Wenn Brasilien auf die Schweiz trifft, ist die Mischung perfekt

Das perfekte Land wäre für sie eine Mischung aus Brasilien und der Schweiz: Walter Luiz Alves und Karen Pfister. Der Brasilianer kam vor 25 Jahren in die Schweiz. Heute wohnt er mit seiner Lebenspartnerin Karen Pfister im Kleinbasel. Die beiden über die Schweiz und was sie ihr wünschen würden.

In der Gesprächsreihe «Hier mit dir» kommen Menschen unterschiedlicher Herkunft zu Wort, die in der Schweiz zusammen arbeiten, leben oder sich lieben. Zum Beispiel: Das Liebespaar Walter Luiz Alves und Karen Pfister. Als Einstieg zum Gespräch haben die beiden einen kurzen Fragebogen beantwortet.

Walter Luiz Alves

Wo würden Sie lieber leben?
Am liebsten würde ich in Brasilien leben, denn da ist die Sonne garantiert! Ich war mehrmals in Kroatien. Da hat es mir so gefallen, dass ich jetzt Kroatisch lerne. Dort würde ich also auch gerne wohnen. Ich lebe aber in Basel und bin auch glücklich hier. Ich bin ein offener Mensch, der immer das Beste aus dem Moment macht.

Was möchten Sie sein?
Niemand anders als ich.

Was schätzen Sie an Ihren Schweizer Freunden am meisten?
Ich kenne sehr viele Leute hier und komme gut aus mit ihnen. Aber enge Schweizer Freunde habe ich nicht – ich bin zu unpünktlich, um Schweizer Freunde zu haben. Und vielleicht bin ich auch zu locker, zu laut oder zu humorvoll (lacht)... Aber was heisst überhaupt «Schweizer»?! Mein bis jetzt bester Schweizer Freund war ein Bolivianer, der Schweizer geworden ist.

Worum beneidet man Sie?
Ich reise viel und habe wirklich immer gute Laune – ich glaube, es gibt Leute, die das stört.

Wie bereichern Menschen aus anderen Kulturen Ihr Leben?
Ich arbeite mit Leuten aus vielen verschiedenen Kulturen zusammen. Ich bin sehr interessiert, wie sie Leben und was sie denken, fühlen und so weiter. Ich bin ein offener Mensch und will viel lernen und kennenlernen, von Kleinigkeiten wie Essen, Bräuchen bis zu Sprache und Kultur.

Was wäre ohne Menschen aus anderen Kulturen in Ihrem Leben anders?
Stellen Sie sich vor, es würden nur «echte» Schweizer in der Schweiz leben. Wäre das nicht ein bisschen langweilig? Ein Gemisch von Kulturen ist für jedes Land ein Glück und eine Bereicherung.

Karen Pfister

Wo würden Sie lieber leben?
Ich kann an verschiedenen Orten auf der Welt leben. Das habe ich auch schon ausprobiert. Im Moment bin ich aber hier und geniesse das, was es für mich hier zu geniessen gibt.

Was möchten Sie sein?
Eigentlich möchte ich nichts anderes sein, als ich bin. Aber wenn ich so einen Feenwunsch frei hätte, würde ich vielleicht mal einen Tag als Vogel verbringen oder so (lacht).

Was schätzen Sie an Ihren Schweizer Freunden am meisten?
Meine Schweizer Freunde sind offen und liebevoll. Das sind aber meine Nicht-Schweizer Freunde auch.

Worum beneidet man Sie?
Ich glaube nicht, dass man mich wirklich beneidet. Was ich schon sagen gehört habe, war höchstens so etwas wie: «Du verreist dort und dorthin? – Wow, ich beneide dich.»

Wie bereichern Menschen aus anderen Kulturen Ihr Leben?
Ganz im Innersten sind wir alle gleich, das merke ich immer wieder. Wie Menschen aus verschiedenen Kulturen, aber auch mit verschiedener Geschichte und Erfahrungen, jedoch mit Situationen umgehen, kann sehr unterschiedlich sein. Ich habe Freunde aus ganz vielen Kulturkreisen. Kontakt, Beziehungen, Austausch kann helfen, meine «Sicht» oder meine Gewohnheiten zu relativieren – der Horizont wird sozusagen weiter, es werden vielleicht andere Möglichkeiten sichtbar, man kann auch mal über sich selber lachen... Die Gemeinsamkeiten sehen und kultivieren ist aber der schönere Weg, als sich über Unterschiede den Kopf zu zerbrechen!

Was wäre ohne Menschen aus anderen Kulturen in Ihrem Leben anders?
Oh mein Gott. Zuerst mal wäre ich nicht ich, denn meine Kindheit war unter anderem geprägt von einer sehr norwegischen Grossmutter und lustigerweise viel lateinamerikanischer Musik. Also ich hätte keine norwegischen Weihnachten und keine Mitternachtssonne im Gemüt, kennte keinen Geitost (mein norwegischer Käse), aber heute auch keine brasilianischen Klänge in meinem Leben, keinen Pilão (mein Kaffee), keine Oliven vom Markt in Bagnols, keine Tipps von Freunden, wie man den besten Risotto oder Bun Cha kocht, kein aufmerksames Merhaba und Dobar Dan um die Ecke...

Aber wir sollten sowieso aufhören, die Menschen zu sortieren, zum Beispiel in Schweizer und Nicht-Schweizer und so weiter. Die Realität ist nämlich schon lange eine Schweiz, die ein Mosaik von Kulturen ist und auch nur so funktioniert – nur dass die Mitspracherechte dem überhaupt nicht entsprechen.

Walter Luiz Alves

Walter Luiz Alves

SRF/Gina Folly

Walter Luiz Alves kommt aus Rio de Janeiro, ist 51 Jahre alt, ist vor 25 Jahren in die Schweiz gekommen und wohnt mit seiner Lebenspartnerin Karen Pfister im Kleinbasel. Er hat in Brasilien Sport studiert. Heute arbeitet er in der Fondation Beyeler in Riehen als Museumsaufsicht. In der Schweiz ist er, weil «das Leben das so gewollt hat».

Karen Pfister

Karen Pfister

SRF/Gina Folly

Karen Pfister ist in Basel aufgewachsen und wohnt heute im Kleinbasel. Die 42-jährige Lebenspartnerin von Walter Luiz Alves ist als Sonderpädagogin tätig.

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