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Über den Erziehungsratgeber «Panda Mama» von Esther Wojcicki
Aus Kultur-Aktualität vom 13.09.2019.
abspielen. Laufzeit 05:04 Minuten.
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Erziehen wie eine «Panda Mama» Erfolgreiche Kinder durch gelassene Eltern?

Die US-amerikanische Pädagogin Esther Wojcicki schreibt: Eltern, entspannt euch und nehmt euch zurück.

Wenn diese Frau einen Erziehungsratgeber schreibt, muss sie sich um Glaubwürdigkeit wenig bemühen. Der Grund: Die US-amerikanische Pädagogin Esther Wojcicki ist wegen ihres unkonventionellen pädagogischen Erziehungsstils in den USA eine Berühmtheit.

Zudem zog sie drei Töchter gross, die sehr klug und sehr erfolgreich sind. Zwei von ihnen gehören zu den erfolgreichsten Unternehmerinnen im Silicon Valley: Susan (50) ist Youtube-Chefin, Anne (44) ist CEO einer Biotechnologiefirma und Janet (48) ist Medizin-Professorin.

Drei Frauen im Abendkleid auf dem roten Teppich.
Legende: Die Töchter von Esther Wojcicki: Anne (CEO von 23andMe), Janet (Ärztin) und Susan (CEO von Youtube). Getty Images / Taylor Hill

«How to Raise Successful People» heisst der neue Ratgeber ihrer Mutter. Eine Anleitung zum steilen Aufstieg in der Tech-Branche ist er aber nicht. Wojcicki geht es nicht um beruflichen Erfolg, sondern um selbstbewusste, glückliche Kinder.

Ein Erziehungs-Trick

Wie man solche erzieht? Tierisch gelassen. «Panda Mama» heisst ihr Ratgeber in der deutschen Übersetzung und fordert von Eltern: Lasst eure Kinder machen und macht euch überflüssig.

Das «TRICK»-Konzept

Esther Wojcicki spricht in ihrem Ratgeber von einem Konzept namens TRICK. Das Akronym steht für Trust (Vertrauen), Respect (Respekt), Independence (Selbständigkeit), Collaboration (Zusammenarbeit) und Kindness (Freundlichkeit). Diese fünf Grundwerte sollen dabei helfen, Kinder zu fähigen Menschen zu erziehen.

Kindern nicht im Weg stehen

Ihre zentralen Forderungen: Traut euren Kindern viel zu, lasst sie ausprobieren, Fehler machen und scheitern. Zwingt sie zu nichts, der eigene Antrieb und die Leidenschaft sind wichtiger.

Und Kinder sollten früh mitdiskutieren – sei es in der Familie oder in der Schule. «Im 21. Jahrhundert kommt man mit diktatorischen Vorstellungen nicht mehr weit», schreibt Wojcicki. Und fordert: Fragt eure Kids, findet die Lösung gemeinsam.

Mehr Ermutigung, weniger Erwartungsdruck: Was Wojcicki rät, ist weder innovativ noch revolutionär. Sie erklärt aber, wie man Kindern nicht im Weg steht. Darin liegt die Stärke ihres Ratgebers: Er stellt keine neuen Gebote auf, sondern revidiert häufige Erziehungsfehler. Ihr Ziel: «verkopfte» Erziehung wieder intuitiv machen.

So nimmt Wojcicki in «Panda Mama» bekannte Erziehungskonzepte auseinander, kritisiert diese und macht Vorschläge, wie man es besser machen kann.

Eine ältere Frau im Anzug.
Legende: «The Woj-Way» – so nennen ihre Schülerinnen und Schüler den Erziehungsstil von Esther Wojcicki. imago images / UPI Photo

«Helikopter-Eltern» etwa, die ihre Kinder kaum aus den Augen lassen, rät sie zu mehr Vertrauen. Ihren eigenen Kindern traute Wojcicki eine Menge zu. Die Töchter liess sie etwa mit acht Jahren die Lebensmitteleinkäufe für die ganze Familie koordinieren.

