Die Unesco baut in Nepal den Göttern ihr Obdach wieder auf

Das Erdbeben in Nepal hat wichtige Stätten des Weltkulturerbes zerstört. Die Unesco will sie rekonstruieren. Das kostet viel Zeit und Geld, sagt der Unesco-Chef in Kathmandu. Er zeigt sich trotzdem zuversichtlich.

Ein Mönch schaut sich die Trümmer an.

Bildlegende: Traurige Überreste: Trümmer vor dem Syambhunaath Stupa in Kathmandu. Keystone

Die Überlebenden in Nepal trauern nicht nur um die Menschen, die dem Erdbeben zum Opfer wurden. Sie trauern auch um zerstörte Tempel, die in ihrem Alltag eine wichtige Rolle spielten. Die Unesco will die religiösen Stätten nun rekonstruieren.

«Wir sind relativ zuversichtlich, dass sich viele Anlagen wieder aufbauen lassen», sagt Christian Manhart, Unesco-Repräsentant in Kathmandu. Unzählige Fotos der Anlagen, detaillierte Pläne und Messungen seien vorhanden. Die Rekonstruktion werde aber Jahrzehnte dauern und viel Geld kosten, sagt Manhart.

Kleiner Hoffnungschimmer

Menschen gehen durch die Trümmer.

Bildlegende: Nur noch Trümmer übrig: der Durbar-Platz in Kathmandu. Keystone

Nicht alle Welterbestätten im Kathmandu-Tal seien zerstört, so Manhart. Besonders schlimm habe es die Königsstädte Kathmandu, Bhakhtapur und Lalitpur getroffen. Auf dem zentralen Platz in Kathmandu wurden beinahe alle Tempel zerstört. An den Plätzen in Bhaktapur und Lalitpur seien ungefähr die Hälfte der Tempel dem Erdbeben zum Opfer gefallen. In den Palästen auf den drei Plätzen wohnten einst Königsfamilien. Erst Ende 2007 schafften die Nepalesen die Monarchie ab und riefen im Folgejahr die Republik aus.

Die anderen Anlagen des Weltkulturerbes sind nach ersten Informationen der Unesco weniger betroffen. «In Changunarayan scheint einer der Nebentempel zerstört zu sein, aber dafür gibt es noch keine Bestätigung», so Manhart. In Boudhanath sei die Anlage selbst nicht zerstört, aber der goldene Schirm haben einen langen Sprung.

Ein detaillierter Plan für jeden Tempel

Als erstes, sagt Manhart, müsse eine grobe Bestandsaufnahme gemacht werden. Auf diese folge dann ein Detailplan. Damit könne die Schwere der Schäden erfasst werden. Informationen seien schwer zu bekommen, zumal Internet und Telefon nur teilweise wieder funktionieren. Er selbst habe nach dem Erdbeben noch nicht alle Anlagen inspizieren können.

Viele Tempel müssen vollkommen neu aufgebaut werden. «Die Kulturerbe-Experten hoffen, dass die Steinskulpturen aber auch Holzkonstruktionen unter dem Schutt noch erhalten sind», so Manhart. Dies sei auch nach dem schweren Erdbeben von 1934 in Nepal der Fall gewesen. Damals konnte man aus den Ziegeln die Mauern wieder neu errichten.

Viele Kulturdenkmäler auf kleinem Raum

Im Tal von Kathmandu reihen sich auf wenigen Kilometern sieben Weltkulturdenkmäler aneinander. Die vier kunstvoll erbauten Tempel und drei Paläste, die im Jahr 2006 von der Unesco in das kulturelle Erbe der Menschheit aufgenommen wurden, zeugen von der tief religiösen und politischen Geschichte des armen Himalaja-Staates.