#MarchforScience Für Fakten, gegen Trump: So witzig wehrt sich die Wissenschaft

Diese Plakate machten am Samstag eine vermeintlich parteilose Demonstration zu einem Protestumzug gegen den US-Präsidenten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zehntausende nahmen in weltweit 600 Städten am soganannten «March for Science» teil.
  • Ausgangspunkt war ein globaler Protestaufruf, der insbesondere gegen die zunehmende Einschränkung von Forschung und die wissenschaftskritische Politik von US-Präsident Donald Trump zielt.
  • Die geistreichen Plakate der Protestierenden machen im Netz die Runde.

Wie sieht der richtige Golfschwung aus? Am «March for Science» in den USA zielt der ausgeholte Schläger statt auf einen Golfball, auf eine Mini-Erde. Der Golfspieler: Ein als Donald Trump verkleideter Demonstrant – mit Krönchen auf dem Kopf. Zu viel Macht für einen Mann, der den Klimaschutz abbauen und die US-Umweltbehörde eindampfen will, wird sich der Protestierende gedacht haben.

«Ich kann’s nicht glauben»

Der golfende Trump ist einer von vielen Leuten, die weltweit auf die Strasse gingen, um für die Wissenschaft zu demonstrieren. Am «March for Science» weisen sie darauf hin, wie wichtig wissenschaftliche Erkenntnisse sind.

Und das tun sie gut. Viele Protestplakate machen derzeit die Runde im Netz. Auf ihnen steht etwa: «Ernsthaft? Wir müssen hier die Wissenschaft verteidigen?» Oder: «Ich kann’s nicht glauben, dass ich für die Realität protestiere.»

Noch nie erlebt

Eine Frau hält ein Plakat mit der Aufschrift «Die Wissenschaft hat mein Leben gerettet» und sagt: «Ich hatte Brustkrebs, nahm an einer klinischen Versuchsstudie teil, und deshalb bin ich heute da.»

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«March for Science»: Hunderte demonstrieren in Genf

3:02 min, aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 22.4.2017

Ein Genforscher mit weissem Bart und einem weissen Labormantel läuft am Rande mit. Er ist konsterniert. Er sei noch nie an einen Marsch für die Wissenschaft gegangen, sagt er, weil er es nie für nötig gehalten habe. Jetzt sei das anders. «Es gibt jetzt Leute die von alternativen Fakten reden und nicht mehr auf die Wissenschaft hören. Das kann uns zurück ins Mittelalter führen.»

Das bestätigt eine ältere Dame, auf deren Plakat ein Dinosaurier ist. Neben ihm steht: «Grosses Maul, kleine Hände – Haben wir tatsächlich aufgehört, uns weiterzuentwickeln?»

«Grab them by the data»

Es sollte zwar eine parteilose Demonstration werden, doch so manch geistreiches Plakat macht klar: Viele Menschen protestierten gegen Präsident Donald Trump.

Die Debatte um wissenschaftliche Erkenntnisse wird in den USA schon seit Jahren kontrovers geführt. Die Republikanische Partei zieht den Klimawandel in Zweifel. Und religiöse Kreise kämpfen dagegen, dass die Evolution in den Schulen gelehrt wird. Bis jetzt war aber noch nie ein Präsident im Amt, der sich derart um Fakten schert wie Donald Trump.

Sein Budgetvorschlag sieht grosse Einsparungen bei der Grundlagenforschung, Programmen der Weltraumbehörde NASA und des Klimaschutzes vor. Der Präsident hat einen Mann als Chef der Umweltbehörde ernannt, der wie er nicht glaubt, dass der Klimawandel menschgemacht ist. Und einen zum Energieminister ernannt, der vor kurzem noch ebendiese Behörde abschaffen wollte. Darauf die Antwort einer jungen Demonstrantin: «Grab them by the data.»

Lauter Protest, fatale Folgen?

Diese Entscheidungen von Trump haben weltweit Wissenschaftler auf die Strasse gebracht. Unterstützt wird der Marsch von den grossen US-Wissenschafts-Organisationen.

Er sorgt aber auch für Kritik: Einige Wissenschaftler warnten davor, sich zu stark in die politische Debatte einzumischen: Das würde nur dazu führen, dass Konservative in den USA noch weniger auf sie hörten.

Die Menschen an der Demonstration in San Francisco sind anderer Meinung. Die Situation sei zu ernst, um tatenlos zu bleiben. «Wir können es nicht zulassen, dass Menschen, die nicht an die Wirklichkeit glauben, unsere Regierung kontrollieren. Das wird nie gut gehen», sagt einer von ihnen.

Er setzt seine Hoffnungen auf die Trägheit des Systems. «Wir beklagen uns stets darüber, dass der politische Prozess hier in den USA so langsam ist. Doch das wird unsere Rettung sein.»

Sendung: Radio SRF 1, Echo der Zeit, 23.4.2017, 18.00 Uhr.