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Gesellschaft & Religion Die Geranie – eine Schweizer Pflanze mit Migrationshintergrund

Geranien schmücken Schweizer Chalets, Hotelfassaden, Balkone, Ortstafeln und Bergbahnsationen. Nicht verwunderlich, haben Touristen und Einheimische das Gefühl, Geranien seien der Inbegriff der Schweizer Pflanze schlechthin. Sie irren.

Geranien: Die einen lieben sie, die andere hassen sie. Wie auch immer, die unterschiedlichen Sorten haben klingende Namen: Santa Maria, rosa oder weisse Bernerin, Hot Spot Coral, Sugar Baby, Westfahlengruss, Elsi oder sweet Mimosa: eine schöner als die andere, und aus der alpinen Schweiz kaum wegzudenken – das zeigt derzeit eine Ausstellung im Alpinen Museum in Bern.

Ob man sie nun liebt oder nicht, die Geranie schmückt unverdrossen die ganze Schweiz, könnte man meinen, die genügsamen Dauerblüher hängen an Chalets, Hotelfassaden und Balkonen. Dabei ist sie eigentlich eine Exotin, eine wärmeliebende, genügsame Schöne zwar, die im Moment zu hunderttausenden gerade auf Blumenmärkten, Gärtnereien und Superdiscounts zum Verkauf ausgestellt sind.

Die schöne Exotin

Auch wenn viele Zeitgenossen sie für ziemlich bieder halten mögen, so zählt die schöne Exotin in der Schweiz seit Jahren zum floralen Bestseller mit einer bewegten und spannenden Vergangenheit, erzählt Beat Hächler, Leiter des Alpinen Museums.

Aus Südafrika nach Europa: im 18. Jahrhundert landen die Geranien zuerst in botanischen Gärten, Anfang 19. Jahrhundert holen sich immer mehr städtische Patrizier diese Pflanze in den Garten und in die Stube. Bedienstete trugen Geranienstecklinge aufs Land, wo sie bald als typischer Bauernhaus-Fassadenschmuck kaum mehr wegzudenken waren.

Heimatpflanze für die Welt

Ein Blick über den helvetischen Tellerrand hinaus zeigt, dass die exotische Schöne nicht nur die Schweizer Herzen und Balkonkistchen erobert hat, sondern sich weltweit als «Heimatpflanze» einen Namen gemacht hat: In Bayern und Österreich ebenso wie im Fernen Osten oder Südamerika.

Geranien sind pflegeleicht, blühfreudig und ausgesprochen billig herzustellen. Die Schweiz produziert zwei Millionen Geranien für den eigenen Markt. Das reicht bei weitem nicht, weswegen der weitaus grössere Teil importiert wird. Aus Äthiopien zum Beispiel, wo eine der führenden holländischen Pflanzenproduktions-Firma jährlich 55 Millionen Geranienstecklige produziert – auch für die Schweiz.

Weg von Afrika – und wieder zurück

Out of Africa – eingewandert nach Europa, hat sich die schöne Exotin als Heimatpflanze mit Migrationshintergrund zum floralen Star entwickelt und ist inzwischen als Global Player jetzt wieder zurückgekehrt nach Afrika. Deswegen, so Beat Hächler, sei es ein guter Moment, über Geranien zu reden.

In Bern wird diese kleine, aber feine, auch vergnügliche Ausstellung begleitet durch Anlässe seitens der Stadtgärtnerei, des botanischen Garten und der Stadtbibliothek.

19 Kommentare

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  • Kommentar von Stefan Faes, SG
    Was im deutschsprachigen Raum gemeinhin als "Geranien" bezeichnet wird, sind eigentlich Pelargonien. Diese gehören zwar auch zu den Storchschnabelgewächsen aber eben nicht zur Gattung "Geranium". "Echte" Geranien kommen auf allen Kontinenten vor, sie wachsen sogar in der Antarktis.
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  • Kommentar von Schneider Fritz, 9475 Sevelen
    Gut, dass wir noch die Freiheit haben über die "fremde Geranie" zu diskutieren. Ob rot, weiss, lila, rosa, ob stehend, hängend, ob stark oder schwach im Wuchs, ob langweilig oder faszinierend in der Erscheinung, alles Eigenschaften die wir an Fassaden entdecken können. Geniesse doch jeder die Vielfalt, freue sich jeder der will, lieben wir die Pflanzen, oder bleiben still.
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  • Kommentar von Roman Loser, Embrach
    Wenn das Thema nicht ernst wäre könnte man schon über die Ueberschrift dieses Titels schmunzeln! Langsam werden immer kindleriche Argumente für die Migration feilgeboten! Aber es gibt bekanntlich auch bei Fauna und Flora solche die einheimische Gewächse und Tiere ergänzen und bereichern und viel Freude bereiten können, aber auch welche die diese schwerst bedrängen und mit viel Mühe (z.B. von Naturschützern) zurückgebunden werden müssen!
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Stimmt leider in hohem Masse! Der Könizberger Wald ist voll von Buddlejas, die sich ungehemmt vermehren, die Waldwege säumen, einheim.Pflanzen verdrängen u.ausser Nektar, keinem Insekt nützen. Ganz besonders im Herbst registriert man die Wahnsinnsverbreitung asiatischer Marienkäfer, wenn sie über die Hausfront im Gebälke ihr Winterquartier aufsuchen.Und nein, es sind nicht einfach Marienkäfer, diese Kannibalen verdrängen unsre Vielfalt in rasantem Tempo, einheimische sind kaum mehr zu finden..
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