Frisch geerntet – und bereits auf dem Müll

Rund ein Drittel der Nahrungsmittel gehen weltweit nach der Ernte verloren – das wäre genug, um alle Hungernden zu ernähren. Dies ist seit langem bekannt. Aber es fehlen Anreize, finanzielle und technische Unterstützung, um die Ernten zu erhalten. Das Problem in Zahlen und Fakten.

    • 1.
      800 Millionen Menschen hungern
      Eine Frau hält ein Kind.

      Bildlegende: Wer als Kind hungern muss, spürt die Folgen lebenslang. Getty Images

      Weltweit hungern gemäss Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO 800 Millionen Menschen. Vor allem Kinder leiden unter Hunger, mit der Folge, dass sie sich geistig und körperlich langsamer entwickeln als andere Kinder. Sie leiden ihr Leben lang an den Folgen – und weniger leistungsfähige Menschen sind schlecht für Gesellschaft und Wirtschaft. Gerade in Ländern, in denen vieles im Argen liegt, wären gesunde, unternehmungsfreudige Menschen nötig.

    • 2.
      Ein Drittel (oder mehr) Nahrung geht verloren
      Geschlachtete Tiere.

      Bildlegende: Vergeudetes Gut: 20 Prozent des Fleischs landet weltweit im Müll. Getty Images

      Während Millionen hungern, gehen Mengen an Nahrungsmittel verloren. 40 Prozent der Wurzel- und Knollenfrüchte, schätzt die FAO, 40 Prozent an Obst und Gemüse, 35 Prozent der Fischprodukte, 30 Prozent des Getreides, 20 Prozent der Ölsaaten und der Fleisch- und Milchprodukte. Gemäss einer Studie der «Alliance pour une Révolution verte en Afrique» gehen gar bis zu 70 Prozent der Maisernte in Afrika verloren, wegen schlechter Lagerung und falscher Ernteverfahren.

    • 3.
      1,3 Millarden Tonnen Nahrung landen im Müll
      Ein Müllhaufen. Obdachlose sammeln Müll.

      Bildlegende: Verzehrbarer «Müll»: Weltweit wird viel weggeworfen, was man eigentlich noch essen kann. Getty Images

      Zu den 1,3 Milliarden werden auch die Lebensmittel gezählt, die in entwickelten Ländern weggeworfen werden; weil zu viel eingekauft wurde, zu viel gekocht, oder weil die Haltbarkeitsdauer überschritten ist. Viel verrottet auch in weniger entwickelten Ländern, weil Mais unzulänglich gelagert wird, weil Bauern Mangos von den Bäumen schütteln, statt sie sorgsam zu ernten, weil mit Kartoffeln beladene Lastwagen tagelang an der Sonne stehen – wegen Pannen oder administrativer Hürden.

    • 4.
      4,4 Mio. Tonnen Kohlendioxid durch Verrottung
      Ein Mann erntet Reis.

      Bildlegende: Oft wird nicht aller Reis geerntet. Der verrottende Reis produziert Kohlendioxid. Keystone

      Verrottende, verfaulende, vergärende Nahrungsmittel – wie Reis, Mais oder Süsskartoffeln – sind verantwortlich für 4,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich. Das entspricht acht Prozent der von Menschen verursachten Emissionen. So genannte Nach-Ernteverluste belasten also auch das Klima.

    • 5.
      700 Euro für eine Trockenmaschine
      Ein Mann hält einen Maiskolben.

      Bildlegende: Eine Trockenmaschine könnte Bauern in Kenia helfen, um Nachernteverluste zu vermeiden. Getty Images

      Etwa 700 Euro kostet in Kenia eine einfache, mobile Maschine zum Trocknen von Mais. Sie kann auf zwei Motorrädern von Dorf zu Dorf gefahren werden, und sie verhindert, dass sich auf dem Mais giftige Pilze bilden. 700 Euro, das ist nicht viel Geld, wenn die Maschine von einer Kooperative, von mehreren Dörfern gemeinsam gekauft wird. Überhaupt sind Massnahmen, um Nachernteverluste zu vermeiden, nicht teuer. Es genügt, wenn Bäuerinnen und Bauern achtsamer sind, bessere Säcke zum Transport verwenden und auf sorgsame Lagerung und Transport achten.

    • 6.
      Zehn Kilogramm mehr zum Verkauf
      Ein Mann trägt einen Sack mit Mais.

      Bildlegende: Zehn Kilo mehr wiegt ein Sack Mais, wenn er nicht richtig getrocknet wurde. Getty Images

      Wer geernteten Mais unzulänglich trocknet, erzielt bei einem 90 Kilogramm schweren Sack ein Mehrgewicht von etwa zehn Kilogramm, wie der Agronom Jan Helsen von der FAO in Nairobi gegenüber der NZZ erklärte. Der Markt setzt falsche Anreize und spornt die Bäuerinnen und Bauern dazu an, zu wenig getrockneten Mais zu verkaufen. Das gilt auch für andere Produkte, bei denen nur auf das Gewicht, nicht aber auf die Qualität geachtet wird. Ein anderes Anreiz-System ist notwendig.

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