Wojcickis Credo: Kinder wollen involviert und gefordert werden. Ausserdem stärke es ihr Selbstbewusstsein, wenn sie merken, dass ihnen jemand vertraut. Wenn etwas schiefläuft, lernten sie mit Niederlagen umzugehen.

Grosses Ego, geringes Selbstwertgefühl

Schliesslich kritisiert Wojcicki unsere Fixierung auf individuellen Erfolg. Damit zögen wir «unabsichtlich narzisstische Kinder gross.» Eltern müssten ihren Kindern heute mehr denn je beibringen, sich für die Gemeinschaft zu engagieren.

«Man ist am glücklichsten, wenn man etwas tut, um anderen zu helfen.» Was wie ein flacher Kalenderspruch klingt, scheint in Wojcickis Buch die richtige Medizin für Kinder, die durch überfürsorgliche Eltern und Social Media zu Aufmerksamkeits-Junkies geworden sind.

Buchhinweis

Esther Wojcicki: «Panda Mama: Wie man glückliche und selbstbewusste Kinder grosszieht», 2019, Ullstein Verlag.

Esther Wojcickis Ratgeber überzeugt durch seine Unaufdringlichkeit und nüchterne Analyse. Ihre entschlackte Sprache will weder unnötig empören noch Angst machen.

So gelingt der Autorin mit «Panda Mama», was viele Erziehungsratgeber verfehlen: Er stresst Eltern nicht, sondern beruhigt sie. Indem er an Grundsätzliches erinnert und sie – ebenso wie ihre Kinder – mutiger machen will.

Schon gehört? Unser Eltern-Podcast «Pipifax»

Wie soll man das bloss alles organisieren? Im Podcast «Pipifax – Härzig from Hell» diskutieren wir die wichtigsten Fragen, die frische Eltern beschäftigen.

11 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Schmid  (Phares)
    Erinnern Sie sich an Ihre Kindheit zurück und vor allem an die schönen Dinge. Danach lassen Sie Kinder einfach Kinder sein und seien Sie da um den Kindern Unterstützung zu bieten falls sie mal Fehler machen und Hilfe brauchen. Vorbild sein und vor allem da sein für die Kinder scheint mir wichtig zu sein.
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  • Kommentar von Rochus Schmid  (Rochus Schmid)
    Unsere Kinder hatten keine Einschränkungen beim Ausgang: sie kamen zu vernünftigen Zeiten nach Hause und wenn sie mal etwas problematisches erlebten konnten sie es mit uns besprechen weil sie nichts "verbotenes" vertuschen mussten. Ich gab ihnen für schlechte Noten etwas Geld (2 bis 3 Franken). So konnten sie entspannt die Prüfungen machen, was wichtig für Lernerfolg ist. Wenn sie in der Pubertät etwas frech wurden, war das auch in Ordnung, denn das Ablösen wird so vereinfacht (und war kurz).
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  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Ich hatte das Pech das erste von mehreren Kindern zu sein. Ich war das Versuchskaninchen. Um so später ein Geschwister kam um so weniger schreng waren meine Eltern. Ich musste min Taschengeld mit Hausarbeiten verdienen, machte ich übrigns gerne, während meine Geschwister es schon gratis bekamen. Wenn man schaut wer heute das Selbständigste ihrer Kinder ist, bin ich es. Schrenge braucht es, aber mit Mass. Entspannt euch und nehmt Euch zurück klingt für mich zu fest nach nichts tun.
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    1. Antwort von Jaro Bels  (Gotod)
      Eben, einer der grössten Fehler ist z.B. das Taschengeld gratis abzugeben. Unsere Jungs haben Hausarbeiten abgelehnt und somit auch Taschengeld. Dann haben sie sich das Geld nach eigener Überlegung „extern“ verdient (Zeitungen verteilt,...) . Später hat es aber auch dazu geführt, dass sie sich für das Studium auf Uni entschieden haben und das Geld dafür stolz selber verdient. Hut ab vor unseren Kindern.
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