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Gesellschaft & Religion Durch Kunst lieben lernen – und zu besseren Menschen werden

Ohne Liebe gibt es keine Gerechtigkeit, sagt die Philosophin Martha Nussbaum. Das Gute wächst im Herzen der Menschen, nicht im Verstand. Die Politik sollte also unsere Gefühle ansprechen und negative Emotionen wie Wut oder Neid in Mitgefühl und Menschenliebe umwandeln. Die Kunst kann dabei helfen.

Zeichnung eines Kopfes, in der eine Rose statt des Gehirns abgebildet ist.
Legende: Neben moralischer Einsicht braucht es Güte, um Gerechtigkeit, Gleichheit und Menschenwürde zu säen. Flickr/Jeanne Menj

«Die Vernunft hat geleistet, was sie leisten kann, wenn sie das Gesetz findet und aufstellt; vollstrecken muß es der muthige Wille und das lebendige Gefühl», schreibt Friedrich Schiller in seinen Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen. Die US-amerikanische Philosophin Martha Nussbaum stimmt mit Schiller überein – auch, wenn dieser schreibt, dass «der Weg zu dem Kopf durch das Herz muß geöffnet werden».

Gefühle sind für Nussbaum der Königsweg zum guten Leben. Wir müssen das Gute im Herzen tragen, nicht nur im Verstand. Ideale wie Gerechtigkeit, Gleichheit und Menschenwürde sollten sich in unser Empfinden einfügen und zu inneren Antrieben werden. Es braucht neben der moralischen Einsicht also auch eine Herzensgüte. Die Pflicht allein reicht nicht, hätte Schiller gesagt; es braucht auch die Neigung dazu.

Kunst als Katalysator des Guten

Doch wie kultiviert man das Gute in den Herzen der Menschen? Nach Martha Nussbaum ist es – ebenso wie für Schiller – die Kunst, welche nicht nur den Verstand, sondern auch den Charakter und die Gefühlswelt eines Menschen zum Guten hinführt. Literatur, Poesie, Filme und Musik können unser Einfühlungsvermögen schulen, unser Gerechtigkeitsempfinden kultivieren und unsere Menschenliebe entfachen. Das wissen auch kluge und fähige Politiker: Vorbilder wie Mahatma Gandhi, Martin Luther King oder Nelson Mandela konnten Menschmassen durch ihre kunstvollen und berührenden Reden für das Anliegen der Gerechtigkeit mobilisieren, die Fantasien der Menschen beflügeln und ihre Emotionen wecken.

Aus Wut werde Liebe

Legende: Video «Warum Martha Nussbaum nicht für die Politik gemacht ist» abspielen. Laufzeit 58:00 Minuten.
Aus Sternstunde Philosophie vom 21.12.2014.

Doch wer die Geschichte kennt, der weiss: Gefühle können nicht nur zum Guten, sondern auch zum Schlechten führen. Angst, Wut und Neid bieten Nährboden für Ausgrenzung, Gewalt und Ausbeutung. Nussbaum weiss, dass das politische Spiel mit Gefühlen auch gefährlich sein kann.

Dennoch: Eine Gerechtigkeit, die wir nicht im Herzen tragen, bleibt eine leere Formel. Das Schicksal der Benachteiligten geht uns nichts an und die Privilegien der Reichen machen uns wütend. Es gelte jedoch, die rachsüchtige Wut in verständnisvolle Liebe zu transformieren, indem man «die Person des Täters von seiner Tat trennt» und so das Gute in den Menschen sichtbar macht. Nussbaum ist übrigens der Ansicht, negative Gefühle wie Wut, Ärger oder Zorn seien, wenn man sie genau betrachtet, irrational und niemals gerechtfertigt. Eine verblüffende These, für die sie jedoch erst in ihrem nächsten Buch argumentieren wird.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Manuela Maruhn, Düren
    Eine philosophische Vorstellung der ersten Klasse, also eine durch die Sinne vermittelte ästhetische Anschauung, mithin Erfahrung, kann Grund eines Urteils sein, dann hat das Urteil materiale Wahrheit und zwar ist diese, sofern das Urteil sich unmittelbar auf die Erfahrung gründet, empirische Wahrheit. In der Realität geht das immer mit viel Blut und Chaos einher, bis sich dann wieder Strukturen bilden, die stets anders sind als alles vorher.
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