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Homosexualität und Religion Segen für alle: Bei welchen Religionen geht das?

Wie halten es die verschiedenen Religionen mit der Homosexualität? Wieviel Toleranz gibt es für gleichgeschlechtliche Paare? Ein Überblick.

Eine Frau steht in einer Kirche
Legende: Die «Ehe für alle» gibt es in der Schweiz nicht. Eine Segnung ist teilweise aber auch für Homosexuelle möglich. Getty Images

Die «Ehe für alle» gibt es in der Schweiz noch nicht. Homosexuelle Paare können ihre Partnerschaft lediglich eintragen lassen. Der Schweizer Staat schreibt vor: Religiös darf nur heiraten, wer bereits zivilrechtlich verheiratet ist.

Selbst wenn die Kirchen so richtig progressiv wären, dürften sie momentan Schwule und Lesben nicht trauen. Stattdessen bieten sie Segensfeiern an, die heterosexuellen Hochzeiten stark ähneln.

Der Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren ist je nach Religion und Konfession stark verschieden. Ein Überblick über die verschiedenen Glaubensgemeinschaften.

Christkatholische Kirche

Beim Thema «Segen für alle» sind die Christkatholiken Vorreiter: 2006 beschloss die christkatholische Kirche als erste Landeskirche in der Schweiz, homosexuelle Paare zu segnen.

Römisch-katholische Kirche

Laut offiziellem Katechismus ist gelebte Homosexualität eine Sünde. Allerdings ist die Kirche in Bewegung. Papst Franziskus warnt offiziell vor einer Ausgrenzung. Während konservative Kreise gegen die «Ehe für alle» Stimmung machen, gibt es Priester, die Paare segnen.

ein Rosenkranz
Legende: Eine katholische «Ehe für alle» ist derzeit unwahrscheinlich. Weigand/photocase.de

Das geschieht oft ohne Aufhebens – getreu dem Motto: «Was der Bischof nicht weiss, macht ihn nicht heiss.» Wird die Segnung öffentlich bekannt, kann es vom Bischof einen Rüffel geben.

Das Bistum Basel hat eine sogenannte Regenbogenpastoral. Sie bietet Seelsorge für Homo- und Bisexuelle sowie Transmenschen.

Eine katholische «Ehe für alle» gilt aber als unwahrscheinlich: Das katholische Eheverständnis ist auf biologische Nachkommenschaft ausgerichtet.

Reformierte Kirche

In der Deutschschweiz und im Tessin können sich homosexuelle Paare in den reformierten Landeskirchen segnen lassen. Sollte in der Schweiz die «Ehe für alle» eingeführt werden, gilt es als wahrscheinlich, dass die Reformierten mit einer «Trauung für alle» nachziehen.

Wobei der Unterschied oft nur die Bezeichnung ist: Viele Pfarrerinnen und Pfarrer feiern bereits jetzt eine Segnung von Homosexuellen gleich wie eine Trauung von Heterosexuellen – nur dürfen sie die nicht so nennen.

In der Westschweiz ist die reformierte Kirche weniger progressiv: In Neuchâtel und Genf gab es bislang ein Veto gegen den «Segen für alle». Im Waadtland führte der Konflikt mit den Freikirchen dazu, dass es keine eigentliche Segnung gibt. Gestattet ist «eine liturgische Geste» in Form einer Fürbitte. In Genf kommt das Thema «Segen für alle» im März wieder auf die Traktandenliste.

Freikirchen

Freikirchen gelten als homophob: Laut dem Schwulenverband «Pink Cross» vertreten viele Freikirchen die Ansicht, dass Homosexualität eine therapierbare Krankheit und Sünde sei.

Die Freikirchen lehnen den «Segen für alle» ab. Der Verband Freikirchen Schweiz (VFG) sagte gegenüber SRF: «Wir engagieren uns für die Stärkung der Ehe zwischen Mann und Frau. Eine öffentliche Segnung aller Beziehungsformen würde diesem Grundsatz widersprechen. Darum wird eine Segnung aller von uns nicht praktiziert.» Allerdings wollen die Freikirchen «andere nicht herabstufen».

Jüdische Gemeinde

Zeremonien für homosexuelle jüdische Paare sind in der Schweiz nur in liberalen Gemeinden möglich. Die Nachfrage ist allerdings klein. «Ich würde für Schwule und Lesben eine Zeremonie machen», meint Ruven Bar Ephraim, Rabbiner der liberalen Gemeinde in Zürich.

Den Job hat er seit elf Jahren. Bislang habe es keine einzige Anfrage gegeben – obwohl die Gemeinde homosexuelle Mitglieder habe.

