kriegsgebieten besucht. Aber auch Schweizer und Schweizerinnen könnten einen Beitrag zum Frieden leisten. «Liefern wir doch Kriegsparteien keine Waffen mehr!», schlägt der Jesuit vor. Politik und Wirtschaft der Schweiz hätten nämlich durchaus einen Einfluss.

Peter Balleis fordert nicht nur konkrete Massnahmen, sondern auch einen Perspektivenwechsel in Bezug auf die Flüchtlinge. «Flüchtlinge wollen nur den Frieden. Wollten sie kämpfen, wären sie im Kriegsgebiet geblieben. Sie sind bereit, ihr altes Leben aufzugeben und alles neu aufzubauen.»

Peter Balleis bringt als Beispiel das Deutschland der Nachkriegszeit. Es wurde zu einem grossen Teil von Flüchtlingen wieder aufgebaut. Sein Fazit: «Flüchtlinge sind ein Gewinn für jede Gesellschaft!»

Ausstellung

Die Ausstellung «Von der Arche zu den Boatpeople» mit 46 Exponaten von Künstlern aus Asien, Afrika und Nahost ist vom 22. Oktober bis 25. November in der kath. Hochschulgemeinde aki in Zürich zu sehen.

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