Eine Frau für alle Fälle: die Pfarrhausfrau

Die 80-jährige Elisabeth Boesch hielt 50 Jahre lang den Betrieb von Pfarrhäusern am Laufen: Sie kochte, putzte, organisierte und spendete Trost. Heute ist der Beruf vom Aussterben bedroht. Viele Frauen suchen andere Wege, um ihren Einfluss innerhalb der katholischen Kirche geltend zu machen.

Frau zündet eine Gedenkkerze in der Kirche an.

Bildlegende: Nicht nur Haushälterin: Die Pfarrhausfrau kümmert sich auch um Seelsorge und Organisatorisches. Keystone

Die Innerschweizerin Elisabeth Boesch hat einen Beruf erlernt, der heute kaum mehr ausgeübt wird. Von 1963 bis 2007 arbeitete sie als Pfarrhausfrau in den katholischen Kirchgemeinden St. Joseph in Basel und im aargauischen Wallbach.

Sie machte eine Ausbildung im Bereich Hauswirtschaft in einem von Menzinger Schwestern geführten Tessiner Kurhaus. Im Winter 1963 nahm sie ihre Tätigkeit als Pfarrhausfrau in der katholischen Kirche St. Joseph in Basel auf. Fortan übernahm sie sämtliche Haushaltsarbeiten im Gotteshaus: «Ich habe seinerzeit nicht nur den katholischen Pfarrer unterstützt, gekocht, geputzt, gebügelt und Anlässe organisiert, sondern mich auch um die Sorgen und Ängste der Menschen gekümmert», sagt die heute 80-jährige Pfarrhausfrau.

Prägende Begegnung mit Hermann Hesse

Elisabeth Boesch wuchs in einer Grossfamilie im luzernischen Buttisholz auf. So hat sie früh gelernt tolerant zu sein, und auf ihre Mitmenschen einzugehen. Diese Eigenschaft war als Pfarrhausfrau sehr gefragt.

Eine Begegnung hat sich ihr besonders eingeprägt: «Als ich im Tessin meine hauswirtschaftliche Ausbildung absolvierte, lernte ich den Schriftsteller Hermann Hesse kennen. Seine beeindruckende Ausstrahlung, sowie seine offene Art, sind mir immer in Erinnerung geblieben.»

Eine Pfarrhausfrau solle aufrecht durchs Leben gehen, findet Boesch. Sie solle den Menschen vorbehaltlos gegenüberstehen und sich für diejenigen einsetzen, die um Unterstützung bitten.

Porträtaufnahme

Bildlegende: «Im Herzen bleibt man immer Pfarrhausfrau», sagt die 80-jährige Elisabeth Boesch. Nathalie Zeindler

Der Beruf ist nicht veraltet

«Der Beruf der Pfarrhausfrau setzt eine grosse Flexibilität, Durchhaltevermögen und lange Arbeitszeiten voraus. Nicht selten gilt es, innert kürzester Zeit ein Menü auf den Tisch zu zaubern. Das Geld war knapp, weil die Kirchensteuer damals weitgehend freiwillig war.»

Obwohl sich die heutige Frauengeneration für diesen Beruf inzwischen kaum mehr begeistern kann und die Vereinigung der Pfarrhaushälterinnen kürzlich aufgelöst worden ist, könne der Beruf nicht als veraltet betrachtet werden, so Boesch.

Frauen können Einfluss gewinnen

Sie ist überzeugt, dass die Tätigkeit der Pfarrhausfrau auch im Zeitalter der zunehmenden Emanzipation von Bedeutung ist: «Die Frauen erhalten zunehmend die Möglichkeit, innerhalb der katholischen Kirche eigenständige Aufgaben zu übernehmen – sei dies als Lektorin und Kommunionshelferin oder Seelsorgerin. Wenn die jungen Frauen für ihre Anliegen einstehen und einen gegenseitigen Meinungsaustausch suchen, können sie durchaus an Einfluss gewinnen.»

Elisabeth Boesch spricht sich für eine lebendige Ökumene aus. Die katholische Pfarrei St. Joseph in Basel hat diesbezüglich frühzeitig ein Zeichen gesetzt und Altersnachmittage für Reformierte und Katholiken organisiert.

Ältere Menschen integrieren

Auch gegenüber älteren Menschen würden hin und wieder Vorurteile vorherrschen, stellt die Pfarrhausfrau fest. Sie erinnert sich an jene Zeit, als sie die Mutter von Pfarrer Max Zumsteg bis zu deren Tod pflegte. Elisabeth Boesch hat der betagten Frau trotz Krankheit Aufgaben im Haushalt überlassen. «Wichtig ist, dass man versucht, ältere Menschen in die Gemeinschaft zu integrieren soweit dies noch möglich ist.»

Heute selber 80 Jahre alt, hält sich Elisabeth Boesch nach wie vor an diesen Grundsatz der Nächstenliebe. Noch immer greift sie dem inzwischen 96-jährigen Pfarrer unter die Arme: «Im Herzen bleibt man immer Pfarrhausfrau.»

«Erfolgreich fromm»

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Blickpunkt Religion
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