Ein jüdischer Mann in der Strasse
Legende: In liberalen jüdischen Kreisen ist eine homosexuelle Segnung möglich. ywoolf/photocase.de

In Grossbritannien und in Israel sei es üblich, die Trauzeremonie leicht abzuändern. Typische Elemente blieben erhalten, etwa dass die Brautleute sich unter der Chuppa (Baldachin) sieben Mal umkreisen, aus einem Becher Wein trinken, Ringe austauschen und Glas zu Bruch geht.

Die Textpassagen werden modifiziert, denn die handeln von Mann und Frau. Stattdessen werde von einer «Brit Ahawa» gesprochen, einem «Bündnis der Liebe».

Islam

Obwohl Formen von Homosexualität lange Zeit im arabischen Raum akzeptiert waren, gilt Homosexualität im Islam als Sünde. Einzelne Muslime machen sich in der Schweiz für eine liberale Moschee stark, doch die steckt noch in den Kinderschuhen.

Eine Frau vor einer Moschee
Legende: Zwei Frauen, die sich lieben? Im Islam eine heikle Angelegenheit. designritter/photocase.de

Entsprechend gibt es auch noch keine Erfahrungen mit islamischen Zeremonien für Schwule und Lesben in der Schweiz. In Grossbritannien und in Norwegen gibt es bereits Beispiele für religiöse Hochzeits- oder Segensfeiern für muslimische Schwule und Lesben. Für Traditionalisten sind diese ungültig: Sie sehen in Homosexuellen «Abtrünnige».

15 Kommentare

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  • Kommentar von Mike Lotz (Mike Lotz)
    Ausgelebte Homosexualität als falsches Verhalten zu werten ist nicht automatisch homophob, genauso wie jemanden zur Zurückhaltung zu bewegen nicht eine Angst gegenüber dieser Person bedeutet. In vielen Bereichen im Leben liegt auch ein Segen eher auf dem Verzicht, als darauf einem Impuls nachzugehen. Deshalb überrascht mich der Mangel an Differenzierungsvermögen in diesem Artikel, der zum Thema Homosexualität eindeutig Stellung bezieht, ohne den jew. Begründungen eine faire Chance zu geben.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Die "Kategorisierung" von Menschen, ist absoluter Unsinn und sehr beschämend! Es gibt einfach verschiedene Menschen weltweit - weiblich und männlich, gut, oder böse!! Alles andere ist unwichtig!
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    1. Antwort von Charles Halbeisen (ch)
      Die Genealogie des Schamgefühls ist ja auch höchst interessant und wieso gewisse Menschen dazu neigen, sich zu schämen. Und andere schämen sich überhaupt nicht. Und im Gegensatz zum direkten Kritik, ist das Schämen politisch immer korrekt.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Was mir nicht ganz klar ist, warum sich manche gleichgeschlechtliche Paare in diese doch recht eigenartige Institution Ehe hineinzwängen wollen. Der einzig nachvollziehbare Grund schient mir, diesen Bund als einen Verwaltungsakt zu sehen, zwecks Vereinfachung, wenn Kinder da sind. Dass mit der Liebe und der 1:1 Beziehung ist doch eher ein völlig übehöhtes und überbewertetes patriarchales Geschäftsmodell, dass da auf allen Kanälen medialer Verbreitung mit Insistenz zelebriert wird ....
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    1. Antwort von Bettina Wyler (BeWy)
      Es sollte ganz einfach jeder selber entscheiden können, ob er/sie diesen Bund eingehen will oder nicht, unabhängig von der sexuellen Orientierung. Es wollen weder alle homosexuellen noch alle heterosexuellen Paare heiraten.
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    2. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Das ist auch völlig richtig Frau Wyler und doch stellt sich mir die Frage, warum gleichgeschlichtliche Paare auch ungleichgeschlichtliche Paare heute wieder so erpicht darauf sind im Hafen der Ehe zu ankern. Ein Hafen, der eigentlich und vor allem patriarchalem Zuschnitts ist .... und dazu passend wäre dann als gesellschaftlicher Denkanstoss Donna Haraways Aussage : Make Kin not Babies ....
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    3. Antwort von Mirjam Sutter (mse)
      Weil die Ehe von diesen Menschen nicht als Geschäftsmodell angesehen wird, sondern als offizielles rechtliches und symbolisches Statement, dass man das Leben zusammen bestreiten möchte. Oder als ein besonderer "Akt", um die Liebe füreinander zu zelebrieren. Oder weil sie religiös sind und dieser Bestantteil für eine Beziehung als wichtig erachten. usw.. Die Gründe sind bei Homosexuellen wie bei Heterosexuellen ähnlich, wenn nicht sogar gleich...
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