Ein Caran d'Ache, der auf Papier und Tablet schreibt

Das von Hand geschriebene Wort ist auf dem Rückzug. Die Digitalisierung lässt uns immer seltener zu Stift und Papier greifen. Wie reagiert darauf der Schreibgeräte-Hersteller Caran d’Ache, der dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert?

Ein Bleistift mit Metallgehäuse auf dunklem Untergrund.

Bildlegende: Man erkennt sie auf den ersten Blick: die Schreibgeräte von Caran d'Ache. Keystone

80 Stifte, fein säuberlich aufgereiht wie ein Regenbogen. Die bunten Farbstift-Schachteln sind vielen aus der Kindheit in bester Erinnerung. Hergestellt hat sie mit grosser Wahrscheinlichkeit das Genfer Unternehmen Caran d’Ache. Auch Bleistifte, Kugelschreiber, Filzstifte und Federhalter produziert die Firma – und das seit mittlerweile 100 Jahren.

Verdrängt die Digitalisierung Stift und Papier?

Farbstifte von Caran d'Ache

Bildlegende: Seit 1931 in vielen Kinderzimmern: Farbstifte von Caran d'Ache. Keystone

1915 wurde in Genf der Grundstein des Unternehmens gelegt. Heute ist es im Genfer Vorort Thônex an der französischen Grenze beheimatet und zählt 280 Mitarbeiter. In der vierten Generation ist mit Carole Hübscher erstmals eine Frau an der Spitze von Caran d’Ache. Auch unter ihrer Leitung produziert das Unternehmen ausschliesslich in der Schweiz – und behauptet sich bisher mit Erfolg auf dem Markt.

Dass dies so bleibt, ist nicht garantiert. Denn mit der zunehmenden Digitalisierung wird immer weniger von Hand geschrieben. Carole Hübscher zeigt sich von dieser Entwicklung unbeeindruckt: «Ich bin absolut überzeugt, dass die Handschrift bleiben wird.» Das zeige sich auch an den steigenden Verkaufszahlen.

Traditionelle Schreibware bleibt Kerngeschäft

Gründe dafür sieht Carole Hübscher verschiedene. Von Hand zu schreiben sei etwas anderes, als auf einem Computer oder einem Handy eine Nachricht zu tippen. «Man muss sich Zeit nehmen, um jemandem eine Nachricht von Hand zu schreiben. Das ist viel persönlicher als eine SMS.»

Gegen das Argument, von Hand zu schreiben sei ineffizient, wehrt sie sich: «Heute erhält man enorm viele Nachrichten, E-Mails, SMS. Doch was davon ist wirklich relevant? Man verliert viel Zeit, wenn man das alles liest», sagt Hübscher. Beim Schreiben von Hand komme man hingegen schnell zum Punkt.

Qualität wird sich halten

Trotzdem reagiert man bei Caran d’Ache auf die Digitalisierung. So wurde etwa ein Stift entwickelt, der mit einer Spitze auf Papier, mit der anderen auf ein Tablet schreibt. Zum Kassenschlager wird dieser Stift allerdings kaum werden. Das Kerngeschäft bleibt die traditionelle Schreibware.

Carole Hübscher sieht die Zukunft von Caran d'Ache weiterhin im Hochpreissegment und zieht eine Parallele zur Schweizer Uhrenindustrie: «Für Qualität hat es immer einen Platz.»

Caran d'Ache und Karandasch

Vor 100 Jahren wurde die Fabrique de Crayons Ecridor gegründet, 1924 wurde sie aufgekauft und in Caran d’Ache umbenannt. Caran d’Ache ist ein Pseudonym des französischen Künstlers Emmanuel Poiré und kommt vom russischen Wort für Bleistift: Karandasch. Heute ist Caran d’Ache eines der bekanntesten Schweizer Unternehmen.

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