Es war Mord: Neue Erkenntnisse im Fall Ötzi

Ötzi wurde heimtückisch ermordet, nachdem er ein paar Tage zuvor noch in ein Handgemenge verwickelt war: Diese Theorie stellten Kriminalbeamte der Münchner Polizei an einem Ötzi-Kongress in Bozen vor – genau 25 Jahre nach der Entdeckung der berühmten Eismumie aus der Steinzeit.

Eine mumifizierte Leiche, berühmt geworden als Ötzi.

Bildlegende: Starb keines natürlichen Todes: Münchner Kriminologen versuchen, den Tathergang zu erhellen. Keystone

Auch 25 Jahre nach seiner Entdeckung bleibt Ötzi ein spannender Kriminalfall. Nicht nur Forschende, sondern auch Kriminalbeamte des Münchner Polizeipräsidiums beschäftigen sich daher heute mit der 5300 Jahre alten Gletschermumie.

An einem internationalen Forschungs-Kongress in Bozen präsentierte Hauptkommissar Alexander Horn mit seinen Ermittlern das Ergebnis neuer Analysen zum Tod von Ötzi: Der steinzeitliche Wandersmann ist demnach heimtückisch ermordet worden, durchbohrt von einem Pfeil, der aus grösserer Entfernung von hinten abgegeben wurde.

Der durchbohrte Ötzi stürzte und wurde von seinem Widersacher nicht weiter attackiert. Er ist dann an seiner Verletzung verblutet und im kalten Hochgebirge wohl auch erfroren, wie neue medizinische Befunde unter anderem von Forschern der Universität Zürich nahelegen.

Ging der Ermordung ein Handgemenge voraus?

Weiteres zum Tathergang: Noch kurz vor seinem Tod hat Ötzi seinem Mageninhalt zufolge gemütlich eine grosse Mahlzeit vertilgt aus viel fetthaltigem Fleisch. Er hat seinen Mörder also kaum erwartet. Doch hatte er ein paar Tage vor seinem Tod womöglich Streit mit ihm.

Auf eine solche gewalttätige Auseinandersetzung lässt jedenfalls eine Abwehrverletzung an Ötzis rechter Hand schliessen. Und weil Ötzi aus diesem Handgemenge keine weiteren Verletzungen davontrug, schlussfolgern die Münchner Kriminologen, dass er als Sieger daraus hervorging.

Als Mordmotiv denkbar sei ein persönlicher Konflikt, der in der vorangegangenen Auseinandersetzung zutage getreten war – «ein Verhaltensmuster, wie es auch heute noch bei der grossen Masse der Tötungsdelikte vorkommt», so Alexander Horn.

Eine steinzetiliche Axt auf einem gelben Tuch

Bildlegende: Blieb am Tatort zurück: Ötzis kostbares Kupferbeil. Getty Images

Das Beil aus der Toskana

Raubmord schliessen die Kriminalbeamten bei ihren Arbeiten in Zusammenarbeit mit Forschenden und dem Südtiroler Archäologiemuseum explizit aus.

Gegen diese These Raubmord spricht, dass bei der Entdeckung des Eismannes vor 25 Jahren an der Fundstelle sein Kupferbeil gefunden wurde.

Dieses Beil war in der Jungsteinzeit von hohem Wert und auch etwas Besonderes, wie allerneuste Forschungen zeigen: Das Kupfer stammt nämlich nicht wie bisher angenommen aus dem Alpenraum, sondern aus der für Steinzeitverhältnisse weit entfernten Südtoskana, wie eine Forschungsgruppe der Universität Padua mit Hilfe von Isotopenanalysen herausgefunden hat.

Diese Studie sollen durch weitere Untersuchungen noch erhärtet werden. Doch schon jetzt liefere die neue Erkenntnis der Forschung interessante Denkanstösse, sagte Albert Zink, der wissenschaftliche Leiter des Ötzi-Jubiläumskongresses in Bozen, mit Fragen wie «War Ötzi vielleicht als Händler bis nach Florenz gekommen?» oder «Wie sahen zu seiner Zeit die Handelsverbindungen und ganz allgemein die Kontakte mit dem Süden aus?»

Das Interesse an der seit 25 Jahren bekannten Eismumie dürfte also nicht so bald nachlassen.