Krieg und Frieden

Was tun, wenn einem angesichts der Weltlage angst und bang wird, und man so gern etwas dagegen tun würde, aber nicht weiss was. Hüsnü kennt Krieg und Frieden aus eigener Erfahrung und weiss, was zu tun ist.

«Lieber Hüsnü, die Welt macht mir Angst. Es gibt so viel Hass, so viel Elend unter den Menschen, und keine Besserung ist in Sicht. Ich bin sicher, dass alles noch viel schlimmer werden wird. Was kann man gegen den Irrsinn der Welt tun?» Heiner, 42 Jahre, aus Stuttgart.

Lieber Herr Heiner, sollst du jetzt eine Bierdose nehmen und bisschen sitzen und trinken und zuhören. Der Hüsnü möchte paar Wörter mit dir reden. Wann ich war kleine Bub, vielleicht zwei oder drei Jahre alt, ich habe dem Krieg gesehen. Also nicht persönlich, aber auf Sofa und auf Videofilm. War ich krank, hatte ich Grippe, und meine Grossschwestern müssen zu mir aufpassen, weil Mutter und Vater arbeiten. Natürlich, immer wann sind allein zu Hause, meine Schwestern machen verbotene Sachen wie zum Beispiel Rauchen. Jetzt wollt einmal etwas noch mehr Verboten machen. «Wir müssen dem Welt verstehen», sagt Grossschwester Handan, «Aber verstehen wir nie, wann schauen wir immer blöde Liebesfilme.» Also eine rennt zum Videotek und holt diese schlimme amerikanische Kriegfilm. Sie schauen, nicht nur wegem Krieg, aber auch wegem amerikanische Schauspieler, wo spaziert immer mit nackte Überkörper. Sie rauchen und schauen, schauen und rauchen.

Ich schaue vom meine Krankensofa auch bisschen und lache, weil verstehe ich nichts vom Krieg und Männerkörper. Aber dann, im Nacht, mein Schwestern haben Angst, weil denken sie am schlimme Bilder vom tote Menschen im Film. Keine kann schlafen, am Tag keine kann essen. Mein Vater, wo liebt die Mädchen, denkt, jemand hat Büyü* gemacht. Mein Mutter findet dem Büyü unter die Sofa und schreit: «Deine blöde Mädchen! Was muss schauen solche Filme? Jetzt ist Strafe vom Gott gekommen!»

Meine Vater holt eine Imam zum Gesundbeten die Mädchen, mein Mutter holt ein Pfanne zum Gesundschlagen. Mein Vater sagt: «Bitte, Necla, schaust du selber jeden Tag eine nackte Mann, und bist du nicht krank geworden!» Mein Mutter sagt: «Du bist keine Mann! Und schau ich dir immer mit geschlossene Augen.» Dann sie streiten, und mein Schwestern haben noch mehr Angst.

Kommt die Tag, wo Herr Doktor kommt mir schauen und fragen, wie geht es mir. Ich sage: «Wir haben Krieg und nackte Männer im Haus». Kommt Polizei, Kinderhilfe, Gemeindevorstand, Nachbarn und auch Kioskverkäufer, alle kommt zum schauen Krieg und nackte Männer bei Familie Haydaroglu. Meine Schwestern schwören, nie wieder zu gehen Videothek zum Welt verstehen.

So, Herr Heiner, jetzt zu dir. Schau mal: Deine Aufgabe ist nicht zum Krieg verstehen im Welt, sondern Frieden machen im deine Umgebung. Ich wünsche viel Glück.

*Büyü: Zauber, Verwünschung

Hüsnü hilft

Hüsnü Haydaroglu ist Kolumnist und Lebensberater. Der Mann mit Schnurrbart weiss in seinem eigenwilligen «Tiefdeutsch» eine Lösung für jede verzwickte Lage. Hüsnüs Kolumnen erscheinen regelmässig auf srf.ch/kultur.

Hüsnü Haydaroglu ist eine Kunstfigur von Güzin Kar, gelesen von Hilmi Sözer. Mit Ihren Fragen können Sie sich hier an Hüsnü wenden.

Güzin Kar

Güzin Kar

Die Drehbuchautorin und Filmregisseurin («Lieber Brad», «Die wilden Hühner», «Fliegende Fische», «Achtung, fertig, WK!» etc.) schreibt obendrein Kolumnen und Bücher. Sie mag: Chips, Charme und alles, was scharf ist. Sie mag nicht: Geiz, Besserwisserei und Witze auf Kosten von Schwachen. Güzin ist auf Facebook.