100 Jahre Marienerscheinung «Fátima, Fussball, Fado» – Portugiesen ehren ihre Heilige

Mit Gottesdiensten und Prozessionen feiern die Portugiesen in der Schweiz 100 Jahre Fátima. Hirtenkinder sollen damals von Maria drei Visionen erfahren haben – eine davon warnte vor Russland.

Eine Pilgerin in Fatima betet vor dem Besuch des Papstes.

Bildlegende: Portugiesische Gläubige ehren am 13. Mai «ihre» Maria – wie diese Pilgerin in Fátima. Keystone

  • Vor 100 Jahren soll in der portugiesischen Stadt Fátima die heilige Maria erschienen sein.
  • Portugiesen weltweit ehren heute «ihre» Maria mit Prozessionen und Gottesdiensten – auch in der Schweiz.
  • Sie feiern auch, dass Papst Franziskus zwei der Hirtenkinder heiligspricht, die Zeuge der ersten Marienerscheinung wurden.

Die Wunder von Fátima

2:05 min, aus 100 Sekunden Wissen vom 12.05.2017

«Fátima, Fussball, Fado – das ist die Essenz der portugiesischen Identität», sagt José Carlos Vilas Boas. Der Portugiese ist Seelsorger für die römisch-katholischen Portugiesen im französischsprachigen Teil des Wallis.

An neun Orten betreut er seine Schäfchen, ist daher viel im Auto unterwegs. Vilas Boas hat sichtlich Freude bei seiner Arbeit. Manchmal gebe es richtige Highlights, die seine Arbeit versüssten, erzählt er.

Rosenkranz und Prozessionen

Dazu gehört zum Beispiel die Heiligsprechung der Hirtenkinder von Fátima. Voller Stolz verfolgen die Portugiesen im Wallis den Besuch von Papst Franziskus in Portugal an diesem Wochenende. Der Papst spricht zwei Hirtenkinder von Fátima heilig. Vor 100 Jahren soll ihnen die heilige Maria erschienen sein (siehe Textbox).

Der 13. Mai ist ein Pflichttermin für die Portugiesen – auch in der Schweiz. An vielen Orten finden Prozessionen zu Ehren Marias statt. Das bedeutet Rosenkranz beten, Lieder singen – und die Marienerscheinung darstellen. Kinder und Jugendliche in Sion verkleiden sich als Hirten und Engel, um dem Wunder von 1917 zu gedenken.

«Maria hat geholfen»

Sandrina Silvestre hat dieses Wochenende ihren grossen Auftritt. Die 14-Jährige personifiziert die Maria von Fátima. «Das ist etwas ganz Besonderes. Meine Eltern haben zu mir gesagt, die Maria von Fátima ist immer für mich da und bei Problemen kann ich immer zu ihr beten.»

Die meisten der gläubigen Portugiesen in Sion haben eine besondere Fátima-Erfahrung gemacht. So auch Susanne Mendes. Sie leitet die Jugendgruppe in Sion. «Ich wollte Mutter werden, hatte aber drei Fehlgeburten. Ich habe fest zur Maria von Fátima gebetet, sie hat mir geholfen», berichtet Mendes. Nach vielen Gebeten habe sie dann im Marienmonat Mai eine Tochter zur Welt gebracht.

Fatima steht für eine bessere Welt

Die Hirtenkinder Francisco und Jacinta starben schon kurze Zeit nach der Marienerscheinung. Das dritte Kind Lucia indes lebte bis 2005 und wurde eine bekannte Ordensschwester. Sie war es, die die drei Visionen von Fátima aufschrieb.

Die drei Visionen von Fátima

Lucia, eines der Hirtenkinder, hat die drei Visionen von Fátima aufgeschrieben.
In der ersten Vision ist von einem «Feuermeer» und von Teufel, Schmerzen und Verzweiflungsschreien die Rede. Die Gräuel stehen als Prophezeiung, was der Menschheit blüht, wenn sie ihr Verhalten nicht ändert.

Die zweite Vision sagt ein Ende des Ersten Weltkrieges voraus, warnt aber vor einem Zweiten Weltkrieg – und vor Russland. Viele haben dies als Prophezeiung des Ost-West-Konflikts gedeutet; in der Sowjetunion wurde die Kirche ja massiv unterdrückt. Maria soll auch den Fall des Eisernen Vorhangs vorhergesagt haben. Deswegen gibt es am Wallfahrtsort Fátima auch ein Stück Berliner Mauer.
Die dritte Vision handelt von einem Mord an einem Bischof. Johannes Paul II. deutete dies als Prophezeiung des Attentatsversuchs auf ihn: Just am 13. Mai 1981, am Jahrestag der Marienerscheinung von Fátima, wurde er angeschossen. Maria von Fátima soll die tödliche Schussbahn umgelenkt haben. In Fátima befindet sich heute auch das Projektil, das Johannes Paul II. getroffen hatte.

Ausser portugiesischen Migranten sorgt das Fátima-Weltapostolat dafür, die Botschaft von Fátima in der Schweiz bekannt zu machen. Den Vorsitzenden für die Deutsch-Schweiz, Georges Inglin, fasziniert die Botschaft von Fátima: «Es ist ein Aufruf zur Umkehr, zur Sühne, zur Busse. Wenn wir ihm folgen und uns ändern, leben wir in einer besseren Welt», ist Inglin überzeugt.

Pilger warten in Fatima auf den Besuch des Papstes.

Bildlegende: Pilger warten in Fatima auf den Besuch des Papstes. Imago Stock

Lucia wird selig gesprochen

Papst Franziskus hat heute Samstag in Fátima die Hirtenkinder Jacinta und Francisco heilig gesprochen. Der Wallfahrtsort Fatima wird dadurch insgesamt aufgewertet.

Lucia indes wird noch nicht so schnell im Heiligenregister der römisch-katholischen Kirche stehen: Da sie erst 2005 gestorben ist, muss sie erst selig gesprochen werden.

Das Verfahren hierzu ist abgeschlossen. Mit Spannung verfolgen auch die Portugiesen in der Schweiz, wann Papst Franziskus die bekannteste Zeugin von Fátima selig spricht.

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Die Erscheinung

Die Erscheinung

Der Überlieferung nach hüteten die Kinder Lucia, Francisco und Jacinta am 13. Mai 1917 Schafe in Fatima, als sie Maria zu Busse, Sühne und Umkehr aufrief. Bis Oktober 1917 soll Maria dann jeweils am 13. eines Monats in der Stadt erschienen sein – zuletzt im Rahmen eines Naturspek-takels, bei dem sie Regen in gleissendes Sonnenlicht verwandelte.

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