Zum Inhalt springen
Inhalt

Gesellschaft & Religion Hans Küng: «Glücklich sterben heisst selbstbestimmt sterben»

Der 86-jährige Schweizer Theologe Hans Küng wollte eigentlich kein Buch mehr herausgeben. Nun ist gleichwohl der Gesprächsband «Glücklich sterben?» erschienen. Darin wünscht sich der Autor «ein Sterben in völligem Einverständnis, in tiefster Zufriedenheit und in innerem Frieden».

Porträt.
Legende: Kann sich vorstellen, in die Schweiz zu kommen, um Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen: Theologe und Autor Hans Küng. Keystone

Die «Ars moriendi», die Kunst des Sterbens, beschäftigt Hans Küng schon seit den 1950er-Jahren. Damals ist sein Bruder Georg qualvoll an einem Gehirntumor gestorben. Im vergangenen Jahrzehnt dann musste der in Tübingen lebende Schweizer Küng miterleben, wie sein Hausnachbar und Freund, der grosse Rhetorik-Professor Walter Jens, dem Tod in schwerer Demenz entgegen dämmerte.

Als sich bei Küng dann nicht nur diverse Altersleiden einstellten, sondern ihn auch die heimtückische Parkinson-Krankheit in immer schwereren Schüben zu quälen begann, stand für ihn fest: Er wird sein Leben nicht künstlich verlängern, sondern die Dienste einer Schweizer Sterbehilfeorganisation in Anspruch nehmen.

Mit sich im Reinen sein

Im Oktober des letzten Jahres erschien der dritte Teil der Küngschen Biografie unter dem Titel: «Erlebte Menschlichkeit». Darin bekannte sich der fromme Katholik eindeutig zum selbstbestimmten Sterben und löste vor allem in Deutschland, wo die entsprechende Gesetzeslage noch sehr rigide ist, heftige Debatten aus. Der Berliner Bundestag wird diesen Herbst über ein neues Sterbehilfegesetz diskutieren.

Hiess im letzten Jahr Küngs Motto noch «Menschenwürdig sterben», so heisst der jetzt erschienene Gesprächsband «Glücklich sterben?». Befragt wurde Hans Küng von der ARD-Talkmasterin Anne Will. Glücklich sterben, so definiert es Küng, heisst nicht ohne Wehmut und Abschiedsschmerz, aber eben zufrieden, mit sich im Reinen, mit innerem Frieden.

«Noch voll Mensch» sterben

Wann dieser Zeitpunkt gekommen ist, lässt Küng offen. Dass er ihn selber bestimmen will, steht hingegen ausser Frage. Wobei er klar betont, dass er niemandem etwas vorschreiben will. Jeder müsse für sich selber wissen, wie er etwa mit einer angehenden Demenz umgehen wolle. Doch er, Hans Küng, habe sich vorgenommen so zu sterben, dass er «noch voll Mensch» sei und nicht reduziert auf ein vegetatives Dasein.

«Werden Sie in die Schweiz gehen zum Sterben?», fragt Anne Will zum Ende ihres in Buchform gefassten Gespräches. «Ja», meint Theologe Küng. Er könne es sich als Schweizer Bürger sehr wohl vorstellen, in seinem Haus am Sempachersee zu sterben.

Aktuelle Debatte in Deutschland und in der Schweiz

«Glücklich sterben?» ist ein kleines, unaufgeregtes Diskussionsbuch. Es kommt in einer Zeit, in der in Deutschland die grosse Debatte über selbstbestimmtes Sterben beginnt und man in der Schweiz über den so genannten Sterbetourismus aus Deutschland diskutiert. Und es ist die Erkenntnis eines grossen Theologen, dass zur Ehrfurcht vor dem Leben auch ein bewusstes und menschenwürdiges Sterben gehört.

Buchhinweis

Hans Küng: «Glücklich sterben.» Mitautorin: Anne Will, Piper, 2014.

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Eric Oberle, Zürich
    Dank dem ehrgeizigen Treiben von Medizin und Pharmazie vermögen wir das Erdenleben um Jahre zu verlängern. Wozu? Mit dem selbst gewählten Tod greifen wir nicht in das Walten der Schöpfung ein, im Gegenteil, wir entgehen den respektlosen Machenschaften einer medizinischen Wissenschaft, die keine Grenzen mehr kennt und sich mit Fleiss und Ehrgeiz mehr und mehr immer gravierender ins Leben einmischt und sich vor nichts scheut. Ich glaube nicht, dass dem Himmel dieses respektlose Eingreifen gefällt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Bettina Hackel, 3097 Liebefeld
    Was mit Walter Jens und mit Anselm Gruen geschah, hat mich schon deprimiert - nicht so sehr deren Diagnose auf Demenz als ihr schnelles Verschwinden "intra muros", als wären sie nach der Diagnose keine kommunikationsfähigen Menschen mehr wenn denn überhaupt noch Menschen. Danke all den Betroffenen die nach dieser Diagnose bereit sind, darüber zu schreiben und zu sprechen, wie es ist, zB mit den Symptomen von Alzheimers gut und zu leben! ZB. Dr. Richard Taylor, PhD! Norm. McNamara, Chr. Bryden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Martin Buchmann, Adliswil
    Wenn man Küngs Argumente auf den Anfang seines Lebens anwenden würde, müsste man zum Schluss kommen, dass er höchst unglücklich zur Welt gekommen sein muss. Oder hat er selber bestimmt, wann, ob und wie er geboren wird? Und was ist mit den Menschen, die nie "klar sind im Kopf"? Die also nicht "selbstbestimmt" Sterben, geschweige denn Leben können? Haben die Küngs Ansicht nach keine Daseinsberechtigung? Mit diesen Überlegungen zeigt sich, wie absurd und gefährlich Küngs Aussagen sind.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Hans Fürer, Au-ZH
      In diesem wichtigsten aller Entscheide eines Lebens sollte Selbstbestimmung selbstverständlich sein, sicherheitshalber auch im voraus schon für den Fall eines Falles! Absolut unerträglich, dass immer noch mir wildfremde Menschen bestimmen wollen, dass ich in dem und dem Fall durchzuhalten habe!!!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen