Frauen in der Kirche: Werden die Gender-Uhren zurückgedreht?

Verweigerung der Gleichstellung, Abschaffung des Frauenpfarramts, Diskriminierung an der theologischen Fakultät: Weshalb es Frauen in bestimmten Kirchen nach wie vor schwer haben.

Kleine Madonna-Figuren, daneben Schweizergardisten.

Bildlegende: Die Stellung der Frau hat sich in der Kirche gebessert. In der Führungsetage bleibt sie aber eine Männerdomäne. Getty Images

Auf den ersten Blick scheint in den evangelischen Kirchen für Frauen alles möglich und in Ordnung zu sein. Doch der Schein trügt. In einigen Freikirchen und bei bestimmten Lutheranern gibt es Totalverweigerer der Gleichstellung.

Polens Lutheraner etwa entschieden sich im April gegen eine Ordination von Pfarrerinnen und die evangelisch-lutherische Kirche Lettlands schaffte das Frauenpfarramt wieder ab.

Proteste westlicher Lutheraner und selbst ihre Drohung, der lettischen Kleinkirche den Geldhahn zuzudrehen, nutzten nichts. In osteuropäischen Ländern sind Theologinnen besonders unter Druck. Von den Männern wird behauptet, dass man im orthodoxen Umfeld nicht mit einer Frau im Talar auftreten könne.

Rückschrittlicher Protestantismus

Für evangelisch-reformierte Kirchen, die zum Reformierten Weltbund gehören wollen, ist die Frauenordination ein «status confessionis», also etwas, das fest zu ihrer christlichen Identität gehört.

Das «Priestertum aller Gläubigen» – und damit auch der Frauen – ist die Basis des reformierten Kirchenverständnisses.

So erntete ein Schweizer Kirchenfunktionär letztes Jahr Schmäh und Schande, als er öffentlich eine «Feminisierung der Kirche» beklagte, weil es mittlerweile so viele Frauen auf der Kanzel gebe. Dabei sind Pfarrerinnen hier nicht mal in der Mehrheit. Und auch auf den kirchlichen Führungsetagen bleibt die Luft dünn für Frauen.

Soziologinnen nennen das «marginalisierte Integration»: Frauen haben zwar theoretisch alle Rechte, landen dann aber doch nicht ganz oben. Sie erleben den Karriereknick beim Kinderkriegen und müssen schlechtere Anstellungsbedingungen in Teilzeit hinnehmen, damit sie Familie und Beruf in einklang bringen können. Dieses Thema beschäftigt junge Theologinnen zurzeit sehr, seien sie katholisch oder reformiert.

Wie kann ich Familie und Kirche unter einen Hut bringen?

Die römisch-katholische Theologin Livia Wey-Meier hat Glück: Sie kanneine Auszeit für die Familie einlegen, ohne fürchten zu müssen, danach keine attraktive Anstellung mehr zu finden.

Das sei ein Privileg, meint Wey-Meier, und ihre Kirche sei damit eine vorbildliche Arbeitgeberin. Allerdings könne sich das in Zeiten immer knapperer Finanzen auch rasch wieder ändern. Hier hofft die Mutter, dass ihre Kirche auch weiterhin tut, was sie an Familienfreundlichkeit predigt.

Eine «niedere Weihe» für die Frau?

Papst Franziskus macht den Frauen in seiner Kirche neue Hoffnung. Er hat eine Kommission ins Leben gerufen, die prüfen soll, ob eine Diakonatsweihe für die Frau möglich ist. Dass dies kirchenhistorisch, theologisch und auch ökumenisch möglich ist, ist aber schon lange klar.

Erstmals wurde diesen Sommer nun auch Maria von Magdala in einem kirchlichen Fest gewürdigt, das es in dieser Form bisher nur für männliche Apostel gab. Maria von Magdala, die Jüngerin Jesu, wurde damit von Rom endlich als Apostelin anerkannt. Damit entfällt das Argument gegen die Weihe von Frauen, Jesus hätte nur Männer zum Amt berufen.

Trotzdem bleiben viele Schweizer Katholikinnen skeptisch. Die Weihe streben viele von ihnen nicht mehr an. Die meisten kritisieren das Amtsverständnis der römisch-katholischen Kirche grundsätzlich.

Dazu gehört auch der Pflichtzölibat für Männer. Denn mit dem Ausschluss vom Priesteramt sind Frauen nicht alleine: Sie sitzen im selben Boot mit sogenannten «Laientheologen», die Familienväter sind und sein wollen.

Die feministische Kampfzeit scheint vorbei

Unter den jüngeren Theologinnen findet feministische Theologie weniger Anklang als noch in den 1980er- und 1990er-Jahren. Zu den Unentwegten, die gerade eine neue Generation bei der feministisch-theologischen Zeitschrift FAMA eingeläutet haben, gehört Moni Egger.

Sie finde Nischen in Theologie und Kirche, in denen sie sich entfalten könne. Auf die grosse Revolution von oben habe sie aufgehört zu warten. Religiöse Wärme findet sie in der Frauenkirche Zentralschweiz.

Frauen wollen lehren

An den Universitäten liegen die katholischen Theologinnen immerhin leicht vorn. Bei den Reformierten führten einige Nicht-Berufungen von Schweizerinnen zu Protesten, besonders vergangenes Jahr in Basel.

Hier glaubte «mann», ohne Frauen im Professorenkreis auskommen zu können. Schliesslich wuchs der mediale, politische und inner-universitäre Druck, und die Universität Basel bekam ihre Theologieprofessorin.

Die ganze Affäre liess jedoch bei vielen die Alarmglocken läuten: Warum werden Frauen nicht berufen? Denn das ist ganz offensichtlich ein Bedürfnis der Frauen in der Kirche: lehren.

Sendung zu diesem Artikel