Fünf Gründe, wieso wir Argentinien trotzdem lieben

Die Niederlage der Schweiz an der Fussball-WM gegen die Gauchos wird noch lange schmerzen. Verständlich, dass wir schon besser auf Argentinien zu sprechen waren. Zeit für etwas Völkerverständigung: Fünf Empfehlungen aus der SRF-Kulturredaktion, mit denen die Versöhnung leichter fällt.

Ein argentinischer Fussballer formt mit den Fingern ein Herz, die Augen hat er weit aufgerissen.

Bildlegende: Dieser Mann stürzte uns ins Elend: Ángel di María nach seinem späten Tor gegen die Schweiz. Keystone

    • Ausschnitt aus «La muerte del ángel» (1985)

      Astor Piazzolla, Erneuerer des Tango

      Ángel di María heisst der Mann, der die Schweiz ins Elend geschossen hat gestern Abend in der 118. Minute. Und welcher Schweizer hätte ihm da nicht einen Sturz gewünscht vor dem Abdrücken? Böseres natürlich nicht, auch wenn es dies in der argentinischen Musik «La muerte del ángel», den «Tod des Engels», durchaus gibt: Astor Piazzolla hat das Stück geschrieben, der grosse Erneuerer des Tango in den 1950er-Jahren. Der Mann, der uns alleine tausend Gründe gibt, Argentinien zu lieben, bei der heiligen Maria, noch immer. CD-Tipp: Astor Piazzolla – «Piazzolla en suite» (Bella Musica Edition). (Jodok Hess)

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    • Rindfleisch und Malbec – Vegetarier und Abstinente sollten Argentinien meiden.

      Bildlegende: Rindfleisch und Malbec – Vegetarier und Abstinente sollten Argentinien meiden. Flickr/vl04

      Fleisch und Wein

      Natürlich ist Argentinien reich an Kunst und Kultur. Doch gewöhnlich reisen Touristen aus einem ganz anderen, sehr guten Grund dorthin: wegen Wein und Essen. Eine klassische Mahlzeit, die man in jedem argentinischen Restaurant aufgetischt bekommt, besteht aus einem Pfund bestem argentinischem Rindfleisch und einem gut gefüllten Glas Malbec. Vegetarier und Abstinente sollten das Land unbedingt meiden – allen anderen dürfte die Versöhnung mit Argentinien allerdings leicht fallen, gerade auch weil Speis und Trank dank der Inflation für Europäer äusserst erschwinglich sind. (Andres Hutter)

    • «In orbit» im K21 Ständehaus in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen.

      Bildlegende: «In orbit» im K21 Ständehaus in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Tomás Saraceno

      Die Kunst von Tomás Saraceno

      Der argentinische Künstler und Architekt Tomás Saraceno hat einen Traum. Für ihn wäre es das Schönste, in Wolkenstädten zu leben. Sich selbst versorgende Raumkapseln, schwebend, inmitten der Atmosphäre. Für seine Vision arbeitet er mit Wissenschaftlern zusammen: Mit der Nasa, aber auch mit Arachnologen (Spinnenforschern). Das Resultat: Wunderschöne Netze, die sich um grosse, oft begehbare Plastikblasen spannen. Meistens schweben die Gebilde über dem Boden – ein erster Schritt zur Schwerelosigkeit. (Emilie Buri)

    • Beissende Satire über Argentinien: «El Viaje» von Fernando Solanas.

      Bildlegende: Beissende Satire über Argentinien: «El Viaje» von Fernando Solanas. Trigon-Film

      Der Film «El viaje» von Fernando Solanas

      1992 war ich 21 Jahre alt – zog grad von zuhause aus und bastelte mir ein ganz neues, eigenes Leben zusammen. In dieser prägenden Zeit sah ich den argentinischen Film «El viaje» («Die Reise») von Fernando Solanas. Der Film ist Roadmovie, Coming-of-Age-Geschichte und beissende Satire über den Staat Argentinien – poetisch und verrückt, verspielt, lustig und traurig zugleich. «El viaje» hat Argentinien auf die Landkarte meiner Sehnsuchtsorte gesetzt. Cineastisch bin ich inzwischen oft dorthin gereist – ich liebe argentinisches Kino. Aber bis heute war ich noch nie in Argentinien. Die Sehnsucht, die «El viaje» ausgelöst hat, ist noch da. (Brigitte Häring)

    • «Vorurteile in einem Wok»: Ariel Magnus.

      Bildlegende: «Vorurteile in einem Wok»: Ariel Magnus. Kiepenhauer & Witsch

      Die Romane von Ariel Magnus

      In seinem witzigen Kultroman «Ein Chinese auf dem Fahrrad» karikiert Ariel Magnus die Chinesen in seiner Heimatstadt Buenos Aires und nimmt auch die Argentinier gehörig auf die Schippe. Im Mittelpunkt steht der junge Argentinier Ramiro, der ins Chinesenviertel von Buenos Aires entführt wird. Dort muss er seinem Geiselnehmer Li helfen, eine mysteriöse Serie von Brandanschlägen zu klären. Gleichzeitig wächst Ramiro immer mehr in die chinesische Kultur hinein, verliebt sich und entdeckt seine asiatische Umgebung. «Ich habe alle unseren gegenseitigen Vorurteile in einen Wok getan und als Sojasauce den Humor beigefügt», kommentiert er treffend seine Geschichte. (Luzia Stettler)