Flexibel und neugierig - so werden wir steinalt

Immer mehr Menschen werden 100 Jahre alt. Wie wirkt sich dies auf unser Leben aus? Der Science-Fiction-Autor Marcus Hammerschmitt hat sich damit beschäftigt und zukünftige Lebensbiografien entworfen. Er kommt zum Schluss: Nur wer neugierig ist, wird die lange Lebenszeit auch nutzen können.

Rückansicht eines Rentnertpaares an einer Meeresküste, mit Blick zum Horizont.

Bildlegende: Ferienfotos mit dem Handy knipsen: Auch im Alter muss man sich mit technologischen Veränderungen auseinandersetzen. Reuters

Mit 25 die Erstausbildung abschliessen und bis Mitte 30 arbeiten. Das Pensum reduzieren, solange die Kinder noch klein sind, dann wieder voll einsteigen, um mit Anfang 50, während einer Auszeit, eine Umschulung zu planen. Ab 55 eine zweite Karriere starten und mit 70 mit einer freiwilligen Tätigkeit nochmal seine Fähigkeiten einbringen: So wird man 80 und ist immer noch voll dabei. Ab da darf man nochmal mit 20 Lebensjahren rechnen, die man sinnvoll verbringen kann.

Den Sinn des Lebens nicht nur in der Arbeit suchen

Das ist viel Zeit: Wir müssen uns die Frage stellen, was wir damit anfangen wollen. Wer heute mit 65 in Pension geht, hat noch 20 oder gar 30 Jahre vor sich. Eine zu lange Zeit für den Menschen, um sie bloss mit Hobbys oder in Stammtischrunden zu verbringen, meint der Science-Fiction Autor Marcus Hammerschmitt.

Ein gutes Alter beginnt schon viel früher. Wir tun also gut daran, so Hammerschmitt, durchs ganze Leben hindurch neben der Arbeit auch andere Bereiche zu pflegen, die uns mit Sinn erfüllen.

Immer älter, immer besser

In den Industriestaaten hat sich die Lebensdauer im 20. Jahrhundert fast verdoppelt. Ein Mädchen, das 1870 zur Welt kam, hatte im Durchschnitt 38 Lebensjahre vor sich. Eine 1950 in der Schweiz geborene Frau kann heute mit 83 Jahren rechnen, ihre Enkelinnen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit 100. Hinzu kommt: noch nie in der Geschichte der Menschheit waren die Aussichten so gut, all diese Jahre gesund zu verbringen. Höchste Zeit also, die Vorurteile über das Alter zu prüfen und die zusätzlichen Lebensjahre aktiv anzugehen.

Wenn die Ruhe im Alter ausbleibt

Wenn nun also unser Leben so viel länger dauert als noch vor ein paar Jahrzehnten und wir bis 70 in der Arbeitswelt mittun – wann dürfen wir uns denn zur Ruhe setzen? Eigentlich gar nicht, meint Marcus Hammerschmitt. Selbst wenn wir nicht mehr erwerbstätig sind, werden wir auch im Ruhestand gezwungen sein, uns mit den rasanten technologischen Veränderungen und den damit einhergehenden gesellschaftlichen Umwälzungen auseinanderzusetzen. Flexibel, neugierig und hellwach müssten wir sein, meint Hammerschmitt, nur so werde ein langes Leben gut.

Das Phänomen des langen Lebens stellt an uns als Einzelne und als Gesellschaft komplett neue Herausforderungen. Die Lebensplanung muss neu gedacht und das Bild des Alters revidiert werden. Wir müssen anpassungs - und lernfähig bleiben.

Tu was Du willst, aber tu's!

Das rät Hammerschmitt allen, die damit rechnen können – oder müssen – 100 Jahre alt zu werden. Wir werden etwas brauchen, das uns interessiert, das uns wach und lebendig hält. Nur so sind wir genügend gerüstet, die grossen technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen mitzumachen und gut zu altern.

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