Hinter verschlossenen Türen: Das Konklave beginnt

Vor acht Jahren spendierte Josef Ratzinger Eis und Sekt – die Nonnen hatten keine Zeit ein Festmahl zu bereiten, so schnell war der deutsche Kardinal zum neuen Papst gewählt worden. Wie lange oder wie kurz die 115 Kardinäle dieses Mal tagen, ist absolut offen.

Im Vordergrund sieht man die Staue des Apostel Paulus vor dem Petersdom. Im Hintergrund montieren Menschen einen roten Vorhang vor die Balkontür.

Bildlegende: Am Balkon des Petersdoms hängt der samtene, rote Vorhang: Hier wird sich der neue Papst zum ersten Mal zeigen. Keystone

Bohnensuppe, Salat und Obst – das war als karge Abendration vorgesehen an diesem Apriltag im Jahre 2005, als der weisse Rauch schon überraschend nach dem vierten Wahlgang aufstieg. Da konnte der neue Hausherr Benedikt XVI. gerade mal noch was zum Naschen zur Feier des Tages auftischen lassen. Immerhin war es bekömmlicher als ein Pilzgericht, das einmal ein halbes Kardinalskollegium ausser Gefecht gesetzt hatte.

Ein Restaurant mit Spitznamen «Taverna Papa»

Aber für das Kulinarische war der deutsche Kardinal Ratzinger ohnehin nie gross zu haben. Anders als sein polnischer Vorgänger, der, als er noch Kardinal Wojtyla war, gerne in Olivenöl gebratenes Spanferkel und sardischen Rotwein im «I Quattro Mori» bestellte. Das Restaurant gleich um die Ecke beim Petersplatz trug damals den Spitznamen «Taverna Papa».

Aber ums gute Essen soll es ja nun auch nicht gegen in diesen nächsten Wahltagen. Eher ums gute Wählen. Aber was ist schon gut und richtig, bei so einer Papstwahl? Die einen wollen vor allem einen klugen Theologen, so wie Ratzinger einer war; andere

 einen kraftvollen Kirchenführer, wie es Wojtyla war; wieder andere wollen vor allem einen Italiener, so wie es 1000 Jahre lang war.

Absolute Schweigepflicht

Ab heute dürfen sie nicht mal mehr sagen, was sie wollen, die 115 wählenden Kardinäle. Sie unterliegen genauso der absoluten Schweigepflicht wie die 90 Personen, die ihnen während des Konklaves zur Seite stehen werden. In der Cappella Paolina legen die Ärzte, Nonnen, Schweizergardisten und Beichtväter allesamt den Geheimha

ltungseid ab und spannende Einzelheiten – etwa: was gab es zwischen den Wahlgängen für Menügänge? – werden der Aussenwelt allenfalls hernach und natürlich hinter vorgehaltener Hand preisgegeben.

1000 Tage Konklave im Jahr 1268

Das Wahlzeremoniell könnte schon am Mittwochabend nach dem 5. Wahlgang zu Ende sein. Es könnte bis Donnerstag oder auch in die nächste Woche hinein dauern. Aber eines scheint sicher: Ganze 1000 Tage wie jenes ab 1268 wird dieses Konklave nicht dauern.

Damals waren die Kardinäle im Stadtpalast von Viterbo einquartiert worden, um in aller Ruhe – jenseits der römischen Hektik – den neuen Papa bestimmen zu können. Doch das Wahlgremium war damals so zerstritten, dass sie nach zwei Jahren noch immer kein Ergebnis geliefert hatten. Da liessen die Stadtväter von Viterbo schliesslich das Dach des Gebäudes abtragen und lieferten nur noch Brot und Wasser. Trotz dieser abschreckenden Massnahme dauerte es ein weiteres Jahr, bis endlich Papst Gregor X. gewählt war.

Eis und Sekt dürfte es danach wohl kaum gegeben haben.