Kopenhagen Souvenir Die Meerjungfrau ist aus Plastik und der König ohne Kleider

Der Kopenhagener Souvenirverkäufer Jacob Lentz beantwortet die merkwürdigsten Touristenfragen – und macht nebenbei ein ganz gutes Geschäft.

Der Kopenhagener Souvenirverkäufer Jacob Lentz vor einem Postkartenständer

Bildlegende: Führt einen Souvenir-Verkaufsladen an Kopenhagens Fussgängerstrasse Strøget: Jakob Lentz. Bruno Kaufmann

«Wie heisst der König von Schweden?» «Wie viel Euro kostet ein Bier?» «Wo geht es zum Munch-Museum?» Wir befinden uns in Dänemark. Hier wird mit Kronen bezahlt. Und das Museum des Norwegers Munch steht in Oslo.

Den Besucherinnen und Besuchern des kleinen Souvenir-Geschäfts im Herzen von Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen scheint jedoch nicht immer ganz klar zu sein, wo sie sich befinden.

«Da herrscht etwas Aufklärungsbedarf», schmunzelt der Manager des Ladens mit dem schlichten Namen «Welcome».

Erfolgreiches Souvenir-Business

Obwohl er nach einem bald zwölfstündigen Arbeitstag gleich die Auslagen mit Postkarten und Wimpeln von der Strasse holen wird, wirkt Lentz an diesem sonnigen Sommerabend frisch und freundlich: «Ja, auch das gehört zum Geschäft», betont der Mittvierziger, der mit seiner Familie in einer nahen Wohnung mitten in Kopenhagen lebt.

Der Kopenhagener Souvenirverkäufer Jacob Lentz in seinem Laden.

Bildlegende: Neben Plastik-Meerjungfrauen verkauft Lentz auch Kult-T-Shirts der Kopenhagener Biketown, die er selbst trägt. Bruno Kaufmann

Und das Geschäft scheint gut zu laufen. Jacob Lentz hat unlängst im Untergeschoss ein zusätzliches Einkaufslokal von über 80 Quadratmeter Grösse eröffnet und betreibt sogar eine Filiale.

Mit ihm sorgen ein gutes Dutzend weitere Mitarbeitende dafür, dass es im «Welcome» nicht nur den üblichen Billig-Krims-Krams gibt. Neben kleinen Meerjungfrauen aus Plastik gibt es auch hochwertige Holzkönige ohne Kleider und die hauseigenen Kult-T-Shirts der Kopenhagener Biketown.

Hässliche Entlein, fliegende Koffer

Es sind die sonderbaren Figuren aus der phantastischen Märchenwelt des bekanntesten dänischen Dichters, Hans Christian Andersen (1805-1875), die der dänischen Hauptstadt bis heute ihren Stempel aufdrücken.

Auch in den Regalen von Jacob Lentz finden sich Andersens standhafte Zinnsoldaten, hässliche Entlein, fliegende Koffer und rote Schuhe – in verschiedenen Ausführungen und Preisklassen.

Auf immerhin 156 publizierte Märchengeschichten brachte es der Dichter Andersen, der zeitlebens unverheiratet blieb und durch Reisen in viele Länder, darunter England, Deutschland, Italien und das Osmanische Reich zu immer verrückteren Geschichten inspiriert worden war.

Im Sommer die Araber, im Winter die Russen

Heute findet sich die multikulturelle Welt in Form von Besucherinnen und Besucher im Lentz’schen Souvenirladen wieder, mit saisonalen Schwerpunkten: «Im Winter sind es vor allem Russen, im Frühjahr Chinesen und Japaner bevor im Sommer Südeuropäer und Aaraber dominieren», sagt der stolze Ladenmanager.

«Das Beste an diesem Job», fügt er hinzu, «ist die Rolle als Kulturvermittler und dass ich mich unterdessen in sechs verschiedenen Sprachen mit den Gästen unterhalten kann».

Kaum gesagt, nähert sich ein Gast aus Nordindien dem Verkaufstisch und äussert seinen Wunsch in einer dem Beobachter nicht unmittelbar verständlichen Sprache.

Kein Problem für Jacob Lentz, der die gewünschten Briefmarken innert Sekunden dem erfreuten Kunden überreicht und anschliessend trocken festhält: «Das war Englisch».

Velostadt mit Wikingerhelmen

In den gut 20 Jahren, in denen Jacob Lentz seinen Laden betreibt, hat sich Dänemark verändert.

Das einst weltoffene nordische Land gilt heute zusammen mit einigen osteuropäischen Staaten zu jenen EU-Mitgliedsstaaten, die kaum noch Einwanderer und Flüchtlinge ins Land lassen. «Davon spüren wir hier wenig», sagt Lentz bevor er einer jungen Marokkanerin einen Wikingerhut mit zwei Hörnern verkauft.

Negatives mag er seinem Job eigentlich nicht zuordnen: «Wir sind so organisiert, dass sich die Arbeit hier gut mit einem modernen Familienleben vereinbaren lässt», sagt Lentz, lässt den Rollladen des Geschäftes runter und besteigt – ganz dänisch – ein farbiges Fahrrad, um nach Hause zu radeln.

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